618
289/16
Kgsb. den 7 May 81.

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Geliebtester Freund,

18
gestern … K.
Kant,
Critik der reinen Vernunft
, als Fortsetzung der Lieferung der ersten 30 Bogen, die Hamann am 6. April erhielt, vgl.
HKB 616 ( IV 278/12 )
Muß mich wieder bey Ihnen bedanken; weil ich gestern
Dom. Iubil.
von

19
Bogen HH bis Bbb
S. 481
bis
S. 768
K. die Bogen HH bis Bbb incl. erhalten; also schon in allem 48 Bogen –

20
Anfang noch Ende
Ob Hamann die übrigen Bogen zugeschickt bekam, ist unsicher, vgl.
HKB 622 ( IV 305/16 )
und
HKB 624 ( IV 308/24 )
.
aber weder Anfang noch Ende, wie ich gehoft und vermuthet. So einen

21
korpulenten Autor hätte ich mir nicht vorgestellt noch vermuthen können. Die

22
Transcendental Theologie
Gemeint ist das 3. Hauptstück, 7. Abschnitt, „Critik aller Theologie aus speculativen Principien der Vernunft“,
S. 631–704
.
Transcendental Theologie habe ich eben durchgegangen, woran mir so viel

23
transcendentalen Methodenlehre
ab
S. 705
gelegen war. Erst 2 Bogen des andern Theils oder der
transcendentalen

24
Methodenlehre
, welche mit S. 705 anfängt. Er ist erst im Abschnitt von

25
der
Disciplin
; folgt noch das Hauptstück vom
Kanon
, von der

26
Architectonik
und eine
Geschichte
der reinen Vernunft. Wenn dies alles auch in

27
2 Theile des Lamberts
Lambert,
Anlage zur Architektonik
, das Hamann im
Februar 1779
bekam
10 Bogen enthalten seyn sollte: so wird der Band so stark als die 2 Theile

28
des Lamberts, die in Einem Bande bey mir einen zieml. unförmlichen Bauch

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haben. Dies ist aber nicht des Verlegers schuld; so wenig als des Druckers.

30
zu schreiben
nicht überliefert
Es fiel mir am Charfreytag ein ein paar Worte selbst an HE Spener zu

31
schreiben, um ihm den Empfang zu bescheinigen, und daß ich Sie auch davon

32
bereits
averti
rt hatte, mit der Bitte, wenn er mir
das Ende und den Anfang

33
Humische Uebersetzung
Die Übersetzung von
Humes
Dialogues concerning natural Religion
, die Hamann sehnsüchtig erwartete, vgl.
HKB 617 ( IV 287/23 )
; sie war angekündigt, erschien jedoch erst später 1781, vgl.
HKB 614 ( IV 269/15 )
.
des Kantschen Werks zufertigte zu melden, ob die Humische Uebersetzung

34
diese Meße fertig werden würde u wo mögl. den Verf. derselben anzugeben,

S. 290
falls er ihn wüste oder erführe – und weil
Weygand deshalb einen

2
Auftrag von Ihnen erhalte
, etwas zur Beförderung deßelben beyzutragen, wie

3
Antwort vom 28 pr.
Speners
Antwort vom 28. April ist nicht überliefert
er den seinigen besorgt, welches er mir in seiner Antwort vom 28
pr.
verspricht,

4
Rest
Gemeint ist hier offenbar wieder die
Critik der reinen Vernunft
Sie selbst aber in Leipzig vermuthet. Ob von diesem
dato
an der Rest

5
abgedruckt seyn wird, kommt mir mißlich vor. Der Autor hat sich wenigstens

6
in der Anzahl der Bogen verrechnet und in Ansehung des Termins möchten

7
Sie auch nicht unrecht gehabt haben. Soviel ist gewiß, daß das ganze Werk

8
Minister v. Zedlitz
Karl Abraham von Zedlitz
, dem die
Critik der reinen Vernunft
gewidmet ist
mit genauer Noth zur Meße wird geliefert werden können. Dem Minister

9
v. Zedlitz wird es dedicirt, und ich
hoffe
und
wünsche
, daß Sie Ihre

10
Metaphysik der Sitten
wohl Vorarbeiten zu
Kant,
Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Rechnung auch dabey finden. Sorgen Sie nur, daß die
Metaphysik der Sitten

11
und
Natur
bald nachfolge; besonders die letztere, worinn seine
Theorie

12
kommen wird, wie in der Kritik seine übrigen Schriften eingewebt sind, theils

13
ausgearbeiteter, teils verjüngter. Wie sehr es mich intereßirt, kann ich Ihnen

14
nicht sagen; bin aber doch noch nicht im stande einen rechten Gebrauch von

15
den losen Bogen zu machen und das Ganze zu übersehen.

