548
61/27
Der nur über ZH überlieferte Text enthält einen Entwurf zu Hamanns
Konxompax
, vgl.
Manegold:
Johann Georg Hamanns Schrift „Konxompax“
, S. 56, 118–122 und Anhang, xxv–xxvi. – Die persönliche Adressaten-Anrede verschob Hamann im später gedruckten
Konxompax
-Text auf den Schlussabsatz (N III,228/4–11): Dieser Brief ist an einen allgemein gehaltenen „liebste[n] Freund“ (61/28) gerichtet, der
Konxompax
-Text an einen „φιλον ητορ“. Bei dem Adressaten handelt es sich, trotz einiger Unsicherheit (vgl.
Manegold:
Johann Georg Hamanns Schrift „Konxompax“
, S. 124), um
Herder
, dem Hamann einst tatsächlich „über Jahr und Tag“ seine „Gedanken über die Mysterien der Heiden versprochen“ hatte, nämlich 1775, vgl.
HKB 449 ( III 188/11 ), was Hamann in
HKB 536 ( IV 35/9 ) wieder aufnahm, nachdem Herder ihn zum Schreiben aufforderte (
HKB 528 ( IV 19/22 )). – Der Entwurf befindet sich also an der Schwelle zwischen einem Entwurf für einen Brief an Herder und einem Entwurf für einen literarischen Text, der indirekt an Herder gerichtet ist. Zu datieren ist er wohl auf die 14 Tage vor dem 24. März, seit denen Hamann an „Fragmenten apokalyptischer Sendschreiben über apokryphische Geheimniße“ brütete (
HKB 547 ( IV 61/1 )); jedenfalls wurde er vor dem 12. April geschrieben, an dem Hamann
Konxompax
beendete, vgl.
HKB 550 ( IV 68/15 ).
Dum moliantur …
Nach
Ter.
Heaut.
, dt. während sie [die Frauen] sich vorbereiten, während sie sich zurechtmachen, vergeht ein Jahr; hier aber im Konjunktiv. Vgl.
Hamann,
Konxompax
, ED, 30/12 (
Manegold, Anh., S. xxxii
).
Dum moliantur, dum comantur, annus est
– Es ist würklich über Jahr
28
und Tag, daß ich Ihnen liebster Freund, auch meine Gedanken über die
29
Mysterien der Heiden versprochen. Meine häuslichen Sorgen haben mich öfters
30
durch einen zwar typischen aber zieml. natürl. Zusammenhang
auf
an die
31
Geheimnisse der Ceres
vgl.
Konxompax
, ED, 4/5; zu dem Absatz vgl.
Manegold:
Johann Georg Hamanns Schrift „Konxompax“
, S. 119 und Anh., S. v
lieben
Geheimnisse der Ceres
mehr als erinnert
erinnert und an jene
32
Säuglinge … Wein
Klg 2,11f.
Säuglinge u Unmündige, die zu ihren Müttern sprachen:
Wo ist Brodt und
33
Wein
?
Was W ist
und an jenes gute vor andern,
was ist
und schöne
r
34
Korn das Jünglinge …
Sach 9,17
vor andern
als
neml.
Korn
das Jünglinge u.
Most
der Jungfrauen
S. 62
zeugt.
Ungeachtet
Mit aller
der
Begeisterung des Hungers und Durstes,
2
mit den
ich
in der Wüste meines Vaterlandes
von
Brosamen
von dem
3
für die Kinder gehören
unter dessen
Bel und seine
die 70 Pfaffen täglich
4
sich
zwölf Malter Weitzen, vierzig Schaafe und drey Eimer Weins auf
5
Kosten der Kinder des Reichs
der
des inwendig leim und auswendig
6
ehernen Götzen.
7
Descartes
René Descartes
Sind unsere Philosophen nicht des Descartes und unsere Philologen des
8
Leclerc
Jean le Clerc
heiliger Saame
Joh 8,33
Leclerc heiliger Saame; und haben wir es nicht ihren gemeinschaftlichen
9
Verdiensten um die Dogmatik zu verdanken, daß der Geist des Heidentums in
10
eine
die Grundwahrheiten
der
einer natürl. Religion und der Geist des
11
Χ
stentums in eben den Urstoff aufgelöst worden. Ist es also nicht ein Wunder
12
dieses allgemeinen Geistes, wenn die Heiden zu Christen, und
die
abermal
13
die Christen zu Heiden werden und
das Ende wider in den Anfang
14
dringt
.
