615
270/12
Wegen der langen Abfassungsphase antwortet Herder mit diesem Brief auf verschiedene Briefe Hamanns: Der Passus von
Anfang März 1781
antwortet auf
HKB 611
und
HKB 612
; der Passus vom
11.–17. Mai 1781
antwortet auf
HKB 617
; der Passus vom
21. Mai
antwortet auf
HKB 619
. Hamanns Brief HKB 619 ist wiederum eine Antwort auf einen nicht überlieferten Brief Herders, den er nach dem 23. April schrieb, der am 10. Mai in Königsberg ankam und den Hamann in
HKB 620
an Hartknoch reportiert.
HKB 622
ist Hamanns Antwort auf HKB 615.
Vermerk von Hamann:

13
Erhalten den 3
Juni
am Pfingstsontage


14
Es dünkt mir selbst eine so lange Zeit, liebster H., seit ich nicht an Sie

15
geschrieben
Herders letzter Brief ist vom
18. Dezember 1780
und kam wohl an Silvester in Königsberg an, vgl.
HKB 612 ( IV 258/27 )
.
geschrieben, daß ich jetzt zu einem Briefe gehe, ohne vielleicht Materie zu haben,

16
ersten Brief
HKB 611
womit ich Sie erfreuen könnte. Ihren ersten Brief empfing ich am Neuen

17
Jahr auf dem Krankenbette; auf dem ich indeßen doch schon wieder so weit

18
war, daß ich ihn lesen und mich durch Ihr gutes Andenken erholen konnte.

19
Nach den Weihnachtsfeiertagen nehmlich, die ich sehr gesund durchgebracht,

20
überfiel mich plötzlich ein so starkes Kopfweh, mit Hitze und trockner

21
Betäubung, die mich ein paar Tage
alle
stark festhielt, und es hätte schlimm

22
werden können, so wie es denn bei andern Patienten der Krankheit in diesem

23
Winter übel geworden ist u. Einer davon noch jetzt kaum wieder anfängt Kräfte

24
zu bekommen; wenn nicht zum Glück ein guter Arzt u. meine ziemlich gesunde

25
Natur beizeiten das Ihrige gethan hätten, daß ich sogar auch dem

26
Phantasiren, wofür ich mich sehr fürchtete, Gottlob noch entrann und auch die

27
Kopfschwäche, die ich den ganzen Januar hindurch fühlte, sich ziemlich verlohren

28
Queckenkur
vgl.
Adelung, Bd. 3, Sp. 888, s.v. Quecke
: „In engerer Bedeutung sind es die überaus schnell und weit um sich her wuchernden Wurzeln des Queckengrases, Triticum repens L. welche Wurzeln auch unter die blutreinigenden Getränke in den Apotheken gebraucht werden.“
hat. Ich brauche jetzt
die Queckenkur
mit außerordentlichem Erfolg und denke

29
Pyrmonter
heilendes Mineralwasser, das Herder regelmäßig auf Kurreisen einnimmt, vgl.
HKB 591 ( IV 188/21 )
mir dadurch selbst den Pyrmonter auf dieses Jahr zu ersparen. – Mit Ihrem

30
zweite Heft von Mendelsohns Moses
Mendelssohn (u.a.), ספר נתיבות השלום
, Bd. 2; vgl.
HKB 607 ( IV 243/1 )
Briefe kam zugleich das zweite Heft von Mendelsohns Moses ohne Brief an

31
und 2. Gemälde vom
verstorbnen
Grafen zu Bückeburg und der mir ewig

32
lieben Gräfin, daß also mein Neujahrstag nicht ohne mancherlei Geschenke

33
von allen Seiten abging. Einige Tage drauf bekam ich freilich auch den

34
bübischen Ketzerallmanach …
Bahrdt,
Ketzeralmanach
, die Satire auf Herder befindet sich auf
S. 74–77
. Er wird wiederum als „Johann Georg Herder“ geführt, eine Namensmischung mit Hamann, mit der schon
Klotz
(der Bahrdt kannte) erfolgreich Herders Wut erregte, vgl.
HKB 339 ( II 390/3 )
bübischen Ketzerallmanach zu lesen, der auch meinen Namen mit Koth

35
Bona mixta malis
Gutes mit Schlechtem vermischt; Sprichwort vmtl. mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Ursprungs
bemahlt hat – indeßen, dachte ich, so muß das Jahr anfangen –
Bona mixta

36
malis
– und so ists bisher fortgegangen u. so wirds fortgehen, bis man ins

S. 271
Leßings Tod
Lessing
starb am 15. Februar 1781, für viele überraschend, vgl.
HKB 607 ( IV 247/35 )
Grab fällt. Auch Leßings Tod gehört dazu: der mir sehr bitter gewesen ist

2
und den ich noch nicht vergeßen kann. So wenig ich mit ihm im
engen

3
Briefwechsel gestanden: so eine große Gestalt war er doch in unsrer literarischen

4
Welt für mich, die ich mir oft nahe fühlte, zumal ich ihn persönlich und sehr

5
in Hamburg kennen gelernt
im April 1770
freundschaftlich, männlich u. bieder in Hamburg kennen gelernt hatte. Wenig

6
Brief
Lessings Brief an Herder vom 26. Januar 1781, siehe
Lachmann/Muncker, Bd. 18, S. 365f.
Tage vor seinem Tode, Ende Januars, habe ich noch einen Brief von ihm u.

