627
315/21
Kgsberg den 5
Aug.
Dom
VIII. p. Tr.
22
Mein liebster bester Freund,
23
Gestern Abend habe einen kleinen Schmauß gegeben, den ein junger
24
liebenswürdiger HE von Hogendorp
veranlaßte;
welcher mir von unserm
25
Landsmann
Johann Friedrich Reichardt
Bruder
Dirk van Hogendorp
Landsmann dem Berl. Kapellmeister empfohlen war.
Er
sein Bruder ein
26
Lieutenant bey hiesigem
Grena
dier
Bataillon,
noch ein alter Bekannter vom
27
HE. von Auerswald
Hans Jakob von Auerswald
Militairstande HE. von Auerswald, und ein gantz neuer
D
o
deßen italienischen
28
Namen ich noch nicht zu schreiben weiß – der aber ein Landsmann des letzten
29
Pabsts seel. Andenken u ein halber Hausgenoße von
Mylord Marechal
30
Kayserlingschen Hause
Heinrich Christian Reichsgraf von Keyserling
Prof. Kraus
Christian Jacob Kraus
gewesen
wie gegenwärtig vom Kayserlingschen Hause, nebst Prof. Kraus –
31
Kreutzfeld
Johann Gottlieb Kreutzfeld
Halbbruder
N.N. Hennig
Kreutzfeld lebt auf dem Lande bey seinem Halbbruder, Schulmeister in
32
Neuhausen – wir schmausten in unserer Laube, der Abend war herrlich – zum
33
Director
Carl Christoph Stockmar
Pfeifchen kam mein Nachbar, der
Director
und ich
anticipir
ten
in Gedanken
34
sämtlichen Geburtstage
etwa die Geburtstage Hamanns am 27. August oder Herders am 25. sowie einiger seiner Kinder Mitte/Ende August
unsere
sämtlichen
Geburtstage – Denn die rechte Feyer eines jegl. dörfte
S. 316
vermuthlich mehr im Geist als nach dem Fleisch geschehen. Ein Gericht Fische,
2
das allen wol behagte, ein guter Kalbsbraten, und eine geräucherte Zunge,
3
Bischof
Alkoholisches Mischgetränk, bestand wohl meist in einem Aufguß von rotem Wein auf zerschnittene, frische, bittere Pomeranzen oder Pomeranzenschalen mit einem Zusatz von Zucker.
die aber nicht berührt wurde – und 2
Bouteillen
Bischof war die ganze
4
Hogendorp
Gijsbert Karel van Hogendorp
Gevatter Claudius
Matthias Claudius
Herrlichkeit. Hogendorp ist diesen Sommer auch von Gevatter Claudius in
5
Haugwitzischen Familie
Christian Heinrich August Curt von Haugwitz
Gesellschaft der Haugwitzischen Familie – aber mit
Champagner
bewirthet worden;
6
Prinzen Heinrich
Prinz Heinrich von Preußen
ist
Pag
e beym Prinzen Heinrich gewesen, in seinem 19ten Jahr ein Liebhaber
7
der lateinschen, griechischen, engl.
p
Sprachen – und ein schönes,
8
hoffnungsvolles
p
Gewächs, geht nach Holland, wo seine trefl. Mutter im Haag lebt
9
Vater
Willem van Hogendorp
Lid … Genoottschap
Mitglied zweier Gelehrtengesellschaften in Seeland und Batavia (er war Mitgründer der Königlich Batavischen Gesellschaft der Künste und Wissenschaften)
und sein Vater als
Lid van het zeeuwsch en Batavianisch Genoottschap
ist
10
Sophronisba
Hogendorp,
Sophronisba
Verf. einer
Sophronisba, of de gelukkige Moeder Rotterd.
780. und noch einer
11
andern Schrift
Hogendorp,
Kraspoekol
W.
Weimar
andern Schrift die Behandl. der Sclaven betreffend – Sollte er nach W. kommen:
12
so werden Sie ihn persönl. kennen lernen. Er geht in holländische
Dienste –
13
Unser Kr. R. Hippel ist auch vorgestern nach Berl. abgegangen mit
14
Aussichten einer ähnl.