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Kanter
Johann Jakob Kanter
(bereits spätestens Ende April, vgl.
HKB 617 ( IV 283/35 )
)
Das Neueste hier ist, daß Kanter seinen Laden wirklich verkauft, an Wagner

17
u Dängler, Ersterer die Meße macht u letzterer seine dortige Angelegenheiten

18
in Ordnung bringt. HE Sidow, ein
Silhouetteur
ist vorige Woche abgegangen

19
und wird sich auch bey Ihnen melden. Er soll zugl. ein Meister auf der

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Qveerflöte seyn. Ich habe mir die Freyheit genommen ihm Ihr Haus zu empfehlen,

21
wird vermuthl.
meine
u Hänschens Schattenriß aufweisen können. Ersterer

22
will hier niemanden kenntl. fallen, habe ohne Perucke geseßen – welches mit

23
Schuld seyn mag. Mit letzterm ist jedermann zufrieden. Habe blos für meine

24
Gevatter in Weimar und Wandsbeck
Johann Gottfried Herder
und
Matthias Claudius
Gevatter in Weimar und Wandsbeck den Einfall gehabt; besonders hat mich

25
H. um mein Portrait gemahnt, wozu ich hier Niemanden weiß –

26
Wie gehts, liebster Hartknoch, mit Ihrer Gesundheit und der Frühlingscur?

27
Wir haben heute einen derben Hagel gehabt nebst Schnee, u müßen wieder

28
Kindelbier
anlässlich der Geburten von
Luise Herder
und
Trinette Claudius
, die Hamann angekündigt wurden
heitzen laßen. In Weimar u Wandsb. soll diesen Monath Kindelbier geben; warte

29
darum ersucht
an Herder vgl.
HKB 617 ( IV 282/27 )
, an Claudius nicht überliefert
mit Schmerzen auf Nachricht, und habe vorige Woche beyderseits darum ersucht.

30
Die Briefe über das Religionswesen u die Freymäurerey sind allem

31
menschl. Vermuthen nach, vom reformirten Prediger Lowitz im Waysenhause.

32
Abdruck des Dritten
Lessing,
Ernst und Falk
, Gespräche 4 und 5; gemeint ist der Brönner-Druck, benannt nach der „Vorrede eines Dritten“, vgl.
HKB 616 ( IV 281/33 )
.
Weil der Abdruck des Dritten von Falk und Ernst sehr fehlerhaft ist: so hab

33
meine Abschrift
die Hamann von dem Manuskript fertigte, das Herder ihm schickte, vgl.
HKB 586 ( IV 174/22 )
hiesigen Zeitungen
KGPZ
, 37. und 38. St., 7. und 10. Mai 1781 sowie Beil. zu St. 38. und 39, 10. und 14. Mai 1781 (nicht überliefert)
ich meine Abschrift in die hiesigen Zeitungen einrücken laßen, und werde

34
auch für Sie ein Exempl. aufbewahren.

35
Collegien Aßeßor A.
Christian Gottlieb Arndt
, nicht überliefert
Dem Collegien Aßeßor A. habe geantwortet – aber aus der Schlafmütze.

36
Der Brief liegt
aber
noch hier; und wartet auf Einschluß. Was macht Ihr

37
lieber Sohn? aus der Schweitz ist alles still für mich – und ich laborire

S. 291
an der
faulen
und
verkehrten
Vernunft, wie jener an der
reinen
, studiere

2
Humes Abhandl über die menschl. Natur
Hume,
Treatise of Human Nature
; den Druck London 1779 nicht ermittelt
noch einmal
Humes
Abhandl über die menschl. Natur die bereits zu London

3
K. Pegasus
Hume gebe also Kants Theorien die Flügel.
79 in 3 Octavbänden u so wenig in Deutschl. bekannt und K. Pegasus ist.

4
Lockes Werk
wartet auch auf mich, weil ich mich fast schäme ihn noch

5
nicht selbst gelesen zu haben. Kein Wunder, daß mein Kopf Wehen fühlt –

6
keine Kraft …
2 Kön 19,3
aber es ist keine Kraft da zu gebären
, wie Hiskia sagt.

7
Gott erhalte Sie und die lieben Ihrigen, denen mich bestens empfehle samt

8
meinem Hause, in dem Gottlob! alles gesund ist, bis auf die Altflickereyen

9
Lieutenant de la Terrasse
Peter Friedrich de la Terrasse
meiner 51jährigen Leimhütte. An Lieutenant
de la Terrasse
habe gestern vor

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8 Tagen einen guten Freund verloren und meine alte und seine innigste

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Freundin die Bar. von Bondeli dürfte ihm bald nachfolgen. Erfreuen Sie mich

12
bald mit guten Nachrichten; an die meinigen, welche ich erwarte, werde

13
Sie auch sogl. Antheil nehmen laßen. Ich ersterbe Ihr ergebenster u

14
verpflichtester

15
J. G. Hamann


16
Adresse mit Mundlackrest:

17
HErrn / HErrn Hartknoch / Buchführer / zu / Riga. /
par fav.


18
Vermerk von Hartknoch:

19
beantw d 30 Jun
nicht überliefert
HE Hamann in Königsberg / Empf den 5 May 1781/ beantw
d
30
Jun

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.

Bisherige Drucke

Heinrich Weber: Neue Hamanniana. München 1905, 80–82.

ZH IV 289–291, Nr. 618.

Zusätze fremder Hand

291/19
Johann Friedrich Hartknoch

Textkritische Anmerkungen

Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
290/21
meine
]
Geändert nach Druckbogen 1943; ZH:
meinen