7
dachte nicht, daß es der letzte seyn würde. Die große Lücke steht nun da und

8
Melchior Götze
Johann Melchior Goeze
, Lessings Feind im
Fragmentenstreit
Unbeschnittene
Nichtjuden bzw. Feinde des Judentums, etwa
2 Sam 1,20
die Melchior Götze u. andre Unbeschnittene freuen sich in der Stille. Der

9
Nicolaische Trupp
Friedrich Nicolai
und seine Anhänger
Nicolaische Trupp hat jetzt, wo möglich, noch weiter Feld: u. wie lange wirds

10
seyn, daß für Deutschland wieder ein Leßing gebohren wird? – Um mich

11
herum fühle ich eine sonderbare Wüste, da ich doch in dem Eigentlichen,

12
worüber ich reden möchte, niemand hier habe, mit dem ich sprechen kann,

13
als meine Frau. Die hiesigen
G
schönen
Geister sind so sehr weit von mir, u.

14
leben in
ihrer
Welt, in denen es ihnen sehr wohl ist, dem Erzsophisten und

15
Vertumnus
römischer Gott des Wandels und Wechsels, vmtl. weil Wieland so leicht seine Meinung wechselt
Schweizern
dem
Lavater
-Kreis
weichen, üppigen Vertumnus, Wieland, vor allen. Von den Schweizern
bis

16
ich auf eine sonderbare Weise fortgerückt – kurz, lieber H., Sie sind mir beinah

17
noch der Einzige von Allen, mein ältester, treuer, bester, der mir noch immer

18
Jugendzeiten
Herders Studienzeit in Königsberg 1762–1764, als er Hamann kennenlernte
meine Jugendzeiten, die ich in Armuth und vergnügter Dumpfheit hinbrachte,

19
zurückruft u. an den ich mich gern so klammern möchte, wie an eine lebende

20
Dädalische Bildsäule
eine der Erfindungen des mythischen Daidalos soll eine aus Holz geschnitzte Bildsäule gewesen sein, von der man sagte, sie könne gehen
Dädalische Bildsäule ein Vertriebener, Umherirrender, der an ihr Jugend,

21
Freund und Vaterland wiederfindet. Bewahren Sie sich nur, Lieber, u. hüten

22
garstigen Schwindel
Herder bezieht sich hier wohl auf die Stelle in Hamanns Billet an Caroline Herder, vgl.
HKB 613 ( IV 266/32 )
Sie sich vor dem garstigen Schwindel, daß er Sie nicht übermöge. Meine Frau,

23
ein großer Doktor, ist mit Ihrer Diät nicht zufrieden, mit den Gänsen z. E.

24
und dergleichen unverdaulichen Sachen, die alle solche Uebel befördern. Sie

25
soll Ihnen einmal eine Lebensordnung vorschreiben u. noch beßer wärs, wenn

26
Sie sich in
I
ihre
Kost und Kur gäben. Sie macht mit ihrem
Tißot
und ihrem

27
einfältigen
Angesicht große Kuren; leider aber, daß ihr Ehegemal ihr selbst

28
nicht folget. In der That, lieber H., schonen Sie sich, wenn nicht Ihret- so

29
Mich dünkt immer …
vgl. Hamanns Klagen in
HKB 611 ( IV 252/34 )
Ihrer Kinder wegen. Mich dünkt immer, Sie fressen an sich selbst und Ihr

30
schließen Ihre Hütte zu
wiederum eine Aufforderung zur Reise nach Weimar, vgl.
HKB 611 ( IV 258/10 )
Geist überwältigt sich in Ihnen. Laßen Sie gehen, wie es geht und
I
schließen

31
Ihre Hütte zu; es ist ja auch mit uns noch nicht aller Tage Abend. Und

32
kommt der, was fehlt uns denn? Ich werde von Tag zu Tage klärer

33
überzeugt, daß in unsrer Zeit das einzige Mittel zu wirken – leiden ist, wenn man

34
schmeicheln u. Tellerlecken
vgl.
Hamann,
Sokratische Denkwürdigkeiten
, HKW: SD 45/3f.
30. Tyrannen zu Sokrates Zeit
die Oligarchen 404/403 v. Chr. in Athen
nicht schmeicheln u. Tellerlecken will. Die 30. Tyrannen zu Sokrates Zeit

35
sind jetzt in die Millionen gewachsen u. in allen Ständen gehts so kunterbunt

36
her, daß einem, wenn mans sieht, Farbe u. Wort fehlet. Unser geliebteste

37
Herzog ist jetzt in Kassel, mit
HErn.
Merk, der dahin beschieden ist, die Galerie

S. 272
zu
studieren
, weil er sich von der ersten Kindheit auf für die Kunst geschaffen

2
fühlt u. glaubet. Sie sind auch in Göttingen gewesen, wie billig ist u. wer

3
weiß, wohin es in kurzem gehn wird. Kunst, Kunst, ist jetzt die Losung, der

4
alles zu Füßen liegt: süßer mystischer Opiumtraum unverstandner Ideen u.

5
Gefühle.


6
Mit diesem Passus antwortet Herder auf
HKB 617
; zur langen Abfassungsphase des Briefs
s.o.
―――――――――――――――――
den 11. Mai.
So weit war dieser

7
Brief im Anfange des März geschrieben u. er blieb unter einer Reihe

8
Niederkunft meiner Fr.
Caroline Herder
, mit
Luise Herder
, am 23. April; Herder hatte davon bereits in dem nicht überlieferten Brief Meldung gemacht, den Hamann am 11. Mai gegenüber
Hartknoch
reportiert.
Drückniße u. Zerstreuungen liegen, bis die glückl. Niederkunft meiner

9
Brief mit den Schattenrißen
vgl.
HKB 617 ( IV 282/34 )
Fr. kam, die ich Ihnen sogleich meldete u. gestern Ihr lieber Brief mit

10
Monitorium
Mahnungsschreiben
den Schattenrißen, als ein
Monitorium
ankam, dem ich also auch gleich

11
seine Kraft geben u. vollenden will, was ich allenfalls in der Wüstenei

12
meines Kopfs u. Herzens Ihnen, wo nicht an Blumen u. Früchten, doch an

13
dürrem Laube übersenden u. melden kann.