Excursion
in Ihre Fluren; in welchem Fall er mir
15
versprochen Sie auch von mir zu grüßen; wiewol die lieben Politici weder Sclaven
16
noch Herren ihre
s
r Wort
s
e sind.
17
Ehe ichs vergeße, muß ich Ihnen meinen Dank für die Qveckencur
18
Qveckencur
vgl.
HKB 615 ( IV 270/28 ) und
Adelung, Bd. 3, Sp. 888, s.v. Quecke
: „In engerer Bedeutung sind es die überaus schnell und weit um sich her wuchernden Wurzeln des Queckengrases, Triticum repens L. welche Wurzeln auch unter die blutreinigenden Getränke in den Apotheken gebraucht werden.“
abstatten, zu der Sie mir Appetit gemacht, u die mir so herrliche Dienste gethan,
19
s. v.
sit venia erbo, dt. entschuldigen Sie den Ausdruck
daß jetzt mein alter Schaden völlig heil geworden und ich ein gantz neues
s. v.
20
Gesäß
bekommen
21
neue Buchladen
Der ehemals
Kantersche
Buchladen, nun im Besitz von
Wagner
und
Dengel
, die nun die Bücher von der Leipziger Frühjahrsbuchmesse anbieten.
Der neue Buchladen ist eröfnet, und ich habe
Dängel
Handgeld gegeben
22
Vorschrift meinem Hans Michel zum Besten
Wohl im Zusammenhang von
Johann Michael Hamann
, seiner geplanten Buchhändlerausbildung bei
Hartknoch
(vgl.
HKB 629 ( IV 323/30 )) und
Wezels
Ankündigung einer Privatanstalt für den Unterricht und die Erziehung junger Leute zwischen dem zwölften und achtzehnten Jahre
(vgl.
HKB 629 ( IV 323/35 )).
für eine Vorschrift meinem Hans Michel zum Besten, dem Wagner aber einen
23
1. Band der Bayerschen Akademie
Abhandlungen der Baierischen Akademie über Gegenstände der schönen Wissenschaften
, Bd. 1
runden Thaler für den 1. Band der Bayerschen Akademie wegen Ihrer beyden
24
Preisschriften die ich mit vielem Vergnügen gelesen und deren Uebersendung
25
ich Ihnen nicht zumuthen wollte. Dafür bestelle aber zum voraus die
26
Klaglieder
, wovon Sie eher ein Exemplar sich als Vorredner bedingen können –
27
und erwarte selbige zu seiner Zeit.
28
Apologie der Apokalypse
Hartwig,
Apologie der Apokalypse
Unter den Neuigkeiten so ich gelesen, steht die Apologie der Apokalypse,
29
kritische Geschichte des Chiliasmus
Corrodi,
Kritische Geschichte des Chiliasmus
Verf.
Heinrich Corrodi
die kritische Geschichte des Chiliasmus, deren Verf. ich gern wißen möchte
30
Arnoldi 1 Beytrag
Arnoldi,
Zur Exegetik und Kritik des Alten Testaments
u die Apologie der Vernunft gegen Seiler oben an.
Heute
des Arnoldi
31
1 Beytrag zur Kritik u Exegetik des A. T. durchgelaufen, mancherley daraus
32
kennen gelernt. S. 105 bey dem Gegensatz der Salomonischen Simplicität
33
mit der studierten Dunkelheit eines H****** ein wenig gestutzt, an Sie und
34
mich gedacht, unterdeßen mir
mehr
gewünscht von diesem
facundo nepote
35
des seel. Schultens; auch Lowths Jesaias zu lesen den Anfang gemacht u die
36
Einl. zu Ende gebracht.
37
Malebranche Recherche
Malebranche,
De la recherche de la verité
Gestern den 3ten Theil von
Malebranche
Recherche
zu Ende gebracht,
S. 317
Qvelle der Humischen Philosophie
David Hume
, demnach für
Hamann (Übers.),
Dialogen die natürliche Religion betreffend
Berkly
Berkeley,
Philosophische Werke
; neben einem biographischen enthält es
Berkeley,
Three Dialogues between Hylas and Philonous
als
eine Qvelle der Humischen Philosophie
, wie
Berkly
, deßen ersten
2
Theil nebst Beattie 2 Bänden auch durchlaufen.
