521
397/6
Der Entwurf für eine Antwort Hamanns auf amtliche Schreiben der Generaladministration befindet sich im Kontext der Korrespondenz, die auf seine Eingabe vom 19. November an
Morinval
folgte (vgl.
HKB 519 ( III 391/13 )
). Inzwischen waren mehrere nicht überlieferte Schreiben der Generaladministration eingetroffen, so am 4. Dezember (vgl.
HKB 519 ( III 391/16 )
), am 8. und 19. (
s.u.
) und am 27. Dezember (vgl.
HKB 522 ( IV 1/22 )
). Der Entwurf thematisiert teilweise die Erstreckung von Hamanns amtlichen Pflichten, Titeln und Gehalt beim Königsberger Licent, teilweise den Streit um den Garten seiner Dienstwohnung mit den
Blomschen Erben
. – Eine überarbeitete und nicht überlieferte Fassung des Schreibens sandte Hamann wohl tatsächlich ab, vgl.
HKB 522 ( IV 2/3 )
.
Messieurs,

7
Vous excedez tous mes retours de reconnaissance en venant de fixer

8
mon emploi
als
Packhofverwalter
am Königsberger Licent
Vous
sur
les bornes et les
fonctions
termes de mon emploi, que je

9
dois Mrs à Votre Grace et que je
aime
cheris comme ma vie
et
avec

10
mon antecesseur
Wybrand Blom
une jalousie, laquelle m’a fait prendre quelques ombres, dont mon

11
Inspecteur de la Douane
Es geht um die Licentratstelle, die Wybrand Blom (im Gegensatz zu Hamann) in Kombination mit derjenigen als Packhofverwalter innehatte, vgl.
HKB 484 ( III 301/2 )
.
antecesseur
m’a
paroît avoir joui en qualité d’ancien Inspecteur de la

12
Douane,
ayant été encore le
vicaire
de celui
de Votre creature
pour

13
des
attributs
reels –

14
19 du cour.
wohl ein negativer Bescheid Morinvals oder der Generaladministration bezüglich der Licentratstelle vom 19. Dezember 1777; nicht überliefert
Mais le 1
o
Votre Decision supreme du 19 du cour. vient de detruire

15
le zele qui m’a rongé.

16
Le 2
o
n’appartient point à mes griefs:
parceque
car j’ai resigne de

17
50 Ecus
Hamann wurden vom
Königsberger Admiralitätskollegium
50 Taler von seinem Jahresgehalt abgezogen, die Wybrand Blom zusätzlich als Licentrat bekommen hatte; wohl ebenfalls im Zusammenhang mit den Aufgaben als Binnen-Lootsen-Commandeur, vgl.
HKB 484 ( III 306/15 )
und
HKB 484 ( III 306/24 )
.
moi-meme aux 50 Ecus aux objets y relatifs et à leur ressort.

18
3
o
En consequence des eclaircissemens qui Vous ont été fournis Mrs et des

19
l’Inspecteur General … 8 du courant
ein Bescheid vom 8. Dezember, nicht überliefert
avis que l’Inspecteur General m’a donnés en m
le 8 du cour. le Registre

20
des passeports aux lamaneurs, je Vous supplie très humblement de
être

21
me dispenser de ces expeditions, etant aussi eloigné de les desirer que

22
de me pardonner à moi meme la peine de prendre soin à des nouveautés – –

23
plage sur le os …
Hamanns Beinverletzung und anschließende Krankheit, vgl.
HKB 519 ( III 391/3 )
4
o
Aussitot que je serai retabli d’une plage sur le
devant
os de ma

24
jambe gauche laquelle m’a sauvé d’une chute plus dangereuse je ne

25
vivrai que pour la tenue de mes quatre Registres et pour satisfaire
avec

26
la soumission et l’obeissance la plus scrupuleuse
aux restrictions de

27
leurs tetes et colonnes, aux auspices de mon Installation et à l’esprit de

28
Votre Decision supreme avec la soumission et l’obeissance la plus

29
scrupuleuse. Ce sera mon gout, ma gloire et mon repos.

30
Mais n’en croyez rien Messieurs, que ma Muse jardiniere fût jamais

31
capable de la rusticité, dont Vous la soupçonnez – C’est à Vous, que le

32
Roi a confié la vigne de Ses Finances; C’est à Vous, que je dois la

33
satisfaction, l’honneur et le benefice d’être un franc locataire et usufructuaire

34
un lieu de marché ou une caverne des voleurs
Mt 21,12f.
; im Kontext von Hamanns Vorwürfen gegenüber seinem Vorgänger
Wybrand Blom
, die Dienstwohnung für eigennützigen Gewinn missbraucht zu haben, vgl.
HKB 515 ( III 383/32 )
.
d’un Domaine du Roi. A Dieu ne plaise que j’en fasse
un lieu de

35
marché ou une caverne des voleurs
– et
a Dieu ne plaise
que Votre cas

S. 398
Messieurs fût le mien et celui du Psalmiste
si Vous vous souvenez, qu’il

2
Exterminavit …
Ps 80,14
est ecrit
: „Exterminavit eam aper de sylva et singularis ferus depassus

3
est eam!“ c’est à dire les sangliers de la foret l’ont detruite et toute sorte

4
de betes sauvages l’ont broutee! – A Dieu ne plaise que ces pretendus

5
griefs
ne
soyent
plus
mieux fondus et plus consequens que leurs

6
eclaircissemens, qu’une pauvre dupe
signe
et signe
comme
les

7
lettres de change de son
ami
compagnon
et fombe
fripon et bete.