14
Kirchen- u. Bußgebet
den
Bußtagszettel
vom 13. April 1781, vgl. SWS XXXI, S. 675
Das erste ist ein Kirchen- u. Bußgebet, das ich auf höchsten Befehl, weil

15
die vorigen erbärml. waren, verfaßt habe u. das seit Ostern in Gebrauch ist.

16
ersten Ministers
Jakob Friedrich von Fritsch
Es ist nicht ohne
kleine
Reibung des ersten Ministers abgegangen, der

17
auch einige Worte eingeflickt hat; weiteres drüber zu sagen, ist nicht der Rede

18
werth: der Eine Buß- ist durch meine Veranlaßung auf den Karfreitag, der

19
caput fabulae
Hauptsache der Geschichte
hier schändl. begangen wurde, verlegt, u. dies war
caput fabulae,
aus dem

20
Oster Kantate
wohl ein zuvor zirkulierender Privatdruck von
Wolf,
Ostercantate
das andre
worden –
– Das zweite ist eine Oster Kantate, vom hiesigen

21
Kapellmeister Wolf
Ernst Wilhelm Wolf
Kapellmeister Wolf
componi
rt
; auch nicht der Rede werth u. nur auf sein langes

22
Bestreben, aus der zieml.
H
alten
Handschrift gezogen – – Beian liegen zum

23
schönen Dank für Ihre Silhouetten, meine u. meiner Familie, die ich sogleich

24
gestern, weil eben der Silhouetteur hier war, habe verfaßen laßen. Wie sie

25
sind, weiß ich noch nicht; denn ich habe sie im Kleinen noch nicht gesehen.

26
Die Ihrige dünkt mich unkänntlich u. doch wahr, wenigstens ein braver

27
Kopf, wie Ihres Michels; den ich mich freue, im Schatten gesehn zu haben.

28
Kreuzfeld … Lauson
Johann Gottlieb Kreutzfeld
und
Johann Friedrich Lauson
, von denen Hamann auch Schattenrisse mitsandte, vgl.
HKB 617 ( IV 283/11 )
Kreuzfeld kommt mir schwach vor u. Lauson ist sehr känntlich Lauson. Ich

29
danke für Alles; u. wenn Sie zum Recompens der hiesigen Genies Wielands,

30
Göthe, Knebels, des Herzogs haben wollen, so stehn sie sogleich zu Dienst;

31
Prophetenglauben … Lustrum
Lavater
und seine physiognomischen Theorien, ‚Lustrum‘ bezieht sich wohl auf die etwa fünf Jahre, die das Erscheinen der
Lavater,
Physiognomische Fragmente
her ist
ob Sie gleich noch nicht in den großen Prophetenglauben an Silhouetten-

32
Urim u. Thummim
2 Mo 28,30
,
1 Sam 14,41
eingew.
Orakel, das Urim u. Thummim unsers Lustrum, eingeweiht

33
Buch des erreurs
Saint-Martin,
Des Erreurs et de la Vérité
, die französische Ausgabe, vgl.
HKB 633 ( IV 335/9 )
, außerdem
HBGA
, Bd. 12, S. 170
scheinen. – Vielleicht lege ich auch das Buch
des erreurs
gleich bei; ich habs eben

34
nicht in meiner
Hand
u. über Hals u. Kopf darnach geschrieben, weil ich

35
in Ihrem Briefe … Claudius
Aus
Matthias Claudius
nicht überliefertem Brief an Hamann, was er in
HKB 617 ( IV 287/2 )
erwähnt; zu Hamanns Antwort vgl.
HKB 622 ( IV 303/22 )
.
glaube, daß die in Ihrem Briefe blind citirte Stelle
von
Claudius daraus ist.

36
Ich komme Ihnen mit keinem Urteil über das Buch zuvor; Ihr Gefühl ist

37
reicher u. richtiger als das Meine. – Noch wollte ich Ihnen einige geschriebnen

S. 273
Mosers Entlaßung
Friedrich Carl von Moser
; zu dessen Entlassung als Erster Minister von Hessen-Darmstadt vgl.
HKB 600 ( IV 219/35 )
acta,
Mosers Entlaßung u. die schändliche Begegnung des
Conseils
gegen

2
ihn beilegen, die wir durch eine geheime HinterThür empfangen hatten.

3
Meine
Fr.
aber hat sie der Sicherheit wegen vor der Niederkunft verbrannt

4
u. sie hat Recht dran gehabt: es geht nichts über das Schändliche der

5
Begegnung. Meine Seele wird sich freuen, wenn er aus dem
J
jämmerl.
Lande heraus

6
ist u. sein Zwingenberg verkauft hat; worinn man ihm auch heiml.

7
Hinderniße in den Weg gelegt hat, um ihn so mit Ehren als einen Staatsgefangnen

8
im Lande zu haben. O Schändlichkeit der Schändlichkeiten! Der Vogel ist

9
ihnen aber allen zu mächtig u. wird sein Netz, wenn es auch sein Nest seyn

10
heißen Koth …
Tob 2,10
Nächstens …
vgl. Hamanns Antwort
HKB 622 ( IV 302/8 )
sollte, zerreißen u. den heißen Koth in ihr Angesicht schmeißen. Nächstens

11
solche
Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt
, der sich vor allem mit Militärischem in Pirmasens aufhielt und dessen Sohn
Ludwig, Erbprinz von Hessen-Darmstadt
, der die Regierungsgeschäfte ausführte
drüber ein Mehrers. Er glüht von Haß u. Rache gegen die Fürsten!
solche

