637
352/23
Kgsb. den 2 Adv. 81.

24
Herzlich geliebtester Landsmann Gevatter und Freund,

25
22 pr.
Herders Brief, der am 22. November in Königsberg ankam, ist nicht überliefert.
Nun fall ich Ihnen in die Arme. Den 22
pr.
kam Ihr lang erwarteter Brief

26
27 als am Tage Jonathans
Der 27. November ist eigentlich kein mit Jonathan assoziierter Tag; hier in irgendeiner Verbindung mit der Freundschafts-Metonymie nach
1 Sam 18,1
Päckchen entgegen
Herder versprach im nicht überlieferten Brief offenbar eine Sendung seiner Publikationen von 1781.
an. Den 27 als am Tage Jonathans sah immer dem Päckchen entgegen, muste

27
3 huj.
3. Dezember 1781
Einl … Morungen
an
Herders Schwester
in
Mohrungen
aber bis zum 3
huj.
warten. Einl. habe gl. nach Morungen befördert.

28
Würgengel Seuche
die Dysenterie-Epidemie, vgl.
HKB 633 ( IV 334/19 )
Gottlob! daß alles bey Ihnen gut geht. Der Würgengel hat auch mein Haus

29
verschont und keins von meinen Kindern hat den geringsten Anstoß von der

30
hier herrschenden Seuche gehabt. Kreutzfeld hat alle Ihre Sachen

31
Vorrede …
zu Börmels Jeremias-Übersetzung
, die zu Michaelis 1781 mit einer Vorrede Herders erschien und er offenbar mitschickte, wonach Hamann zuvor bat, vgl.
HKB 633 ( IV 340/27 )
mitgenommen. Die Vorrede
nun
gelesen;
das Buch selbst aufgeschoben, weil ich mit

32
Exodum
im 2. Buches Mose auf Hebräisch, mit
Johann Michael Hamann
, vgl.
HKB 633 ( IV 336/8 )
Weynachten den
Exodum
zu endigen denke, und die Zwischenzeit den

33
Monument auf Leßing
Herders Würding von Lessing
als Teil seiner Serie über
Winkelmann, Leßing, Sulzer
im
Teutschen Merkur
,
4. Vj. 1781 (Oktober), S. 1–29
, vgl. auch
HKB 636 ( IV 349/2 )
.
Jeremiaden bestimmt habe. Das Monument auf Leßing ist mit einer Wärme,

S. 353
Winkelmans Briefe
Herder erwähnt
Winckelmanns
Briefe in seinem Würdigungstext mehrfach, vgl.
S. 196
,
S. 200f.
und
S. 210
.
Würde und Reife geschrieben, die meinen ganzen Beyfall hat. Winkelmans

2
Hirzel an Gleim
Hirzel,
Über Sulzer den Weltweisen
, mit deren Erwähnung Herder seine Ausführungen zu
Sulzer
einführt, vgl. in der
Sulzer-Würdigung
S. 30
.
Briefe noch Hirzel an Gleim habe bisher gelesen. Im ersten ist eine gute

3
Huttens Patriotismo
Gemeint ist der Aufruf zur Herausgabe einer besseren Winckelmann-Augabe in Deutschland, vgl. in der
Winckelmann-Würdigung
,
S. 210
– ähnlich Herders Aufruf zur Sammlung und Edition von Ulrich von Huttens Schriften in
Herder,
Hutten
,
S. 32f.
Portion
von Huttens Patriotismo.

4
Silhouette …
Herders Schattenriss, den er als Gegengeschenk zu Hamanns sandte, und den dieser sich eingerahmt über sein Bett hängen wollte, vgl.
HKB 622 ( IV 301/7 )
.
Die Silhouette ist bereits gestern in einem stattl. Rahmen aber
kümmerl.