3
gebunden Exemplar von Kant
Kant,
Critik der reinen Vernunft
, am 22. Juli, vgl.
HKB 625 ( IV 312/19 ) Heute vor 14 Tagen erhielte in der Morgenstunde ein gebunden Exemplar
4
Form … Ueberbringer
Form meint wohl das gebundene Exemplar; der Überbringer war wohl Kant persönlich
Materie … Hartknoch
meint wohl die gedrucken Bogen; dem Verleger
Hartknoch
; vgl. auch
HKB 629 ( IV 322/1 ) von Kant, die Form bezahlte dem Ueberbringer an Biergeld u die Materie
5
Recension en gros
Hamann,
Rezension von Kants Critik der reinen Vernunft
; der Entwurf ist unterschrieben „d 1 Julii 81“
bleibe Hartknoch schuldig. Den 1
Julii
entwarf eine
Recension en gros,
habe
6
selbige aber
ad Acta reponirt,
weil ich dem Autor als einem alten Freunde
7
Wohlthäter … Posten
Die Stelle bei der
Königsberger Akzise- und Zolldirektion
bekam Hamann 1767 auf Vermittlung
Kants
.
und ich muß fast sagen, Wohlthäter, weil ich ihm fast gänzl. meinen ersten
8
Posten zu danken habe, nicht gern vor dem Kopf stoßen möchte. Sollte
9
Humische Uebersetzung
Hamann (Übers.),
Dialogen die natürliche Religion betreffend
bzw. der Begleitessay dazu, der sich zunehmend mit einem Plan über den ‚preußischen Hume‘ (Kant) verband, vgl.
HKB 622 ( IV 305/23 ) aber meine Humische Uebersetzung das Licht dieser Welt erblicken, so werde
10
kein Blatt vors Maul nehmen, sondern sagen was ich alsdenn denken
11
werde.
12
Weygand
Johann Friedrich Weygand
, am 21. Juli, wegen der angekündigten
Konkurrenz-Übersetzung
und der Identität ihres Übersetzers; nicht überliefert, vgl.
HKB 625 ( IV 312/13 ) An Weygand habe selbst geschrieben, der aber in Holland seyn soll, um
13
zu wißen ob seine angekündigte Uebersetzung unterdrückt ist und worinn die
14
Beyl.
In der Ankündigung im
Messkatalog für Ostern 1780, S. 938
ist von „einigen der in England darüber herausgekommenen, als auch eigenen Anmerkungen des Uebersetzers“ die Rede.
Breitkopfs Magazin
Breitkopf (Hg.),
Magazin des Buch- und Kunsthandels
Beyl
. bestanden. Im Breitkopfs Magazin wovon ich aber nur 7 Stücke
15
Remarks …
Priestley,
Letters to a philosophical unbeliever
, wofür im
Magazin des Buch- und Kunsthandels
,
St. 1 (Januar 1781), S. 68
eine Übersetzung bei Weygand für 1782 angekündigt wurde. Die Ankündigung lautet: „Letters to a philosophical unbeliever, by J. Priestley. London, 1780. Diese Schrift ist gegen Hume’s Dialogues on natural Religion gerichtet, wovon in letzter Michaelismesse eine deutsche Uebersetzung, der auch zugleich die Remarks on this Dialogues by Mr. Hayter übersetzt, beygefügt sind, herausgekommen ist.“ – Hamann merkte offenbar deshalb auf diese Zeitungsente auf, weil sie die
Weygand-Übersetzung der
Gespräche über natürliche Religion von David Hume
behandelt, als wäre sie bereits zu Michaelis 1780 erschienen, und zwar mit einer Beigabe einer Übersetzung von
Thomas Hayters Replik
Remarks on Mr Hume’s Dialogues concerning natural religion
– die Übersetzung erschien aber erst zu Michaelis 1781 nebst „einem Gespräch über den Atheismus von Ernst Platner“. Hintergrund sind wohl Unstimmigkeiten in der Publikationsplanung bei Weygand sowie Terminverzögerungen, vgl. auch
HKB 614 ( IV 269/15 ).
gesehen
habe
Remarks on Mr Hume’s Dialogues by Th. Hayter
und
16
Priestley Letters to a philosophical Unbeliever
gefunden. Wißen Sie
17
mehr, so bitte mir die Titel mitzutheilen.