12
Stark
Johann August Starck
, der als Oberhofprediger und Konsistorialrat nach Darmstadt ging; zu Starcks Einstellung gegenüber Hamann, die Merck in einem an Carl August vom 7.11.1781 äußerte vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 170f.
Fürsten nehml. u. im Grunde sind alle
solche
. Mich wundert, was Stark

13
dort thun wird. Man hat ihm die Schrift „
vom Zweck
des Frei M-Ordens“

14
zugeschrieben; die hier rings umher schreckl. gelesen wird –
der
ich glaubs

15
aber nicht. Der Jesuit u. Betrüger, der er überall gewesen ist, wird er auch

16
da seyn u. damit Gott empfohlen! – Jerusalem ist ein kleiner, enger,

17
politischer Kopf, ein Hofmann, Gottserbärmlich; seine Zeit wird auch ausgehen,

18
Fr. M. Orden
Freimaurerorden, gemeint ist der Wilhelmsbader Konvent 1782; über die Vorbereitungen dazu wurde Herder wohl über
Johann Joachim Christoph Bode
informiert.
u. aus seinem Urteil mache ich mir sehr wenig. – Der Fr. M. Orden geht

19
mit einer großen Zusammenkunft schwanger, worauf der Hohepriester ihres

20
Nichts, der Herz. Ferdinand, die ganze Welt durch die Frage zubereitet:

21
„welches der
wahre
Zweck des
Fr.
M. Ord. sey?“ Alles, was Kopf haben will,

22
arbeitet drauf; u. die Mögl. u. Exsistenz der Frage selbst zeigt,
daß
was

23
an den Antworten seyn werde. Alchymie u. Magie werden ausgeschloßen in

24
den Antworten; es soll auf Tugend u. Weisheit beruhen
etc.
Gegen jene

25
alter Fritz
Friedrich II.
soll auch Ihr alter Fritz sich neul. stark erklärt haben: denn es ist nicht zu

26
glauben, was in unserm aufgeklärten Jahrhundert die Magie insonderheit für Raum

27
Voltärianer
Anhänger
Voltaires
; dessen freigeistige Ideen waren beliebt unter den aufgeklärten Adeligen und Hochadeligen, welche die oberen Grade der Geheimgesellschaften dominierten.
gewinnt. Von Paris bis Berlin ist sie ausgebreitet, u. die Voltärianer sind

28
Hauptsproße derselben; eine Menge vornehmer, aufgeklärter Leute.
Ihr Band

29
ist Ungefähr u. ein blinder Gehorsam: keiner weiß, mit wem er zu thun hat?

30
es ist schreckliches Zeug was ich hie u. da, durch den u.
den
,
Fremden –
höre.

31
Am Rhein sind große Proselyten derselben; u. sie gehn sehr auf Proselyten

32
aus. – Der Verf. des Buchs
des erreurs
soll
Martinez
in Paris seyn; ders

33
aber nicht selbst geschrieben, sondern ein Jünger desselben, der mir auch

34
genannt ist. Der Meister soll aber mit dem Buch gar nicht zufrieden seyn. –

35
Von
Ch
Calliostro
in Strasburg werden Sie gehört haben; ich weiß aber nicht,

36
Schwefelblumen …
Aberglaube in Geheimgesellschaften als Gegenseite der Aufklärung, vgl. auch Hamanns Antwort
HKB 622 ( IV 303/28 )
; nach
Kant,
Critik der reinen Vernunft
, zum Ausdruck ‚Schwefelblumen‘ vgl.
Hamann,
Aesthaetica
, ED S. 185.
ob er zur vorigen Sekte gehöret. Das sind die Schwefelblumen der reinen

37
Vernunft, über die Kant das Gesetzbuch schreibet.

S. 274
Von der Meße habe ich noch nichts
gesehn;
auch beinah wenig zu sehen

2
Leß. 6. u. 5. ten Beitrage
Lessing,
Zur Geschichte und Litteratur
, Beitrag 6 erschien zur Ostermesse, Beitrag 5 zur Michaelismesse 1781, vgl. den
Messkatalog zur Frühjahrsmesse 1781, S. 59
Lust. Mich wundert, was in Leß. 6. u.
5. ten
Beitrage seyn werde; deren der

3
Mendels.
Moses Mendelssohn
; zu Lessings Nachlass und Mendelssohns Brief, vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 158f.
letzte erst Michael. heraus kommt.
Med
Mendels.
schreibt mir, daß seine Sachen

4
auf Befehl des Herzogs durch Schmid in Brschw. versiegelt sind u. sein

5
Bruder aus Breßl. hingereist sei, sie zu empfangen. Die Briefe sollen jedem,

6
ungelesen, zurückgeschickt werden. Ich bin neugierig, was man finden werde

7
u. hoffe es zu erfahren. Meiners hat eine Gesch. der Wiß. in Griech. u. Rom

8
geschrieben u. Adlung mancherlei über Geschichte u. Ursprung der D. Sprache.