5
Vergüldung
zu Hause gekommen, die ich nicht bestellt, und verbeßert werden

6
Luther
Martin Luther
soll, so bald ich kann, in eine ächte. Luther
allein
, der über meinem Sopha

7
Kanters Laden
vmtl. anlässlich des Verkaufs des
Kanterschen Buchladens
an
Wagner und Dengel
im Frühjahr 1781
hängt und den ich aus Kanters Laden für einen Goldgulden erhandelt, trägt

8
allein Gold. Der Kopf ist sehr nach meinem Geschmack, und das Opfer

9
Schweitzers
wohl
Johann Georg Müller
, der sich bei Herder in Weimar aufhielt
Ihres
meines Schweitzers höchst angenehm. Die Geschichte seines

10
Geschichte seines Vaterlandes
Müller,
Die Geschichten der Schweizer
Vaterlandes habe so bald wie selbige auskam, gelesen, und mit viel Geschmack

11
und Antheil; aber nicht an der darinn vorausgesetzten gewaffneten Politik

12
vor 8 Tagen … Reise nach Wien
Friedrich Carl von Moser
reiste im November 1781 an den Kaiserlichen Hof in Wien, um eine Beschwerde über eine verleumderische ‚Signatur‘ des hessen-darmstädtischen Geheimen Rathscollegs anzubringen (vgl.
ADB, Bd. 22, S. 775
), eine Mishelligkeit infolge der Entlassung 1780. Mosers Reise wurde verschiedentlich in Zeitungen erwähnt, vgl. etwa
HUC, 23.11.1781, S. 3
; Hamann wird davon vmtl. in einer lokalen Meldung gelesen wird, etwa in der
KGPZ
. Am 8. Dezember wurde Moser in Wien zum Reichshofrat ernannt, vgl.
HUC, 14.12.1781, S. 3
.
Heut vor 8 Tagen laß ich die Nachricht von des Layenbruders Reise nach

13
dachte … ersten Advent
Mosers Durchreise in Königsberg auf der Rückreise von St. Petersburg 1773, als Hamann ihn am ersten Advent traf und in der Kirche ansprach, vgl. im darauf folgenden Brief Hamanns an Moser
HKB 398 ( III 66/17 )
.
Wien und dachte dabey so lebhaft an den ersten Advent, wie er hier durchgieng,

14
daß ich an diese würdige Excell. hätte schreiben mögen. Wenigstens wünsch

15
ich, daß seine erlebte Erfahrungen nichts als Versuche seiner künftigen

16
Laufbahn seyn mögen.

17
Claudius …
Claudius’
nicht überliefert Brief, der am 1. Dezember in Königsberg ankam, vgl.
HKB 636 ( IV 349/9 )
Claudius hat mir endl. den 1
huj.
geschrieben und
Aviso
von einem gantzen

18
Kasten gegeben der noch wie Noah Arche unterwegens ist. Außer der
d
o
die

19
Meßiade von Klopstock
Klopstock,
Messias
; die Erfüllung einer Bitte Hamanns von 1780 (vgl.
HKB 603 ( IV 227/16 )
), nach der Vermittlung von Hamanns damaligem Brief durch Claudius (vgl.
HKB 617 ( IV 287/18 )
)
1 Theil von Jacobi
Jacobi,
Vermischte Schriften
, vgl.
HKB 636 ( IV 349/18 )
; das von Claudius vermittelte Geschenk ist ein Initiator für Hamanns und Jacobis spätere Freundschaft, vgl.
HKB 660 ( IV 416/7 )
.
Sie erhalten, erwarte eine Meßiade von Klopstock und auch den 1 Theil von

20
Jacobi.
Daß er sich ein Haus gekauft und statt seiner Ziege ein paar Kühe

21
zu halten gedenkt, wird Ihnen auch schon bekannt seyn. Er meldt mir seinen

22
was er übersetzt
Claudius arbeitete an einer Übersetzung von
Saint-Martin,
Des Erreurs et de la Vérité
, die 1782 erschien.
Fleiß, aber nicht
was
er übersetzt

23
Gevatter Kaufmann
Christoph Kaufmann
und
Johann Christian Ehrmann
; deren Brief an Hamann ist nicht überliefert. Nachdem Kaufmanns Stellung in der Schweiz unhaltbar wurde (vgl. etwa
HKB 606 ( IV 240/32 )
) und auch
Haugwitz
ihn fallen ließ, reiste er im August 1781 mit der Familie und Ehrmann nach Schlesien und schloss sich der Herrnhuter Brüdergemeinde an (Ehrmann nahmen sie indessen nicht auf); vgl.
Düntzer:
Christoph Kaufmann
, S. 106–108.
Unser Gevatter Kaufmann ist also mit seinem Knappen Ehrmann ein

24
Mitgl. der Brüdergemeine geworden. Wird schwerlich die letzte Katastrophe

25
seines Schicksals seyn.