8
mon vengeance, mon bouclier
Ps 18,3 und 48
Dieu qui m’entend sera mon vengeance, mon bouclier et ma grande

9
recompense. Amen!

10
J’ai l’honneur d’être pour toute ma vie avec
le respect
la

11
soumission la
plus respectueuse et la plus profonde et la plus singuliere

12
Sympathie
ce dernier Xbre 777.

Rohübersetzung (chat GPT), ohne Streichungen, noch durch Joscha zu korrigieren, grad am Ende ist das recht stark literarisiert (?!?):

Meine Herren, Sie übertreffen alle meine Bekundungen der Dankbarkeit dadurch, dass Sie selbst die Grenzen und die genaue Bestimmung meines Amtes festgelegt haben, das ich Ihrer Gnade verdanke und das ich mit einer Eifersucht (d. h. mit äußerster Sorge und Wachsamkeit) liebe wie mein eigenes Leben. Diese hat mich einige Befürchtungen hegen lassen, da mein Vorgänger als ehemaliger Inspektor des Zolls offenbar gewisse Vorrechte genossen hat, die er als wirkliche Befugnisse seines Amtes ansah. –

Doch die erste Sorge hat Ihre höchste Entscheidung vom 19. dieses Monats soeben beseitigt und damit den Eifer zum Schweigen gebracht, der mich verzehrt hat.

Der zweite Punkt gehört nicht zu meinen Beschwerden; denn ich habe von mir aus auf die 50 Écus, auf die damit verbundenen Gegenstände und auf den dazugehörigen Zuständigkeitsbereich verzichtet.

Drittens. In Anbetracht der Aufklärungen, die Ihnen, meine Herren, gegeben worden sind, sowie der Weisungen, die mir der Generalinspektor erteilt hat, als er mir am 8. dieses Monats das Register der den Lotsen ausgestellten Pässe übergab, bitte ich Sie ganz ergeben, mich von der Ausfertigung dieser Schriftstücke zu entbinden; denn ich bin ebenso wenig geneigt, sie zu beanspruchen, wie ich es mir selbst verzeihen könnte, mich mit der Mühe abzugeben, derartige Neuerungen einzuführen bzw. zu betreuen.

Viertens. Sobald ich mich von einer Verletzung am Knochen meines linken Beines erholt haben werde, die mich vor einem weit gefährlicheren Sturz bewahrt hat, werde ich nur noch dafür leben, meine vier Register ordnungsgemäß zu führen und den Vorschriften ihrer Überschriften und Spalten Genüge zu tun – im Geiste meiner Einsetzung und im Sinne Ihrer höchsten Entscheidung –, und dies mit der gewissenhaftesten Unterwerfung und dem gehorsamsten Pflichtgefühl.

Doch glauben Sie das nicht, meine Herren: Meine gärtnerische Muse wäre niemals zu jener Grobheit fähig gewesen, deren Sie sie verdächtigen. Ihnen hat der König den Weinberg seiner Finanzen anvertraut; Ihnen verdanke ich die Genugtuung, die Ehre und den Vorteil, als rechtmäßiger Mieter und Nutznießer eines königlichen Gutes zu leben. Gott bewahre, dass ich daraus einen Marktplatz oder gar eine Räuberhöhle mache! Gott bewahre ebenso, dass Ihre Lage, meine Herren, die meine und die des Psalmisten werde: „Der Eber aus dem Wald hat ihn verwüstet, und das wilde Tier hat ihn abgeweidet.“ Mit anderen Worten: Die Wildschweine des Waldes hätten ihn zerstört, und allerlei wilde Tiere hätten ihn kahlgefressen. Gott bewahre schließlich, dass diese angeblichen Beschwerden besser begründet und folgenreicher sein sollten als die Erklärungen, die sie widerlegen – so wie ein armer Narr die Wechsel seines betrügerischen und törichten Gefährten unterschreibt.

Gott, der mein Zeuge ist, wird mir Recht verschaffen, mein Schild sein und mein reicher Lohn. Amen!

Ich habe die Ehre, für mein ganzes Leben mit der größten Hochachtung, der tiefsten Ergebenheit und der aufrichtigsten Verbundenheit zu verbleiben

den letzten Dezember 1777

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2553 [Gildemeisters Hamanniana], I 30.

Bisherige Drucke

ZH III 397 f., Nr. 521.