9
Buchhandl. der Gelehrten
Die genossenschaftliche „Buchhandlung der Gelehrten“ in Dessau: Selbstverlag auf Kosten der Autoren, nach einer Provision kam der volle Ertrag den Autoren zugute; geleitet von
Carl Christoph Reiche
.
Mich wundert, daß Ihnen das Phänomenon der Buchhandl. der Gelehrten

10
in Deßau noch nicht vorgekommen
ist;
mich intereßirts sehr, die Plane sind groß

11
u. gut; nur thut mirs leid, daß ich zu alt u. ausgemergelt bin,
da
dran
Theil

12
zu nehmen. Es sind schon 2. Stück ihrer Berichte heraus u. ihre Artikel sind

13
Chevilah
Buch Chevilla
; zu Hamanns Fragen vgl.
HKB 611 ( IV 256/34 )
diese Meße 54.; Reichart ist auch mit ihnen. – Habe ich Ihnen von Chevilah

14
Zeitungsblatt
Vmtl. ist der Artikel über
Ziehen
in den Greifswalder
Neuesten Critischen Nachrichten
gemeint, der in
St. 53, S. 322–324
erschien; zum Hintergrund vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 164–167 u. 337 sowie Bd. 12, S. 159f. u. 172; vgl. weiterhin Hamanns Antworten
HKB 622 ( IV 304/33 )
sowie im Brief an Hartknoch
HKB 629 ( IV 323/11 )
.
nicht das Zeitungsblatt geschickt, wo die Nachricht vom Buch stehet? So

15
will ichs thun, wenn es mir wieder in die Hände fällt. Von Ziehen habe

16
Blatt
nicht ermittelt, vmtl. von
Gottfried Grüner
, vgl.
HKB 627 ( IV 318/10 )
und
HBGA
, Bd. 1, S. 337 und Bd. 10, S. 656
nichts weiter erhascht, als dies unwichtige Blatt, was ich beilege.
Monboddo

17
muß ein toller Kopf sein, ich kenne sein Werk nicht. – Sollte Stark wirkl. die

18
freimüthige Betrachtungen geschrieben haben; mich hat gedünkt, sie seyn

19
Lehrbuch des Χth.
Hermes,
Handbuch der Religion
einem Hermes ähnlicher, der das Lehrbuch des
Χ
th. geschrieben hat. –

20
Steinbart ist in den Gött. Zeitungen außerordentl. heruntergesetzt worden, so daß

21
ihm, wie mich dünkt, selbst Unrecht geschieht. Gegen
Leß
ist er doch wahrl.

22
junger Tobler
Georg Christoph Tobler
; zu seinem Besuch in Weimar vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 172
ein Riese. Laßen Sie sich doch das Blatt geben. – Es ist ein junger Tobler

23
fetirt
gefeiert
alten Toblers
Johannes Tobler
aus der Schweiz hier, der hier sehr
feti
rt wird; ein Sohn des alten Toblers,

24
Uebersetzer des Sophokles
Tobler,
Sophokles
u. neul. ein Uebersetzer des Sophokles: ein feiner u. scharfsinniger Mensch,

25
der mir aber kein Zutrauen
inspi
riret, u. den Göthe gar den kleinen Lavater

26
genannt haben soll. Das letzte glaube oder begreife ich nicht, ob ich gleich

27
Oelzweig des Friedens
Klopstocks
Reaktion auf
HKB 603
, wie in
HKB 617 ( IV 287/20 )
beschrieben; nach
1 Mo 8,11
Lav. nicht persönl. kenne. – Da Sie doch das Oelzweig des Friedens von

28
Anfrage an Bode
Klopstocks nicht überliefertes Billet an
Johann Joachim Christoph Bode
, vgl.
HKB 600 ( IV 218/24 )
Klopst. so liebhaben: so ist hier auch seine Anfrage an Bode, die mir eben

29
Kopf des Brutus
wohl Klopstocks Briefsiegel
in die Hand fällt, mit dem Kopf des Brutus versiegelt. Ich höre, er ist für

30
seine D. Rechtschreibung so paßionirt, daß er auch in der Gesellschaft, wo

31
er sonst ein Lamm u. Engel ist, sich hierüber ereifert. – Der Herzog hieselbst

32
Büttnersche Biblioth.
die Bibliothek von
Christian Wilhelm Büttner
, vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 167
hat die Büttnersche Biblioth. in Göttingen gekauft; doch so, daß sie der Verf.

33
lebenslängl.
nutzt u. vermehret: ich werde sie also kaum sehn u. gebrauchen;

34
gräme mich auch nicht darüber und wünsche mir nur einen Ort der Ruhe

35
u. des innren Lebens. Hier ist nichts, nichts, nichts, als armes Treiben u.

36
Martern des Geistes; despotische Anarchie u. anarchischer Despotismus.

37
Ich ergreife wieder die Feder; werde aber kaum etwas anders, als fremde

S. 275
Relationen fortsetzen können, weil in mir u. um mich alles wüst
lie
ist. –

2
Die
Memoires
von
Rousseau
exsistiren wirkl. noch, wenigstens der Anfang,

3
junge Schweizer
Georg Christoph Tobler
bis ins 30. Jahr
etwa:
der junge Schweizer hat sie gelesen, u. einige Züge

4
mit großer Liebhaberei erzählt; sie werden der neuen Ausgabe seiner Werke

5
hinten beigefügt werden. – Der Statthalter grüßt Sie sehr u. erinnert sich

6
Ihrer mit Liebe. Er hat jetzt einen Windmeßer erfunden, u. hat bei der letzten

7
Bisch. in Würzburg
Franz Ludwig von Erthal
Krankheit des Bisch. in Würzburg Hoffnung gehabt, Bischof zu werden. Der

8
Bisch. ist gesund worden u. er ist Statthalter. Ich gönnte ihm das Glück sehr

9
u. habe ihm schon gesagt, wie ich mich auf seine Politische

10
Magischer Sekte
s.o.
Regierungswindmeßer zum Voraus freue. Er hat mir viel von obgenannter Magischer Sekte

11
erzählt u. scheint viele Glieder genau zu kennen; denkt aber von der ganzen

12
Sache, wie man denken muß. – Wer ist denn Ihre
Bondeli?
Ists die, die

13
in der Schweiz
Julie von Bondeli
sonst in der
Schweiz
mich dünkt, in Bern, lange gelebt hat? Wie kommt