26
Bibl. Fratr. Polonorum
Bibliotheca Fratrum Polonorum quos Unitarios vocant
, für Recherchen zum Socianismus im Kontext der
Epistolischen Nachlese eines Misologen
Mit dem Ende des Novembers habe die
Bibl. Fratr. Polonorum

27
durchgelaufen,
Przypcouii
Werke mit eingeschloßen, die mir vorzüglich gefallen. Machte

28
den 26
Aug.
den Anfang; und wenn ich
Brenii Opera
bekommen kann, hoffe

29
Zeltners historiam …
Zeltner,
Historia crypto-socinismi
ich auch den siebenten Folianten zu verschlingen. Lese gegenwärtig Zeltners

30
historiam arcanam Crypto
So
l
cinianismi
Altorfini,
wo ich mir viel Aufschluß

31
verspreche.

32
Socino
mit
Fausto Sozzini
, also ablehnend
Daß ich mit
Socino
in Ansehung der natürl. Religion einig bin, bewog

33
mich den Hume zu übersetzen. Von den Widerlegungen seiner

34
Glaubensbrüder habe nichts finden können, ohngeachtet Eberhard in seiner Einl. sie

35
anführt, es müste in
Ruari
Briefen davon etwas vorkommen.

36
Weygand
Johann Friedrich Weygand
, nicht überliefert; im Zusammenhang von Hamanns Nachforschungen wegen der zu Michaelis 1781 bei Weygand erschienen
Hume-Übersetzung
sowie den Entwürfen für Hamanns eigene Übersetzung und deren
Beilagen
; vgl.
HKB 635 ( IV 344/17 )
.
Weygand hat an mich geschrieben, aber meinen Brief nicht erhalten. Durch

37
ein Misverständnis, wozu Hartknoch Gelegenheit gegeben, vermuthet er, daß

S. 354
ich und Kant ihm zu Priestley Uebersetzung Beyl. geben könnten, woran

2
keiner von uns gedacht hat. Plattner ist blos der Herausgeber, der Uebersetzer

3
aber,
ein Freund des Verlegers. Wenn Sie ihn erfahren, so melden Sie mir

4
ihm
Weygand
, nicht überliefert
doch seinen Namen. Ich hab ihm geantwortet, daß wenn meine Uebersetzung

5
zustand gekommen, eine Beyl. sich ledigl. auf meine
Absicht
derselben

6
Todten den Mund zu stopfen
also den bereits verstorbenen
Hume
durch Widerlegungen oder dergleichen zum Schweigen zu bringen
bezogen haben würde, die gar nicht wäre Todten den Mund zu stopfen.


7
Den 10
Xbr.
81

8
Bester H. Muste gestern abbrechen die Feder schrieb
so
elend, das Licht

9
mit dem hölzernen Docht brannt so kümmerlich, und meine Augen fangen

10
auch an dunkler zu werden.

11
Meine Verbindung mit 2
Offici
er habe Ihnen gemeldet. Sie hat mir viel

12
Zeit geraubt und fast fruchtlos gewesen; hat aber doch Anlaß gegeben zu

13
einer Beute, die ich Ihnen vorzügl. mittheilen muß.
Hoghendorp
qvälte mich

14
Candidaten
nicht ermittelt
um einen Lateiner, weil er mit seinem Candidaten sehr misvergnügt war.

15
jungen Menschen
Christian Hill
Zufällig hör ich von einem jungen Menschen, der eine große Lust zu Sprachen

16
besäß, einen guten Anfang im Ital. gemacht, und so gar das Spanische auf

17
seine eigene Hand angefangen. Auf den ersten Wink komt er zu mir gelaufen,

18
ich fang denselben Abend das Engl. mit ihm an, bringe ihn in 3 weiter als

19
meine Blauröcke in 4 Monathen gekommen sind. Weil mir das Experiment

20
über meine Erwartung so glücklich gerathen, und er noch eine größere

21
Neigung zum Griechischen hat: so mach ich heute den Anfang ihn mit meinem

22
Sohn zu combiniren, und ich verspreche mir viel Fortgang und Beyhülfe von

23
beyden und für beyde. Wie sehr ich einen solchen Menschen gesucht, kann ich

24
Ihnen nicht sagen, und wie tief das Ideal in meiner Seele gelegen und auf

25
diesen und jenen gewürkt, weiß allein mein dunkel Gefühl. Er heist
Christian

26
wie Kant
Kant
, dessen Vater Johann Georg Sattler- und Riemermeister war
Hill
und ist, wie Kant, eines Schumachers, aber dabey Tobacks
Distributeur