18
Sonst liegen noch 2 Folianten des heil.
Thomas Aquinas,
deßen Politik
19
Helvetius … Machiavels
Helvetius
und
Machiavelli
, in
de l’homme
, 9. Abschn., Kap. 22,
Übers., Bd. 2, S. 337–341
, vgl.
HKB 625 ( IV 311/29 ) zu lesen mir
Helvetius
Lust gemacht, der ihn einen vortrefl.
Commentator
20
du Theatre …
Mercier,
Du théatre
des Machiavels nennt,
la vie privée de Louis XV. Tom
2. und
du Theatre
21
ou nouvel Essay sur l’Art Dramatique Amsterd.
773. zur Hand den ich auch
22
heut zu lesen angefangen, weil man mir ihn als ein Meisterstück des
23
Mercier
Louis-Sebastian de Mercier
gallicanischen Geschmacks empfohlen. Mir scheint es wahrscheinl. daß
Mercier
24
Verf. davon ist. Zu viel Wortgepränge und mehr Geschrey als Wolle. Bey
25
einer solchen Diät als leider! meine
Lectu
re ist, läst sich wenig von gesunden
26
Säften versprechen – und das ganze Drama meiner Autorschaft scheint auch
27
καθαρκτικῳ
Abführmittel bzw. Purgiermittel zur Reinigung der Säfte
a priori u posteriori
aus der
Kantschen Transzendentalphilosophie
(eigentlich ‚vom Früheren/Späteren her‘), hier skatologisch zu verstehen
wirklich einem
καθαρκτικῳ
a priori
u
posteriori,
in der Transcendental
28
s
Sprache zu reden, am allerähnlichsten zu seyn.
29
Trompeter
Die phantastische Zeitungsanekdote nicht ermittelt; sie bezieht sich auf den Einsturz des Turmes des Deutschen Doms am Gendarmenmarkt in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1781, vgl. etwa
Hamburgischer unpartheyischer Correspondent
, Beil. 31.7.1781, S. 1f.
Daß ein Trompeter von der
Garde
einen Thurm in Berl. der 2
1
/
2
Tonnen
30
Goldes kostet, bey seiner
Reveil
über den Haufen geblasen, hat im gestrigen
31
Blättchen gestanden.
32
Charactere
Kütner,
Charaktere teutscher Dichter und Prosaisten
, zu Hamann vgl.
Bd. 2, S. 411–415
, zu Herder
Bd. 2, S. 463–467
Küttner
Karl August Kütner
Daß die Charactere, worinn wir beyde auch figuriren, von Küttner sind,
33
Wetzels Schrift …
Wezel,
Ueber Sprache, Wissenschaften und Geschmack der Teutschen
wird Ihnen vielleicht auch schon bekannt seyn. Wetzels Schrift über Sprache
p
34
Moritz … Damen
Moritz,
Deutsche Sprachlehre für die Damen
der Teutschen läst sich artig lesen. Mösers ist noch nicht hier. Moritz hat uns
35
angekündigt
Moritz’
Deutsche Sprachlehre für die Damen
war ab Anfang August verschiedentlich zur Pränumeration ausgeschrieben, etwa im
Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten
, Beil. 11.8.1781, S. 1
.
Meiner
Meiner,
Versuch einer an der menschlichen Sprache abgebildeten Vernunftlehre
, vgl. den Eintrag vom 12. Juli 1781 in den
Späten Studienheften,
N V, 357
gar eine Sprachlehre für die Damen angekündigt. Meiner u Adelung habe
36
mir vorgenommen mit mehr Muße zu widerholen; des letzten Sprachlehre
37
Heineke … Briefe
Beobachtungen über Stumme, und über die menschliche Sprache, in Briefen von Samuel Heinicke. Erster Theil
(ein zweiter Teil erschien nicht)
scheint gegen das Ende ein wenig zu leicht ausgearbeitet zu seyn. Von Heineke
S. 318
wünschte mir vorzügl. eine Fortsetzung seiner Briefe. Die paar Bogen über
2
die Fehler in Auslernung der Stummgebornen nehmen mich immer mehr
3
für ihn ein und seine Beobachtungen sind wichtiger für mich als die
4
sinnreichsten Hypothesen.