14
Sie
sie dorthin? Sie verbinden mich sehr mit einiger nähern Nachricht. –

15
Hemsterhuis
Frans Hemsterhuis
Von Hemsterhuis geht ein neues Platonisches Gespräch herum in

16
Simon der Lederhändler
Schumacher und Schüler des
Sokrates
, der bereits Dialoge notiert haben soll, vgl.
Diog. Laert.
, 2,122f.
Handschrift:
Simon ou des facultés de l’ame:
es ist Simon der Lederhändler in

17
Lohgerber in Joppe
Herbergswirt von Petrus,
Apg 9,43
,
Apg 10,6
Athen, nicht der Lohgerber in Joppe; ich habe aber nichts darinn gefunden,

18
was nicht in
seine
n
r
Lettre sur l’homme et sur ses rapports
schon beßer

19
gestanden hat; auch die Grazien des Platonischen Gesprächs fehlen ihm,

20
dünkt mich, gänzlich. Die
Diotima,
die er auch in seinem
Aristée ou de la

21
Gräfin Galizin
Amalia von Gallitzin
divinité,
so sehr gefeiert hat, ist eine Gräfin Galizin, gebohrne Schmettau,

22
in deren Hause er lebt. Für mich ist wenig Belebendes auch in diesem Gespräch

23
Göthe …
Johann Wolfgang Goethe
; das Manuskript für Goethes dialogische Satire auf
Friedrichs II.
De la littérature allemande
ist verschollen, vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 167
gewesen. – Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon gemeldet habe, daß Göthe ein

24
Gespräch „in einem
Wirthshause
zu Frankfurt, an der
table d’hote“

25
geschrieben hat, wo
ein
Deutscher u. Franzose sich über des Kön. Schrift
Sur la

26
liter. Allemande
besprechen? Er hats mir zu lesen gegeben u. es sind einzelne

27
S
schöne
Gedanken drinn; das Ganze aber hat mir nicht gnuggethan u. die

28
Einfaßung nicht gefallen. Er wills Französ. übersetzen laßen u. so

29
Wieland
Wieland
, der an der Übersetzung von
Horazens Briefen
arbeitete
herausgeben, wo es sich aber nicht ausnehmen
wird.
Wieland übersetzt Horaz

30
Episteln. Ich höre sie sehr rühmen, habe aber noch nichts davon gesehn u.

31
sehn mögen; weil wir sehr entfernt nach Gaßen, Denkart, Geschäft- u.

32
otia liberrima
vgl.
Hor.
epist.
, 1,36: „otia divitiis Arabum liberrima muto“, dt. meine freie Muße tausche ich nicht gegen die Reichtümer Arabiens
Lebensweise leben. Neul. hatte er in ein Stammbuch geschrieben, daß er seine
otia

33
liberrima
nicht für alles Gold u. alle Kleinode der Araber hingeben möchte;

34
ich glaube es wohl, denn die
otia liberrima
beruhen auf 1000. Thl. Pension,

35
obgleich eben nicht in Golde, u. sein Merkur bringt ihm auch in seinem

36
Seckel
noch was Ansehnliches – also. Er lebt, wie ein Prinz, vor der Stadt

37
mit Haus, Garten u. seinem weibl. Serail an Mutter, Frau, Kindern u.

S. 276
unzälichen Dienstboten. – Ob aus Andreä was werden wird, weiß ich nicht:

2
Hahn
Philipp Matthäus Hahn
, vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 156
sein Leben
die
Vita ab ipso conscripta
Johann Valentin Andreaes
jetzt liegt er. Hahn hat mir sein Leben verschafft u. durch seine Frau

3
Wolfenb. Bibl.
im Januar 1781 durch
Lessing
, vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 150 u. 156
abschreiben laßen, ob ichs gleich aus der Wolfenb. Bibl.
eb
schon hatte. Er

4
ist vors Consistorium in Tübingen gefodert u. die Privatversammlungen ihm

5
untersagt worden; auch seinen Schriften, meint er, wird Acht aufgelegt

6
werden. Er soll ein sehr simpler Mann seyn, voll Ansehens auf seinem Dorf,

7
immer thätig u. rechnend; seine Astronomischen u. Rechenmaschinen sollen

8
bewundernswürdig viel- u. einfach seyn. Seine Theologie indeßen ist nicht

9
Claudius
Matthias Claudius
; Herder bekam tags darauf (am 16.5.) einen Brief mit der Meldung der Geburt von
Trinette Claudius
Liede auf den Reif
Ein Lied vom Reiffen
, abgedruckt in
Claudius,
Asmus omnia sua secum portans
,
Tl. 4, S. 7–10
; zuvor an Herder geschickt.
recht für mich. – Claudius hat seit seinem Liede auf den Reif nicht geschrieben

10
Luise
Luise Herder
u. ich ihm sogar die Geburt unsrer Luise noch nicht gemeldet; ich wünschte,

11
daß ich bald zu ihm, obgleich nicht eben in seinen Müßiggang, ziehen dörfte;

12
indeßen verscheuche ich jeden Gedanken u. Wunsch daran, wie einen

13
Raubvogel meiner Ruhe, mir wenigstens vom Kopfe. Nacht u. Tag bin ich seit

14
einiger Zeit unruhig, ich weiß selbst nicht, woher? ohngeachtet der großen

15
Freude u. Wohlthaten, womit Gott in diesem Jahr auf mancherlei Art mein

16
tödtl. Krankheit
s.o.
Haus segnet. Er hat mich von einer tödtl. Krankheit erlöset, mich von

17
Schulden befreiet (die Briefe haben auch die letzten Bücherschulden getilgt) meiner

18
Fr. ein so glückl.
G
Kindbett gegeben, und noch bin ich wie ein Stein u.

19
wie eine Meereswelle! – Der Himmel wird mich u. mein Schicksal lenken.