27
verdorbnen Nädlers Brahl
Johann Brahl
; zu ihrem zeitweiligen Zerwürfnis vgl.
HKB 631 ( IV 328/35 )
Sohn; auch obenein naher Anverwandter des verdorbnen Nädlers Brahl,

28
der mit seiner Braut seit
Aug.
aus meinem Hause sich selbst verbannt hat,

29
und mir weislich zuvorgekommen. Penzel führte ihn das erste mal zu mir,

30
eh er fortgieng und gehört zu seinem Vermächtnis.

31
Sie werden vermuthl. Möhsen kennen, von dem ich zu meiner Schande den

32
ersten Laut in Dohms JudenApol. gefunden. Ich habe mich an 3 Tagen ohne

33
mich zu rühren, wegen eines kleinen
Flußfiebers;
nicht satt lesen können und

34
ihn für meinen Sohn gekauft, als das beste Handbuch seinen Geschmack an der

35
Arzneykunst, der er sich widmen will,
intensiue et extensiue
zu bilden. Seine

36
Bildergallerie liegt auch schon vor mir, habe aber selbige noch nicht ansehen

S. 355
Christiani Auction
die Versteigerung der Bibliothek des verstorbenen
Karl Andreas Christiani
können. Aus
Christiani Auction
habe ihm den
Petrus ab Abano, Conciliator
genannt

2
Samml. de Balneis
eine Sammlung über Bäderliteratur, nicht ermittelt; vgl.
HKB 636 ( IV 351/14 )
nebst einer prächtigen Samml.
de Balneis
zum Grund seiner künftigen Bibl.

3
des Baders kritische Wanne
nach
Hamanns Vater
und seinem Beruf als Altstädtischer Bader; vgl.
HKB 636 ( IV 351/16 )
und den Titel des Plans für die spätere
Sammlung von Hamann-Schriften
geschenkt. Sie wißen alter Freund, daß des Baders kritische Wanne mir immer

4
Sokrates seiner Mutter Handwerk
die Hebammenkunst des
Sokrates
zur Hieroglyphe gedient, wie dem Vater Sokrates seiner Mutter Handwerk.

5
Feuer-termin
wohl eine Steuer zur Brandvorsorge für Hausbesitzer, vgl.
HKB 636 ( IV 351/24 )
Ungeachtet ich an 100 fl. für den letzten Feuer-
termin
bezahlt und von

6
meinen beyden Häusern kaum 40 fl. an Miethe gezogen: so hat Gott doch

7
unsere Schiffahrt außerordentl. geseegnet, ihre Anzahl beläuft sich gegen 1000

8
und mein Antheil gegen 100 rthl. Ein Antheil den sonst fast ein Besucher

9
genoßen, durch die neue Einrichtung ist aber auch diese zu reiche Ausbeute

10
zieml. geschmälert worden; unterdeßen dem Himmel sey
Dank,
für alles was

11
er uns noch läßt und gelaßen hat, und erhalten wolle!

12
Mein Hänschen hat zufälliger weise vom Grafen von Kayserlingk

13
Aufträge bekommen Bücher einzukaufen, die aber sehr theuer fortgegangen, bey

14
dieser Gelegenheit hat er desto vortheilhafter für mich aufgepaßt und ich

15
möchte meinen Aufwand von
4
5 rthl ungefehr, nicht gegen den Einkauf

16
von 5
Fed. d’or
die Se Exc. bey mir
deponirt,
vertauschen z. E.
Noris

17
Schwarzii Bibl. zu Altdorf
wohl aus der Altdorfer Bibliothek von
Christian Gottlieb Schwarz
Cenotaphia Pisana,
die aus des
Schwarzii Bibl.
zu Altdorf herstammen, für

18
Butler’s Analogy
Butler,
Analogy
Horatius Locheri
Locher,
Horaz (1498)
18 gl.
Butler’s Analogy
14 gl. Ein alter
Horatius Locheri
nebst einem

