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22 Jul. 81.
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– Die Anzeige … 1 Band christl. Mag.
Der offenbar fragmentarisch überlieferte Brief beginnt mit der Schilderung der Wirkung einer Rezension aus
Pfenningers
Christlichem Magazin
auf Hamann, ein Thema, das ihn im Zusammenhang seiner kürzlichen Lektüre der positiven Rezension von
Starcks
Freymüthigen Betrachtungen
in Bd. 4 des
Christlichen Magazins
beschäftigte, vgl.
HKB 625 ( IV 312/35 ). – Das hier erwähnte rezensierte Werk, die Polemik
La Verité retablie
eines beinahe unbekannten katholischen Publizisten namens Louis-Étienne de la Croix, wird im Gegensatz dazu völlig verrissen: „Wer dieß Buch lesen, Geschmak dran finden, für wahr halten kann – ist für Menschen Verstand und Bibel, Religion verloren“ (
Pfenninger,
Christliches Magazin
,
Bd. 1, S. 241–243
).
– Die Anzeige von
la Verité retablie
im 1 Band christl. Mag. hat mich so
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Lav.
Die Rezension ist mit „L.“ unterschrieben und stammte wohl von
Johann Caspar Lavater
, vgl.
Christliches Magazin
, Bd. 1, S. 243
.
unruhig nach dem Werke gemacht, daß ich beinahe
Lav.
darum angesprochen.
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Auch diese Neugierde ist befriedigt, u. leider hängt unser Urtheil von einem
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Augenblick
, von einem mehrentheils willkührl.
Gesichtspunkt
ab, daß ich
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fast an allen menschlichen Urtheilen verzage, oder sie wie Majestätsrechte
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Auslegen u. Urtheilen
1 Mo 40,8
betrachte, u. mit dem Erzvater Joseph sagen möchte:
Auslegen
u.
Urtheilen
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gehört Gott zu. – –
27
Kasualpredigten
Waser,
Sammlung einiger Predigten
Felix Waser
Felix Waser
Das kleine Bändchen Kasualpredigten von
Felix Waser
hat mir eine
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angenehme Stunde gemacht. –
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hierophantischen Briefe
Hamann,
Hierophantische Briefe
de reliquiis Gentilismi
Starck,
Tralatitia ex gentilismo in religionem christianam
Die
hierophantischen Briefe
betrafen eine Disputation des
D.
Stark
de
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reliquiis Gentilismi,
davon er die Fortsezung schuldig geblieben wie von
31
Hephästion
Starck,
Hephaestion
in fronte angeführte Stelle
‚in fronte‘ bedeutet vorn bzw. auf der Vorder- oder Titelseite. Es ist allerdings unklar, ob der Bezug auf eine vorherige Briefstelle geht, auf das Motto der
Tralatitia
(„Ab initio non fuit sic“,
Mt 19,8
) oder auf eines der Motti der
Hierophantischen Briefe
(vgl. N III, 135f. und
HHE 5
, S. 31–37). Ebenso unklar ist, welcher Bezug auf
Friedrichs II.
Vorwort zum
Abrégé de l’histoire ecclésiastique de Fleury
bestehen soll; Friedrichs II. religionskritische Vorrede spielt aber auch im Zusammenhang einer Marginalie zu den „geistliche[n] Tribuni plebis“ (
Hierophantische Briefe
, N III,140/12 u. 18, vgl. HHE 5, S. 48) bzw. den „Tribuns de l’ancienne Rome“
Vorwort zu Fleury, S. 17
eine Rolle. ?!?
seinem Hephästion. Die
in fronte
angeführte Stelle bezieht sich auf die
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Philosophen von Sanssouci
Friedrich II.
Vorrede zum
Abregé
der KGeschichte des
Fleury,
welche man dem Philosophen
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von Sanssouci zuschreibt.
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Kaufmanns GeburtsJahr …
Von
Christoph Kaufmann
, Hamanns Vorliebe folgend, hinter den Porträts in seinem Schlafzimmer, unter denen sich auch Kaufmann befand (vgl.
HKB 500 ( III 344/30 )), die Namen und Geburtsdaten der Abgebildeten zu schreiben, vgl.
HKB 537a ( 1/1 ).
– Ich wünschte sehr gern, Kaufmanns GeburtsJahr zu wißen,
etc. etc.
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Vergeben Sie es mir, daß ich so kleinfügige Bitten an Sie thue. Ich liebe
S. 315
Götter hier …
Nach dem Ausspruch des
Heraklit
„introite, nam et hic dii sunt“ (dt. „tretet ein, denn auch hier sind Götter“, überliefert bei
Aristot.
part. an.
, 1,5)
meinen Heerd – u. über die
Götter hier
! wie jener Philosoph von seiner
2
Küche sagte – vergeß ich Publikum u. alle Erscheinungen außerhalb. Sagt
3
das Himmelreich ist in uns
Lk 17,21
nicht auch die Schrift:
das Himmelreich ist in uns
? Wenn Seine Zukunft
4
gleich einem Diebe in der Nacht
1 Th 5,2
gleich einem Diebe in der Nacht seyn wird: so vermögen weder politische
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Authentiken noch prophetische Chronologien Tag zu machen, u. menschlich
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zu reden, wer diesen Dieb
verräth
, kann sich wenigstens für solche hohe
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Offenbarungen gewiß auf Satans Maulschellen Rechnung machen – u. das ist
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nicht Jedermanns Ding
2 Thess 3,3
nicht Jedermanns Ding. Unter dessen Schildwachen u. Nachtwächter ihre
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Pflicht thun, wünsch ich mir u. meinen Kindern einen gesunden festen Schlaf mit
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aber mein Herz wacht
Hld 5,2
dem Zusatz der Sulamith
in petto:
aber mein Herz wacht. Diese Wachsamkeit
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des Herzens ist vielleicht eine Tugend, der wir uns eben so wenig bewußt seyn
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können, als des Pulsschlages u. des Lebens im Schlafe u. die der allein kennt,
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der sie würkt u. in uns schafft – der stillen Ruhe ähnlicher als dem Lermblasen.
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Auch in Ansehung unserer Erkenntnisse u. Einsichten ist ein bescheidner Theil der
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Armuth u. dem Reichthum vorzuziehen.
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– Mir kommt es kaum möglich vor, daß
Zweifel
in
Verzweifelung
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ausarten kann – aber Vorwitz desto eher. Zweifel läßt immer etwas männliche
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Stärke; wie Vorwitz weibliche Schwäche muthmassen. Zweifel ist auch kein
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Unglaube; aber Vorwiz kann eine Folge desselben bereits seyn.
Provenienz
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943; zugrunde lag eine Abschrift von Johann Georg Müller. Letzter bekannter Aufbewahrungsort der verschollenen Abschrift: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], III 18. Original ebenfalls verschollen.
Bisherige Drucke
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 199 f.
ZH IV 314 f., Nr. 626.