20
Leben Sie wohl, lieber H.
u.
lieben Sie mich u. schreiben mir bald. Meine

21
Frau, eine verjüngte Braut, grüßt sie
herzl.
ihre Wochenvisiten sind Gottlob

22
bald zu Ende. Denn gehn meine KirchenRechnungen an u. ich freue mich

23
„Gott gib …
Kirchenlied von
Mauritius Kramer
auf Pfingsten, wo der erste Stoß vorbei ist, um wenigstens das „Gott gib

24
einen milden Regen“ recht herzl. u. demüthig zu singen. Urtheilen Sie selbst,

25
Gespräch …
Hamann (Übers.),
Dialogen die natürliche Religion betreffend
bzw. der geplante Begleitessay
wie mich Ihr Brief erfreuen wird u. es mich erfreuet hätte, das Gespräch

26
Fischer
Carl Gottlob Fischer
, vgl.
HKB 617 ( IV 285/34 )
; zum Inhalt des Briefs über gemeinsame Studienfreunde vgl.
HBGA
, Bd. 12, S. 174
Ihres Herzens über Hume zu lesen. Grüßen Sie Fischer. Goldbeck

27
habe ich noch nicht
gesehn
noch gelesen: ich glaubte nicht, daß er sobald heraus

28
käme. Eine meiner besten Freundinnen, die ich vor einem Jahr Griechisch

29
lehrte, ist nach einem sehr unglückl. Wochenbett dem Tode nah: ich wollt,

30
daß sie wieder lebte oder schon herüber wäre. Sie ist mehr ein Engel vom

31
Kinde, als ein
Weib
u. frißt sich über den Verlust ihres Kindes selbst ins

32
Grab. Sie ist eine Niece von der Gräfin
BernsDorf
, die uns fleißig besucht

33
u. eine brave Frau ist. Sonst leben wir sehr abgesondert
und
ein Zweig der

34
Bekanntschaft u. sogenannten leidigen Freundschaft verdorrt nach dem andern,

35
wenigstens in unsrer Seele. Wie ich seit 3. oder 4. Jahren seitdem ich hier

36
bin, alt u. grau geworden bin, ist unsägl. Meine Haare fallen wie Stoppeln

37
hinweg u. ich kann mit dem Scheitel kaum die Glatze mehr
decken
ein junger

S. 277
Greis vom Baume, der auf seinem Stamm verdorret. – Doch alles belebt

2
sich ja wieder u. vielleicht auch ich – wenn nicht hier, so anders wo. Frisch auf.

3
Ich umarme Sie, liebster, Einiger, Alter u. wünsche Ihnen tausendfach wohl

4
zu leben.   Ihr   ewiger

5
Herder.


6
Apropos. Kennen Sie nicht einen gewißen D. Christ. Gottl. Berger, der

7
Antediluviana
Berger,
Antidiluviana
tolles Zeug schreibt. Er hat in der Buchhandl. der Gelehrten
Antediluviana,

8
imgleichen eine allgem. Schrift- u. Redesprache, auch vom Zustande der künft.

9
Schrift übers Erkennen u. Empfinden
Berger,
Sistem der Ewigkeit zur Erkenntniß Gottes
Schöpfung angekündigt; ich kenne ihn aus einer Schrift übers Erkennen

10
u. Empfinden, die aber einen sonderbaren Titel hatte u. wo unter einigem

11
Vortreflichen das tolleste Geschwärm stand. Die Stelle über die Orgel im

12
4.t.
Th. der Briefe ist aus ihm. – Ich bin begierig u. beinah furchtsam auf

13
Briefen
Herder,
Briefe, das Studium der Theologie betreffend
, Bd. 2 (Tl. 3 und 4), den Herder mit dem nicht überlieferten Schreiben von Ende April sandte, vgl.
HKB 620 ( IV 296/17 )
Ihr Urteil von den Briefen; wenn man
so viel
sagen will u. muß, sagt man

14
gemeinigl. nichts recht. Indeßen seys! Meine Kinder sind wohl u. Gottfried

15
hat sich hü
p
bsch erholet.
Adieu, Adieu.


16
Von Caroline Herder:

17
17 t Mai
zur Datierung vgl. textkritische Anmerkung
Innig verEhrtester Herr Gevatter.
Den 17 t Mai

18
Kirchgang
zum Dank nach der Geburt
Luise Herders
Da ich gestern meinen frölichen Kirchgang gehalten, so kann ich nicht anders

19
u. muß Ihnen zu meinem neuvermehrten Leben die Hand reichen u. Ihnen

20
willkomen sagen! Sie gehören so ganz in unsre häußliche
Glückseligkeit,

21
hinein
daß wir allemal sogleich an Sie gedenken wenn uns was Gutes

22
Ihr Schatten
die Schattenrisse von Hamann und seinem Sohn, die Hamann mit
HKb 617
mitschickte; abgebildet bei
Arthur Warda:
Joh. Georg Hamann und Joh. Michael Hamann. Zwei Silhouetten,
in: Altpreußische Monatsschrift 49 (1912), S. 187–189.
wiederfährt
– Ihr Schatten ist mir unendlich lieb u. theuer, er ist mir beinah noch

23
Ihr Gemälde
Herder besaß wohl eine Kopie des bekannten Öl-Gemäldes von Hamann mit dem Kopftuch, das Moser einst kaufte, vgl.
HKB 448 ( III 187/4 )
Ihr Michael
Johann Michael Hamann
lieber als Ihr Gemälde – u. Ihr braver Michael desgleichen. Hier haben Sie

