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60/20
Kgsb. den 24 März
79.

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Herzlich geliebtester Landsmann, Gevatter und Freund,

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Einlage … Schwester
von
Catharina Dorothea Güldenhorn
an ihren Bruder, nicht überliefert
Einlage habe diese Woche erhalten und giebt mir Anlaß zu ein paar Zeilen

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Armuth des Geistes
Mt 5,3
trotz meiner Armuth des Geistes. Ihre liebe Frau Schwester wünscht sich

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Nachrichten von Ihnen und ich werde an Ihrer Zufriedenheit Antheil nehmen

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und bitte daher selbige nächstens zu befriedigen.

26
Gott gebe, daß Sie sich alle in Ansehung der Gesundheit so gut befinden

27
mögen als wir. Wir
vegeti
ren alle nach Herzenslust und die Kleinste ist unsere

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gröste Freude –

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Briefe von Kraus
von
Christian Jacob Kraus
, am 10. März 1779 in Königsberg angekommen, nicht überliefert; vgl.
HKB 551 ( IV 72/1 )
alles von Berlin
die Ausgaben und Einzeldrucke von Gedichten bzw. Liedern von
Simon Dach
und
Heinrich Albert
, vgl.
HKB 545 ( IV 56/13 )
Einem Briefe von Kraus zufolge wird er sorgen, daß Sie alles von Berlin

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Hartknoch
Johann Friedrich Hartknoch
, das Warten ist aber vergebens, vgl.
HKB 551 ( IV 72/23 )
so geschwind als mögl. erhalten. Hartknoch wird mit seiner Frau hier erwartet,

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Hintz … Meße
Jakob Friedrich Hinz
; die Frühjahrsbuchmesse in Leipzig
tre cose … Nathan
Hamann las in Kraus’ nicht überliefertem Brief ‚drei Dinge‘ anstatt ‚drei Ringe‘, vgl.
HKB 551 ( IV 74/5 )
. Kraus schrieb offenbar über die Ringparabel in der dritten Erzählung des ersten Tages von
Boccaccios
Decamerone
, als Vorbild für die Handlung von
Lessings
Nathan der Weise
(Kraus war in Berlin, wo auch der
Nathan
verlegt wurde, gut vernetzt). – Auf Grundlage der Verlesung von ‚Ringe‘ und ‚Dinge‘ hielt Hamann, der die gesuchte Erzählung wohl bald in einer italienischen Ausgabe des
Decamerone
nachschlug, nicht die
Decamerone
-Erzählung 1,3 für Lessings Vorbild, sondern wohl die neunte Erzählung des siebten Tages, welche von ‚drei Dingen‘ bzw. ‚tre cose‘ im Sinne von drei Liebespfändern bzw. Prüfungen erzählt, die eine verheiratete Frau von ihrem skeptischen Geliebten auferlegt bekommt, bevor er zum Ehebruch bereit ist; vgl. „tre cose“ im Kapitelargument der
Decamerone
-Erzählung 7,9 in der Ausgabe
Florenz 1587, S. 387
und „drei Dinge“ in der
Übersetzung St. Petersbrug 1783, Bd. 3, S. 302
; vgl. außerdem
Manegold:
Johann Georg Hamanns Schrift „Konxompax“
, S. 116f.
und
Notarius
Hintz
wird auch die Meße besuchen. Habe eben die
tre cose
im

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Leßings Nathan
Nathan der Weise
, für dessen Ringparabel die
Decamerone
-Erzählung 1,3 Vorbild war, wurde erst zur Leipziger Ostermesse im Mai 1779 ausgeliefert (vgl.
Lessing:
Werke und Briefe
, Bd. 10, S. 1129f.). Hamann stützt sich hier auf Vorabinformationen von Kraus aus Berlin; vgl. nach genauerer Kenntnis des
Nathan
HKB 551 ( IV 74/5 )
; die Lektüre folgte Anfang Mai, vgl.
HKB 554 ( IV 77/20 )
.
Bocaz
gelesen, mit deßen Anwendung auf die 3 Religionen Leßings Nathan

33
anfangen soll. Seine Idee scheint mir ein Eingriff in die meinige über die

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Pudenda der Philosophen-Dogmatik
Wohl im Zusammenhang von Konzepten aus dem
Konxompax
, welche die zeitgenössische Philosophie (und vor allem Lessing im Fragmentenstreit) als Mysterienreligion fassen, vgl.
HHE 5
, S. 170–174. ‚Pudenda‘ zugleich vor dem Hintergrund des Zusammenhangs von Genesis und Sexualität in der
Schürze von Feigenblättern
, vgl.
HKB 573 ( IV 139/18 )
und
HKB 551 ( IV 74/7 )
.
Philosophen-Dogmatik
Die Handschrift ist an dieser Stelle nicht eindeutig, es könnte ebenso gut „Philosophen u Dogmatik“ dort stehen, wie es auch Heinrich Düntzer im
Bremer Sonntagsblatt
transkribierte (vgl. bisherige Drucke zu diesem Brief); vgl. auch
Manegold:
Johann Georg Hamanns Schrift „Konxompax“
, S. 117.
Pudenda
der Philosophen-Dogmatik zu seyn. Ich habe über 14 Tage auch