15
Et vecordi …
Spr 9,16–18
; im
Konxompax
-Druck etwas verkürzt als Motto verwendet, siehe ED, 1/9–11 (
Manegold, Anh., S. iii
).
Et vecordi locuta est: Aquae furtiuae dulciores sunt et panis
16
absconditus suauior. Et ignorauit quod ibi sint gigantes et in profundis inferni
17
conuiuae eius. Prou IX.
18
magno silentio …
Aus der Beschreibung der Isis-Mysterien in
Apul.,
met.
, 11,11; Übers. (von
August Wilhelm Rode, 1783, Bd. 2, S. 208f.
): „der unaussprechliche Beweis der höhern, aber in tiefstes Stillschweigen einzuhüllenden, Religion“. Zweites Motto des
Konxompax
, ED, 1/12–14 (
Manegold, Anh., S. iii
.
– magno silentio tegendae religionis argumentum ineffabile. Apuleius
19
Metam. XI.
20
Auch in der Dunkelheit …
Der Satz nimmt Gedanken und Formulierungen des Eingangsabsatzes von
Meiners,
Ueber die Mysterien der Alten
,
S. 164
auf; die Formulierung „Auch in der Dunkelheit …“ ist zugleich nach
Gellerts Lehrgedicht
Reichthum und Ehre
, S. 20
gebildet (vgl. auch
HKB 219 ( II 129/18 )).
Auch in d
ie
er Dunkelheit
hat
liegt so viel Reitz für denkende
21
Philologen und gelehrte Weltweise, daß sie sich an die Untersuchung der
22
Geheimnisse gewagt und am Ende entweder ein reines Nichts oder ein so
23
zweydeutiges Etwas gefunden, das
sich einan
wie
gut
und
böse
entgegengesetzt ist.
24
höchste allgemeinsten Gattungsideen …
nach
Eberhard,
Von dem Begriffe der Philosophie und ihren Theilen
,
S. 12
Diese höchste allgemeinsten Gattungsideen,
Nichts
und
Etwas
, Gut und
25
Böse sind die ersten Gründe und letzten Resultate aller menschlichen
26
Anschauen des Einen in dem vielen
ebd., S. 13
Erkentnis und aus ihrer Zusammensetzung und Anwendung durch Anschauen des
27
Wissenschaft … übersinnlichen Wahrheiten
ebd., S. 23
κατ’ εξοχην
kat’ exochen: vorzugsweise, im eigentl. Sinne
Einen in dem vielen entsteht die Wissenschaft
κατ’ εξοχην
aller nothwendigen
28
eigentl. reine Vernunfterkenntnis
ebd., S. 12
übersinnlichen Wahrheiten, und die eigentl. reine Vernunfterkenntnis, oder
29
Wißenschaft der göttl. Dinge nach Plato
Platon
; nach
Eberhard,
Von dem Begriffe der Philosophie und ihren Theilen
, S. 50
die Wißenschaft der göttl. Dinge nach Plato.
30
Ohngeachtet es weder an Heiden noch Mysterien bis auf den heutigen Tag
31
Induction noch Analogie
ebd., S. 22
fehlt noch fehlen kann: so kann uns doch weder Induction noch Analogie,
32
weder
Schlüße aus den Begriffen der Unter und Nebenarten zur gewissen
33
Erkenntnis
der
jener allgemeinen Wahrheit verhelfen, ob die Mysterien
34
der alten Heiden Nichts oder Etwas und ob letzteres gut oder böse gewesen,
35
so leicht auch diese Frage in Ansehung unserer Zeitverwandten und
36
Vorfahren entschieden werden kann durch die Homogeneität oder
durch die
das
37
Beständige u Gemeinschaftliche des Aberglaubens in der ganzen Menschlichen
S. 63
Natur trotz des Zufälligen und Besondern in der äußern Lage u Cultur der
2
Individuen, Arten u Gattungen.
Veränderte Einsortierung
Die Einsortierung wurde gegenüber ZH verändert, sie erfolgt chronologisch zwischen Brief Nr. 546 und 547.
Provenienz
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Sammlung Warda (ohne Signatur).
Bisherige Drucke
ZH IV 61–63, Nr. 548.