24
Familienstück von uns
s.o.
ein Familienstück von uns das wir
niemand
lieber als Ihnen übersenden,

25
könnten wir einmal so lebendig bei Ihnen erscheinen. Wir sind alle sehr gut

26
getroffen, nur Gottfrieds Gesicht ist etwas noch verstellt durch eine

27
langwierige Geschwulst in der Nase, die sich noch nicht ganz verlohren. Wir rechnen

28
Serail
der weibliche Teil von Hamanns Familie, der von
N. N. Pohlkähnin
silhouettiert wurde, vgl.
HKB 617 ( IV 283/9 )
darauf
daß wir Ihr ganzes
Serail
bekommen werden u. sollen unsre

29
Familien so gut wie Eine nur seyn.

30
Leben Sie tausendmal wohl Liebster Gevatter u. treuer Freund.

31
Carol. Herder.


32
Abgange
des gesamten Briefs; der Passus ist auf der letzten Seite quer am Rand geschrieben
lieben Pindarischen Brief
HKB 619
; schwungvoll und dunkel nach dem Stil des
Pindar
Von Johann Gottfried Herder:

33
Eben vor dem Abgange bekomme ich Ihren lieben Pindarischen Brief, den

34
Des erreurs … Wagner
Saint-Martin,
Des Erreurs et de la Vérité
(
s.o.
), über
Friedrich David Wagner
auf der Leipziger Buchmesse an Hamann; vgl.
HKB 633 ( IV 335/3 )
Prudentiustage
der 21. Mai war kein Tag eines hl. Prudentius; wohl ein Scherz oder Irrtum Herders
21. Mai am Prudentiustage.
Des erreurs
ist mit Wagner fort, an den ichs

35
wenigstens mit einem sehr höfl. Briefe nach Leipz. geschickt habe. Hiebei

36
Chevilah
Buch Chevilla
s.o.
Klopstocks Zettel
von
Klopstock
,
s.o.
kommt also Chevilah, Zugabe u. Ankündigung: Klopstocks Zettel: u. die

S. 278
Silhouetten
s.o.
Silhouetten. Frau u. Kinder sind bis zum Sprechenden getroffen.
Meine

2
Figur ist steif, weil ich eigentlich nicht zu diesem Blatt, sondern allein stehe.

3
Ich auch ziemlich. Empfangen Sie sie freundlich u. frölich.

Provenienz

Krakau, Jagiellonenbibliothek, Slg. Autographa der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin (ehemalige Berliner Signatur: Acc. ms. 1886. 53, Nr. 22–23).

Bisherige Drucke

Herders Briefe an Joh. Georg Hamann. Im Originaltext hg. von Otto Hoffmann. Berlin 1889, 169–177.

ZH IV 270–278, Nr. 615.

Zusätze fremder Hand

270/13
Johann Georg Hamann

Textkritische Anmerkungen

Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
270/13
Erhalten […] Pfingstsontage]
Hinzugefügt nach der Handschrift.
270/28
die Queckenkur
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Queckenkur
270/31
verstorbnen
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
verstorbenen
271/13
G
schönen
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
schönen
271/15
bis
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
bin
271/26
I
ihre
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
ihre
271/26
Tißot
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Tißot –
271/27
einfältigen
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
einfältigem
271/30
I
schließen
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
schließen
271/37
HErn.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
HErn
272/1
studieren
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
studiren
272/6
――――――――――――――――― […] Mai.]
Hinzugefügt nach der Handschrift; ZH:
——————————————
den 11. Mai.
272/16
kleine
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
eine kleine
272/20
worden –
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
worden.
272/21
componi
rt
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
componirt
272/22
H
alten
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
alten
272/34
Hand
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Hand,
273/3
Fr.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Frau
273/5
J
jämmerl.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
jämmerl.
273/13
vom Zweck
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
vom Zweck
273/21
wahre
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
wahre
273/21
Fr.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Fr
273/28
Ihr Band
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Ihr Band
273/30
Fremden –
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Fremden
273/30
den
,
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
den
273/35
Ch
Calliostro
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Calliostro
274/1
gesehn;
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
gesehn,
274/2
5. ten
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
5ten
274/3
Med
Mendels.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Mendels.
274/10
ist;
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
ist,
274/11
da
dran
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
dran
274/21
Leß
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Heß
274/33
lebenslängl.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
lebenslänglich
275/3
etwa:
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
etwa;
275/13
Schweiz
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Schweiz,
275/18
seine
n
r
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
seiner
275/24
Wirthshause
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Wirtshause
275/25
ein
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
eine
275/27
S
schöne
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
schöne
275/29
wird.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
wird. –
275/36
Seckel
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Säckel
276/20
u.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
und
276/21
herzl.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
herzl.,
276/27
gesehn
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
gesehn,
276/31
Weib
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Weib,
276/32
BernsDorf
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Bernsdorf
276/33
und
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
u.
276/37
decken
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
decken,
277/12
4.t.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
4t.
277/13
so viel
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
soviel
277/17
Den 17 t Mai
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Den 17 t Mai
. – Bei Hoffmann, Herders Briefe an Hamann, S. 176 steht „14. Mai“, dem folgt HBGA, Bd. 4, S. 182, wohl da der 13. Mai ein Sonntag war und Caroline Herders ‚fröhlicher Kirchgang‘ von gestern dadurch in einen besseren Kontext passt; in der Krakauer Handschrift, die in HBGA nicht zur Verfügung stand, steht aber eindeutig eine „17“.
277/20
Glückseligkeit,
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Glückseligkeit
277/21
hinein
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
hinein
,
277/22
wiederfährt
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
widerfährt
277/24
niemand
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
niemand
277/28
darauf
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
darauf,
277/28
Serail
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Serail
278/1
–2
Meine Figur […] stehe.]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
(Meine Figur ist steif, weil ich eigentlich nicht zu diesem Blatt, sondern allein stehe.)