645
370/20
Königsberg den 17 April 82.

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Herzlich geliebtester Freund,

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fort
Hartknoch reiste im April 1782 von Riga über Königsberg zur Leipziger Frühjahrsmesse und weiter in die Schweiz zu seinem Sohn, vgl.
HKB 642 ( IV 366/16 )
.
Baroneße von Bondeli
Juliane Charlotte Sophie von Bondeli
Kaum sind Sie fort, daß ich erfahre, wie die Baroneße von Bondeli ein

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dringendes Anliegen gehabt, von Ihrem Herrn Bruder in Bern einige

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Nachrichten zu haben, und wenigstens zu erfahren, ob er noch lebt und wie es ihm

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geht, da sie seit 2 Jahren keine einzige Zeile von ihm erhalten. Ich weiß nicht,

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ob Ihre
Route
auf Bern geht, aber ich hoffe, daß es Ihnen nicht schwer seyn

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Zürich
Johann Friedrich Hartknoch jun.
machte eine Buchhandelslehre in Zürich.
wird, einige Nachrichten unterwegs oder auch in Zürich deshalb einzuziehen.

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Sein eigentlicher Titel ist mir entfallen; er ist aber ungefehr ein
Inspector

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liebe Kapellmeister
Johann Friedrich Reichardt
, der am 10. Februar in Königsberg mit seiner Familie sowie Schmohl angekommen war und Hamann mehrfach besucht hatte, vgl.
HKB 646 ( IV 372/16 )
des dortigen Kriegs
etats.
Unser liebe Kapellmeister ist heute früh abgereist –


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den 20 –

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den Anfang
Hartknoch reiste ab am Montag, 15. April 1782, vgl.
HKB 646 ( IV 372/35 )
Diese Woche nichts als Abschied genommen. Sie machten den Anfang,

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Vetter Becker an Bord
Deckname des politischen Flüchtlings
Johann Christian Schmohl
, der, vermittelt über Reichardt, zuvor inkognito 9 Tage bei Hamann wohnte und nun mit dem Schiff nach Amsterdam fuhr, um sich in die neue Welt einzuschiffen.
denselben Nachmittag gieng auch
Vetter Becker
an Bord. Dienstag Abends

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Valetschmaus
festliches Abschiedsessen
wurde in der Kutsche zum Valetschmaus mit der Reichardschen Familie

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junger Israelite
Isaac Abraham Euchel
abgeholt. Mitwoch beurlaubte sich ein junger Israelite aus Koppenhagen nach

S. 371
Anverwandter … Hausmutter
von
Anna Regina Schumacher
, nicht ermittelt, vgl.
HKB 646 ( IV 373/9 )
London, und den Tag drauf ein naher Anverwandter meiner Hausmutter

2
nach Lißabon.

3
HE. Motherby
Robert Motherby
, dessen
Frau
die Schwester von
Albertine Hartknoch
war
Gestern hatte das Vergnügen Ihren lieben Schwager HE. Motherby, und

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vorgestern die Ehre den Kanzler von Korf bey mir zu sehen. Noch eine

5
hiesige Buchhandel
wohl die
Wagner und Dengel’sche Buchhandlung
Guthrey
die bisher erschienen Bände einer Ausgabe von
Guthrie (mit John Gray),
Allgemeine Weltgeschichte
Anfrage! der hiesige Buchhandel hat ein vollständiges Exemplar von Guthrey

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erhandeln wollen. Der Handel ist durch eine Kritteley zurückgegangen. Der

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Preis war etwas über 100 fl. Ich habe den Antrag ihn für 100 fl.
netto

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loszuschlagen. Ist er Ihnen dafür anständig, so haben Sie den Vorzug, und

9
die Sache kann bey Ihrer Rückkunft abgemacht werden. Er ist gut

10
conditionirt
u halbfr. oder engl. gebunden.

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schreibe nach W.
an
Herder
in Weimar, vgl.
HKB 646
vom 20. April 1782
Heute, so Gott will, schreibe nach W. Um alle Klätscherey zu vermeiden,

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Qvelle … Unheil
Hartknoch äußerte in seinem nicht überlieferten Brief wohl Kummer darüber, dass Herder seine Werke bei anderen Verlagen anbringe und sein persönliches Verhältnis zu Hartknoch vernachlässige, vgl. Hamanns vorherige Beschreibung in
HKB 637 ( IV 356/8 )
und den Versuch einer Vermittlung im Brief desselben Tages an Herder,
HKB 646 ( IV 375/15 )
. – Hartknoch besuchte Herder Mitte Mai in Weimar und in ihrem Briefwechsel vom Juni 1782 (vgl.
HBGA
, Bd. 4, S. 222–224) ist von einer Verstimmung nur noch wenig zu merken; Hartknoch verlegte weiterhin Herders Werke.
werde die
Qvelle
Ihrer Vermuthung nicht anzeigen; sondern blos Ihre

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freundschaftl. Anerbietung
diesem Unheil, wenn es gegründet ist
,

14
abzuhelfen.

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obige Nachfrage
s.o.
Vergeßen Sie nicht obige Nachfrage in der
Schweitz
, um eine deshalb

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unruhige Schwester zu befriedigen, die hier mit ihrem traurigen Schicksal wie eine

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Männin
nach
1 Mo 2,23
Männin kämpft, unterdeßen jeder ein beßeres misbraucht oder verschleudert.

18
Gott begleite Sie, erhalte Sie gesund, seegne Ihre Meßgeschäfte und gebe

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Ihnen viel Freude in der Schweitz – laße es allen Ihrigen wol gehen! Auch

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Pestalozzi … Volk
Pestalozzi,
Lienhard und Gertrud
lesen Sie doch auch des
Pestalozzi,
wie er heist, Buch für das Volk. Wie ich

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mich in dieser Mäurer Hütte erqvickt, nach der mühseeligen irrenden Fahrt

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nach beyden Indien in 10 Theilen! Ich habe mir das Büchlein gekauft und

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will sehen, ob es auch meinen Freunden so schmecken u behagen wird. Lesen

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Philosophie … 
Zu Hamanns Rezeption der 3. Aufl. von
Raynals
Histoire des deux Indes
vgl. auch
HKB 646 ( IV 375/6 )
und
HKB 647 ( IV 378/22 )
. Hintergrund seines Missmuts dürften panegyrische Schmeicheleien gegenüber
Friedrich II.
sein, so in
Bd. 3, S. 81–91
, wobei Hamann mehr erwartet hätte, vgl.
HKB 611 ( IV 254/3 )
Sie es doch auch. Auch hier ist von
Philosophie
und
Politik
die Rede, aber

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freylich nicht von jenen Oelgötzen in Osten und Westen, von jenen Seifenblasen

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der Declamation und Marktschreierey.
Au revoir, au revoir.
Ich ersterbe

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Ihr alter treuergebener Freund u Diener

28
JGH.


29
Adresse mit rotem Lacksiegelrest:

30
Herrn / Herrn Hartknoch /
gegenw
/ in /
Leipzig
.


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Vermerk von Hartknoch:

32
H Hamann in Königsberg / Empf. in Leipzig.

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.

Bisherige Drucke

ZH IV 370 f., Nr. 645.

Zusätze fremder Hand

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Johann Friedrich Hartknoch