5
Monboddo’s
wohl
Monboddo,
Of the Origin and Progress of Language
, vgl.
HKB 615 ( IV 274/16 ) und
HKB 617 ( IV 286/35 ) Umschlag des Göttingschen Magazins
Einen Zusammenhang mit einem Umschlag nicht ermittelt; bezieht sich wohl auf die Stelle über Monboddo im
Lichtenberg (Hg. mit Forster),
Göttingisches Magazin der Wissenschaften und Litteratur
,
Jg. 1, St. 3, S. 462
, die Hamann auch zuvor erwähnte, vgl.
HKB 617 ( IV 286/36 ).
Monboddo’s
oder wie er heist habe in einem Umschlag des Göttingschen
6
Magazins angeführt gefunden u wünschte sehr daß Sie das Werk näher
7
kennen lernen möchten, besonders da es in Deutschland zu haben ist.
8
Musäus
Johann Karl August Musäus
Was ist Ihr
Musäus
für ein Mann, der jüngst für den wahren Verf. der
9
physiognomischen Reisen
Herder hatte zuvor
Friedrich Traugott Hase
als Verfasser von
Musäus’
Physiognomischen Reisen
angenommen, vgl.
HKB 600 ( IV 215/32 ). Die Korrektur fand öffentlich etwa bereits in den
Gothaischen Gelehrten Zeitungen,
25.11.1780, S. 782
statt (Hamanns Quelle nicht ermittelt).
Chevilah
Buch Chevilla
physiognomischen Reisen
proclami
rt worden? In Ansehung der Chevilah bin
10
Nachricht des Gruners
Gemeint ist vmtl. die Nachricht aus dem von Herder geschickten, nicht verifizierten Zeitungsartikel vmtl. von
Gottfried Grüner
, vgl.
HKB 615 ( IV 274/16 ), .
ich noch nicht um ein Haar weiter. Die Nachricht des Gruners verräth die
11
gröste Einfalt u Unwißenheit. Zum Ueberfluß habe mir den Innhalt von den
12
Semitis Fidei
Aldabi,
Shebile Emunah
Semitis Fidei
geben laßen. Ich erwarte noch immer von Ihnen die
13
Mir ist es um nichts …
vgl. zuvor bereits die enttäuschte Einsicht gegenüber Hartknoch in
HKB 623 ( IV 307/35 ) Entdeckung der rechten
Qvelle
, woran mir so viel gelegen ist. Mir ist es um nichts
14
als die
Urkunde
Chevilah
zu thun, und zu wißen, worin sie besteht.
15
Dom. IX.
den 12
16
Nun, mein liebster bester Freund, eine ganze Woche lavirt, auf guten Wind
17
gelauert. Die Hitze scheint Nerven und Fibern ausgetrocknet zu haben.
18
junge Hogendorp
Gijsbert Karel van Hogendorp
Vorgestern ist der junge
Hogendorp
abgegangen, noch den Tag vorher bey
19
Kayserling
Heinrich Christian Reichsgraf von Keyserling
, vgl. auch Hamanns anschließenden Brief
HKB 628 ( IV 320/30 ) Prof Kant
Immanuel Kant
Kayserling in Gesellschaft des Prof Kant gespeist. Gottlob! Die Unruhe ist
20
vier Bauermargellen
Bauernmädchen (von niederpreußisch ‚Marjell‘); gemeint sind
Anna Regina Schumacher
und die drei Töchter, von denen Hamann einen Schattenriss mitsandte, vgl.
unten
und
HKB 617 ( IV 283/9 ).
auch vorbey. Meine Absicht war die vier Bauermargellen in einer feyerlichen
21
verehrungswürdigen Hälfte
Caroline Herder
, welche nach Hamanns erster Sendung von Schattenrissen auch diejenigen des weiblichen Teils der Familie erbat, vgl.