19
Iuuenal
wohl ein Exemplar von
Iuv.
saturae
in der Inkunabel Leipzig 1497, vgl.
HKB 636 ( IV 350/2 )
und die Beschreibung von
David Shaw in
Editions of Juvenal printed before 1601
gleichzeitigen
Iuuenal
zu Leipzig gedruckt, einem noch ältern Abdruck ohne Zahl

20
Somnio Scipionis
Scipios Traum
, Teil des 6. Buchs von
Ciceros
de re publica
, häufig einzeln überliefert; hier wohl eine Inkunabel von vor 1497.
Mst von Officiis
ein Manuskript von
Ciceros
de officiis
, vgl.
HKB 636 ( IV 350/2 )
noch Ort vom
Somnio Scipionis
und einem
Mst
von
Officiis
nebst einer

21
Abhandl. vom Briefschreiben
ein Manuskript oder eine Inkunabel von
Traversagni,
Modus epistulandi
Explicit Wilhelmus Sophonensis
Namensvaration von
Lorenzo Guglielmo Traversagni de Savone
(Abschluss des Werks genannt)
Abhandl. vom Briefschreiben,
Explicit Wilhelmus Sophonensis
für 41 gl.

22
Theol. Platonica
Ficino,
Theologia Platonica
Plato
Wohl eine
Platon
-Ausgabe von
wie die von
Lyon 1590
aus hamanns Besitz.
Marsilii Ficini Epistolae
7 gl. Seine
Theol. Platonica
u
Plato
48 gl.
Peter

23
Peter à Vineis
eine Ausgabe der Briefe von
Petrus de Vinea
Tansello
Luigi Tansillo
à Vineis
Episteln die ich lange gewünscht 4 gl. von
Tansello
einige Sachen,

24
wovon ich aber noch nichts ansehen können, so beschnitten ist meine Zeit und

25
so viel Zerstreuungen bin ich ausgesetzt ohne eigentl. Geschäfte. Zu meinen

26
Winterarbeiten habe noch nicht kommen können. Habe mich vor keinem so

27
sehr gefürchtet als heuer, der mit dem Advent und einem wochenlangen Uebel

28
eingetreten. Zwey meiner Bekannten haben gräßl. Anfälle von der Gicht,

29
Green
Joseph Green
worunder einer
Green,
dem sie in den Unterleib u Gemächte getreten, aber

30
durch die hitzigste Weine in die Füße verbannt. Neulich traf
Kant
bey ihm,

31
Plattner- u Weygandschen Grußes
Ernst Platner
und
Johann Friedrich Weygand
,
s.u.
mit dem ich wegen des Plattner- u Weygandschen Grußes zu sprechen

32
wünschte. Er war sehr vertraut mit mir, ohngeachtet ich ihm das vorige mal

33
ein wenig stutzig gemacht hatte, da ich seine Kritik billigte aber die darinn

34
enthaltene Mystik verwarf. Er wuste garnicht, wie er zur
Mystik
kam. Mich

35
L.
Vmtl. für
Lavater
, für den die Abkürzung „L.“ sonst normalerweise steht (vgl.
HKB 625 ( IV 313/10 )
und
HKB 738 ( V 146/11 )
). Lavater passt vom Kontext her zu ‚Mystik‘ und ‚Schwärmerei‘, wenngleich die Gleichförmigkeit mit der Sprache Kants nur indirekt bzw. jedenfalls nicht oberflächlich stilistisch besteht. So?!? Plausibilität prüfen; Henkel: Lambert? Locke? in der Tradition könnte man noch hinzufügen: Leibniz
hat es sehr gefreut, daß L. eine gleichförmige Sprache mit Kant führt – Ein

36
neuer Beweiß für mich, daß alle Philosophen Schwärmer, und umgekehrt

37
sind, ohne es zu wißen. Bin in meiner dritten Lectur des Kantschen Werks

S. 356
im Stecken gerathen; werd es wol zum 4
ten
mal durchgehen müßen. Will

2
nächstes Werk
Kant,
Prolegomena
ihn aber ausreden laßen und sein nächstes Werk abwarten, welches ein