S. 61
Fragmente …
Hamann,
Konxompax
Lust gehabt – und brüte
über
Fragmente
apokalypt
ischer

2
Sendschreiben über
apokryph
ische Geheimniße

3
Michaelis
Zur Herbstbuchmesse mit
Konxompax
; er wurde sogar deutlich früher fertig, vgl.
HKB 550 ( IV 68/20 )
.
Autorschaft
beginnend mit den
Sokratischen Denkwürdigkeiten
vom Herbst 1759
Vielleicht feyre ich Michaelis das 20ste Geburtsjahr meiner Autorschaft und

4
halben Seculi
Hamanns anstehender Eintritt ins 50. Lebensjahr am 27. August 1779
setze ein Denkmal meines halben
Seculi.
Noch geht es nicht von der Stelle;

5
werde aber nicht eher ruhen, als bis dieser Sauerteig

6
– – et quae simul …
Per.
saturae
, 1, 24f.; dt.: [Wozu lernen, wenn dieser Sauerteig nicht aufgeht] und der wilde Feigenbaum, der nun einmal innen hineingewachsen ist, nicht nach Aufbrechen der Leber hervorkommt?
– –
et quae simul intus

7
Innata est, rupto iecore exierit caprificus!

8
Liedern der Liebe
Herder,
Lieder der Liebe
Ich sehne mich zuförderst nach Ihren
Liedern der Liebe
und
ferneren

9
Neuigkeiten
. Daß diese Meße für mich wichtig seyn wird, scheint mir zu ahnen.

10
Diese Woche … Jahrhunderte
Hamann hat wohl in Königsberg von einer Manuskriptsendung
Starcks
gehört („starke Remise“, „Hephästion“ nach Starcks
gleichnamigem Buch
), welche dieser von
Mitau
über Königsberg nach Berlin senden ließ. – Der erste Band von Starcks
Geschichte der Christlichen Kirche des Ersten Jahrhunderts
erschien tatsächlich zur Ostermesse in Berlin bei Decker, vgl.
Messkatalog für Michaelis 1779
,
S. 681
.
Diese Woche ist wieder eine starke
Remise Mst.
von Hephästion

11
Kirchengeschichte der ersten Jahrhunderte
Starck,
Geschichte der Christlichen Kirche des Ersten Jahrhunderts
durchgegangen nach Berlin, vermuthlich zu seiner Kirchengeschichte der ersten

12
Ernst u Falk
Lessing,
Ernst und Falk
(Gespräche 1–3)
Jahrhunderte. Nebst Ernst u Falk, an dem ich mich nicht satt lesen kann, hat

13
Leßings nöthige Antwort auf eine unnöthige Frage meine meiste

14
Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

15
Kleuker … Fragmente
Kleuker,
Einige Belehrungen
Was meynen
Sie
liebster Herder! dazu? Kleuker soll auch die Fragmente

16
beantwortet haben, aber nichts davon auftreiben können. Ist es nicht mögl.

17
4 u 5te Gespräch des Falk
Lessing,
Ernst und Falk
(Gespräche 4–5)
das 4 u 5te Gespräch des Falk oder wenigstens den Innhalt davon zu erfahren?

18
Bruder
Als Mitglied einer Freimaurerloge, das Herder war und Hamann nicht; die
Gespräche vier und fünf
blieben auf Veranlassung von
Herzog Ferdinand
zunächst ungedruckt.
Vielleicht haben Sie als Bruder Mittel dazu. Ein Wink darüber gehört zu

19
meinem Plan. Ich muß schließen, umarme Sie sämmtl. u sonders in

20
Frau Gevatterin
Caroline Herder
Gedanken. Der Frau Gevatterin meinen ehrerbietigsten Handkuß. Kann weder

21
reden noch schreiben und ersterbe der Ihrige.
Johann Georg.

22
Den 26 März des Morgens


23
Adresse mit Lacksiegelrest:

24
HErrn / Herrn GeneralSuperintendenten
Herder
/ zu /
Weimar
.
/
fr. Halle

Provenienz

Frankfurt am Main, Freies Deutsches Hochstift, Signatur 170.

Bisherige Drucke

Heinrich Düntzer, Ungedruckte Briefe zwischen Hamann und Herder. In: Bremer Sonntagsblatt. Siebenter Jahrgang, No. 42: 16. October 1859, 329–33.

ZH IV 60 f., Nr. 547.

Textkritische Anmerkungen

Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
60/20
79.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
79
60/31
Hintz
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Hintz
61/15
Sie
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Sie,
61/24
/
fr. Halle
]
Hinzugefügt nach der Handschrift.
61/24
Weimar
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Weimar