HKB 615 ( IV 277/28 ).
Standrede Ihrer verehrungswürdigen Hälfte zuzuführen, und etwas zur
22
Erbfehlers
wohl die nicht ehelich legitimierte Familienlage, oder auch ihre mangelnde Bildung
Bemäntelung des ihnen anklebenden Erbfehlers einfließen zu laßen.
Gute
23
Seelen
und edle Herzen sind niemals weder zu streng noch zu eckel
in
24
formalibus;
und was ich hatte sagen
wollen
und
können
, wißen Sie und vielleicht
25
beßer als ich. Es geht mir beynahe wie der lieben Mutter Erde, welche
26
Sonne, Mond und Sterne auf- und untergehen sieht, aber sich selbst nicht von
27
der Stelle kommen – – Gott gebe, daß alles in Ihrem Hause desto beßer und
28
Theodore
Luise Herder
glücklicher gehen
mag
, und die kleine
Theodore
Freude und Leben unter
29
Eltern und Brüdern austheilen mag!
30
Lauson
Johann Friedrich Lauson
Kam eben Lauson zu mir, der mich sehr selten besucht, und saß ein
31
Kraus
Christian Jacob Kraus
zweiten Hälfte seiner Disputation
am zweitel Teil von
Kraus’ Dissertation
de paradoxo
, zum ersten vgl.
HKB 617 ( IV 285/5 ).
Halbstundchen im Garten. Kraus arbeitet noch an der zweiten Hälfte seiner
32
pour la rareté du fait
wegen der Seltenheit der Sache
Disputation; pour la rareté du fait
werde Ihnen ein Exemplar aufbewahren.
33
Köhler
Johann Bernhard Köhler
Köhler kenne noch nicht; hat aber den Ruf eines großen Geitzhalses, muß
34
kl. Abhandl … Novellen
Köhler,
Praetermissa ad constitvtionem δεδωκεν
, vgl. auch
HKB 629 ( IV 324/13 ); 1781 bei
Hartung
publiziert, zu dem er also nach dem nicht zustande gekommenen Handel mit Wagner und Dengel ging.
daher vermuthl. Vermögen haben. Hat hier eine kl. Abhandl. bey unsern
35
Buchhändlern von Lesarten über den
Codex
oder
Novellen
anbringen wollen,
36
den Bogen
à
2
#
.
Wagner scheint in das andere
Extrem
zu fallen,
S. 319
à la Silhouette
nach dem Finanzminister
Étienne de Silhouette
, bekannt für seine Sparmaßnamen und Luxussteuern
überspannt den Preis seiner Waaren, und will alles
reformi
ren
à la Silhouette.
2
luxum … generosité
Üppigkeit/Verschwendung und Großzügigkeit
Kanter hat freylich
die
luxum
und die
generosité
zu weit getrieben; wie sein
3
Nachfolger es vermuthl. in Ansehung der kaufmannischen Gerechtigkeit
4
thun wird.
5
Silhouetten
den Schattenrissen des weiblichen Teils von Hamanns Familie, wonach Caroline Herder bat, vgl.
oben
und
HKB 617 ( IV 283/9 ) Pathchen
Marianne Sophie Hamann
Den
Silhouetten
fehlt es nicht an Ähnlichkeit. Pathchen ist nach dem
6
Künstlerinn
N. N. Pohlkähnin
Leben, wie sie des Abends um 10 Uhr da saß. Die Künstlerinn ist eines
7
Sidow …
N. N. Sidow
, der die Schattenrisse von Hamann und seinem Sohn herstellte, vgl.
HKB 616 ( IV 282/8 ); die Information stammt von
Caroline Stoltz
, vgl.
HKB 629 ( IV 322/36 ).
Buchdruckers Frau, Polkehnin. Sidow macht eine gute Erndte in Curland, und
8
wird sehr in Liefland erwartet. Melden Sie mir doch den Namen Ihres
9
dortigen Silhouetteurs
nicht bekannt
dortigen Silhouetteurs, gegen deßen Figuren unsere Schattenriße sehr kahle
10
Dinger sind.