3
Auszug oder Lesebuch seyn soll.

4
Humische Uebersetzung
Die Übersetzung
Gespräche über natürliche Religion von David Hume
, welche zu Michaelis 1781 herauskam, die Hamann aber offenbar noch immer nicht vorlag.
Ehe ich die Humische Uebersetzung zu sehen bekomme; werde wol meinen

5
Schiblemini
oder
epistolische Nachlese eines Misologen
nicht anfangen

6
Hartkn.
Hartknochs
Brief, der am 7. Dezember 1781 in Königsberg ankam, ist nicht überliefert.
können. Hartkn. hat mir vorige Woche zum ersten mal geschrieben u mir seine

7
Silhouette
vgl.
HKB 636 ( IV 346/9 )
Silhouette zugeschickt. Außer einem noch unangenehmern Theil seines Briefes,

8
Rechnung für andere
die Rechnung für die Bücher, welche Hamann für
Auerswald
bei Hartknoch besorgte; vgl. die lange Antwort
HKB 636 ( IV 346/21 )
der mich selbst oder vielmehr eine Rechnung für andere betrifft, klagt er auch

9
ein wenig über Sie, daß Sie ihm abtrünnig geworden, ohngeachtet seines

10
angefangene Werke fortzusetzen
etwa
Herders
Aelteste Urkunde
oder die
Fragmente
, vgl.
HKB 636 ( IV 349/1 )
und
HKB 622 ( IV 304/21 )
ältern Rechts angefangene Werke fortzusetzen und zu vollenden. Die

11
Erziehung seines Sohns
Johann Friedrich Hartknoch jun.
und seine Buchhandelslehre in der Schweiz
Erziehung seines Sohns, seine Krankheit mag ihn auch was rechts kosten. Ohne

12
Leute, selbst nicht im stande zu arbeiten, und die mit Leibesgebrechen

13
zusammenhängende Unvermögenheit des Gemüths verdienen unser gemeinschaftl.

14
Mitleiden. Uebrigens sind Sie ihm so wol als dem Publico die Ausarbeitung

15
oder wenigstens den ganzen Entwurf im verjüngten Maasstab schuldig. Ich

16
wiederhole also meine Bitte
vgl.
HKB 622 ( IV 304/21 )
wiederhole also meine Bitte – um die letzte Oelung dieses armen Patienten,

17
und das glimmende Tocht seines Vertrauens von
neuen
zu beleben, und

18
seinen Verdacht zu beschämen. Er ist jetzt entschloßen sein eigner Artzt zu seyn

19
Oehms Medecin
nicht ermittelt, vmtl. ein frühneuzeitliches Universalheilmittel
Bestuschefsche Tinctur
universelles Nervenheilmittel bzw. Geheimmittel, basierend auf Eisenverbindungen in alkoholischer Lösung, vgl. etwa die Publikation
Johann Christian Durup:
Nachricht Von den sogenannten Bestuscheffischen Tropfen, oder einer wahren Nerventinctur
(Moskau 1776)
und wankt zwischen Oehms
Medecin
u die Bestuschefsche Tinctur. Die Klagen

20
hiesigen Schwäger
Frédéric Toussaint
und
Jean Claude Laval
seiner hiesigen Schwäger kommen mir beynahe gegründeter vor, so wenig

21
Glauben ich auch bisher daran gehabt.
Laval,
den ich seit undenkl. Zeit weder

22
gesehen noch gesprochen, stieß mir kürzl. bey Kr. Hippel auf, und ließ auch

23
Me Courtan
Sophie Marianne Courtan
, Patenmutter von
Marianne Sophie Hamann
manche Winke darüber merken. Meine hiesige
Vice-
Gevatterin
Me Courtan

24
verzehrt sich auch, wie es scheint, vom häuslichen Kummer.

25
Jedermann …
Jes 23
beschreibt prophetisch den Untergang und die Wiederherstellung von Tyros in Bezug auf Handel und Politik (mit religiösem Subtext); dazwischen werde „Tyros vergessen werden siebzig Jahre, solange etwa ein König lebt“. Das ist wohl eine Anspielung auf
Friedrich II.
, der demnächst (am 24. Januar 1782) 70 Jahre alt wird und nach dessen Ende man sich in Königsberg einen Aufschwung von Handel und Politik (wie auch Religion) erhoffe. (so?!? Plausibilität prüfen)
Jedermann wünscht hier die Weißagung des Jes.
XXIII.
15 bald erfüllt