11
rothe Ruhr und Dysenterie
schwere epidemische Durchfallerkrankung, früher meist Lagerkrankheit
Hier herrscht rothe Ruhr und
Dysent
erie – Gottlob! in meinem Hause
12
befindt sich alles wol, und nach gleichen Nachrichten schmachte von Ihnen.
13
populairen Auszug …
Kant,
Prolegomena
; Hamann und Kant besprachen den Publikationsplan wohl am 9. August bei der Gesellschaft der
Keyserlings
(
s.o.
) und Hamann versuchte am 11. August,
Hartknoch
für das Projekt zu gewinnen, vgl.
HKB 629 ( IV 323/16 ).
Kant ist willens einen populairen Auszug seiner Kritik auch für die Layen
14
auszugeben. Unter dem Haufen von gelehnten Büchern, die auf mich warten,
15
Theorie des Himmels
Kant,
Allgemeine Naturgeschichte
, zur frühen Rezeptionsgeschichte vgl.
Jürgen Hamel:
Kants Kosmogonie – Grundzüge ihrer frühen Rezeption
, in: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, 69 (2004), S. 97–110
, außerdem die Stelle am Anfang von
Herders
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
, Bd. 1 (1784), S. 3f.
neue angebl. Planet
Uranus, der am 13. März 1781 von
Wilhelm Herschel
entdeckt wurde, von diesem aber zunächst als ein Komet klassifiziert wurde (vgl.
Phil. Trans. R. Soc. (1781), S. 492–501
). Es entspann sich im Folgenden eine europaweite Diskussion um den „neuen Planeten“ (vgl. etwa
Hamburgischer unpartheyischer Correspondent,
Beil. zu St. 125, 7.8.1781
), der bald als solcher anerkannt wurde.
ist auch seine Theorie des Himmels. Der neue angebl. Planet scheint auch
16
Fueßli Waldmann
Füßli,
Waldmann
dahin einzuschlagen. Graf Kayserling gab mir Fueßli
Waldmann
mit, den
17
ich gestern wider zurückgeschickt nebst meinem Urtheil, das er von mir
18
forderte. Die Sprache ist so schweitzerisch, und mit so viel
D
Stellen und Brocken
19
von Urkunden bespickt, daß man dort zu Hause gehören muß – und der Held
20
hat immer einen Geschichtschreiber verdient.
21
den 13 –
22
Pf. Fischer
Carl Gottlob Fischer
Muste gestern meinen Kindern zu Gefallen ausgehen, sprach bey Pf.
Fischer
23
an, den ich in langer Zeit nicht gesehen, und von ihm das falsche Gerüchte
24
gehört, daß er auf ein 4 Wochen verreisen würde. Es sind nur so viel Tage
25
dazu bestimmt. Hätte gern selbst geschrieben – verspart seinen langen Brief,
26
den er im Schilde führt und empfiehlt sich
ad interim.
Von da muste bey
27
ArchiDiac. Matthes
Friedrich Wilhelm Matthes
meinem Beichtvater
ArchiDiac.
Matthes ansprechen, weil diesen Monath
28
Hegelmaier … fr. Betr.
Hegelmaier,
Prüfung der Freymüthigen Betrachtungen
, über
Starck,
Freymüthige Betrachtungen über das Christenthum
meine Andacht zu haben denke. Habe den
Hegelmaier
über die fr. Betr. mit
29
zu Hause gebracht.
30
Kraus
Christian Jacob Kraus
Bentevegni
Girolamo Saverio von Bentivegni
Komt Kraus und geht – Erwarte den
Lieut.
von
Bentevegni,
mit dem das
31
Engl. gemeinschaftl. mit meinem Sohn fortsetzen will, auch vielleicht das
32
Griechische anfangen. Und so geht es wie im Taubenschlage, ab und zu.
33
histoire privée …
d’Angerville,
Vie privée de Louis XV
; zu publikationspolitischen Aspekten der Übersetzung vgl.
HKB 629 ( IV 324/20 ).
Habe die
histoire privée de Louis XV.
zu Ende gebracht bis auf die Beyl.
34
des letzten Theils. Was für eine abscheul. Wirthschaft – Was für eine
35
allerchristlichste Majestät – und wovon hängt die Regierung gantzer Nationen und
36
Welttheile ab! Aus was für einem Teige besteht unsere Natur – und unter
37
welcher Kelter
schwitzen
schwitzt das menschl. Geschlecht!
S. 320
Ich habe Ihre theol. Briefe zum dritten mal angefangen und bin bis zum
2
40sten gekommen – ohne bisher Blößen für unsere HE Kunstrichter entdeckt
3
zu haben – Besinne mich aber auch noch keine Urtheile über die ersten gelesen
4
beyden Gedichte …
die Nachdichtung von
Psalm 19
in
Herder,
Briefe, das Studium der Theologie betreffend
,
Tl. 3, S. 55f. (28. Brief)
und der Hymnus
ebd., Tl. 3, S. 84–86 (31. Brief)
zu
haben
Die beyden Gedichte S. 55 und 84 sind doch wol von Ihnen? Was
5
Storr
vmtl.
Gottlob Christian Storr
, vgl.
Herder,
Briefe, das Studium der Theologie betreffend
, Tl. 3, S. 119
hat
Storr geschrieben
? Ihre beyde Abhandl. in der Bayerschen Gesellschaft
6
haben
von
Römischkatholschen haben mir einen sehr vergnügten Sonnabend
7
gemacht, da selbige mir gantz zufällig bey einer großen Leere und Sehnsucht
8
in die Hände geriethen. Sie sind sich so unähnlich u der Ton einer jeden ist
9
dem Gegenstande so angemeßen, daß man sie eben so leicht für Eines als
10
verschiednen Autors Producte erkennt.
11
Nachbar
Carl Christoph Stockmar
Ließ sich mein Nachbar der
Director
anmelden und ich hab den ganzen
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Abend auf Kohlen geseßen ohne hören noch reden zu können; denn bey
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meinem gegenwärtigen Alter scheint das Blut eben so in die Ohren als in die
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Zunge zu schießen.
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des Tages Last und Hitze
Mt 20,12
Es geht auf eilf und ich habe des Tages Last und
Hitze
getragen. Ich
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umarme Sie also liebster bester Freund und Gevatter und wünsche nochmals
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Ihren
unsere Geburtstage mit Wonne zu erleben. Alles aus unserm Herzen
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und Munde dringe in Gottes Ohr! Alles was ich mir selbst und den meinigen
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wünsche, erfülle Gott reichlicher und siebenfältig an Ihnen und Ihrem ganzen
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Hause. Unter den herzlichsten Küßen und Umarmungen im Geist ersterbe Ihr
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alter ergebenster und verpflichtester Diener
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Landsmann, Gevatter und Freund
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Johann Georg H.
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Erfreuen Sie mich bald mit guten Nachrichten von Ihrem Wohlbefinden
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– auch vergeßen Sie nicht die
Chevila
. Mein faules Gesinde schläft bereits
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wie gut …
aus dem Kirchenlied Christian Friedrich Richters „Es kostet viel ein Christ zu sein“ (8. Str.,
Quandt,
Neue Sammlung Alter und Neuer Lieder
, S. 214)
und bey mir heißt es auch: wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn,
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wie wohl wirds thun :,:
Provenienz
Staatsbibliothek zu Berlin, Ms. Germ. quart. 1304, 225–226.
Bisherige Drucke
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 200–203.
ZH IV 315–320, Nr. 627.
Textkritische Anmerkungen
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch
geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind
vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden
vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter
Quellen verifiziert werden konnten.
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315/21 |
Dom ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: Dom. |
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veranlaßte; ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: veranlaßte, |
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Er ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: Er, |
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gewesen ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: gewesen, |
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Geändert nach der Handschrift; ZH: anticipir te |
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sämtlichen ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: sämtliche |
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Geändert nach der Handschrift; ZH: Dienste. – |
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Geändert nach der Handschrift; ZH: gesehen, |
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