26
zu sehen und wenn selbige noch diesen Winter dem Reich des
Saturns
ein

27
Ziel setzte – Der Exjesuit Maier und der abscheul. Verfaßer des

28
Sendschreibens an die
Inconnus
soll Stark
ex vtroque Caesar
seyn, ein sehr feiner

29
Hofprediger

30
Georg Berens … bitten laßen
Georg Berens
und
Johann Christoph Neumann
, von dem Herder wohl zuvor berichtete, dass er bald zurück nach Riga reisen werde, vgl.
HKB 635 ( IV 345/11 )
Durch Hartkn. habe Georg Berens auch wegen des jungen
Neumanns

31
bitten laßen.
Was für einen Handel hat er ausgelernt
? Hänschen freut

32
sich seinen alten Freund zu sehen. Sie werden sich schwerl. einander kennen.

33
van, van … Pathchen halten
vmtl. berichtete Herder im nicht überlieferten Brief vom Stottern des zweijährigen
Adelbert Herder
Nach dem van,
van.
zu urtheilen, sollte man Adelbertchen für mein

34
Pathchen Augustchen
August Herder
Pathchen halten. Mein Pathchen Augustchen fängt aber auch schon an
Prämien

35
Selbst bringen
auf einer Reise nach Weimar, die immer einmal wieder zwischen Hamann und Herder ins Gespräch kommt
zu verdienen. Ob ich Selbst bringen, oder durch meinen Sohn es überreichen

36
soll – Das erste ist die unwahrscheinlichste Hofnung; das letzte ist auch ein

37
gar zu weiter mißlicher
Termin. DEVS prouidebit.
Ich mag an gewiße Dinge

S. 357
nicht denken. Erhält uns Gott am Leben; so werden wir uns einander nicht

2
verlieren.

3
Hälfte
Caroline Herder
, nach den Geburtsfolgen bei der Niederkunft mit
Luise Herder
Gottlob! Daß Sie für Ihre liebe würdige Hälfte jetzt ohne Sorgen sind.

4
Ich trage Ihr ganzes Haus in meiner Seele und in meinem Herzen. Wenn

5
unglückl. Schwester
Catharina Dorothea Güldenhorn
ich doch wenigstens für Ihre unglückl. Schwester hier etwas zu thun im

6
stande wäre. Es hängt aber nicht von uns allein ab, weder wohlthätig noch

7
dankbar zu seyn.


8
Den 12 –

9
Bin nicht einmal im stande mit einer Menschenhand und Mannsfaust an

10
Sie zu schreiben. Weil die Post gestern versäumt; so möge dieser Brief nach

11
verrichteter Festarbeit anlangen. Leider finden Sie nichts darinn, was der

12
Mühe des Lesens und Buchstabirens werth wäre. Meine von allen Seiten

13
eingeschränkte Lage und mein concentrirtes, möchte lieber sagen, petrificirtes

14
Gemüth, gewährt nichts beßers.

15
Fortsetzung … Mercur
nach Herders kürzlicher Sendung seiner Publikationen von 1781, auch der im
Teutschen Merkur
,
s.o.
Auf die
Fortsetzung Ihrer fernern Beyträge zum Mercur
warte mit

16
Verlangen. Es flöst mir wenigstens auf eine Stunde neues Leben ein, das

17
Steigen des Mercurs
Wortspiel mit dem fliegenden Götterboten Merkur, Wielands Zeitschrift und dem Quecksilber in der Alchemie
aber so unbeständig wie das plötzliche Steigen des Mercurs ist. Sollten Sie

18
von Ihren alten Beyträgen des T. M. etwa
Doublett
en besitzen, so wünschte,

19
daß Sie selbige auch für mich bey Gelegenheit aufbewahrten, um Ihre

20
Schriften wo mögl. complet zu haben, worunter mir nur 2 meines Wißens fehlen.

21
Die
Wälder
und die
Abbildung der Alten vom Tode
. Ich habe die erste

22
selbst gehabt aber es fehlte mir das dritte Stück und weil ich
De
fecte ungern

23
ansehen mag, und es mit
Laocoon
zusammen gebunden war: so bin ich drum

24
gekommen. Ich hoffe die Wälder einmal von Hartknoch bey beßeren Launen

25
als er gegenwärtig haben muß, zu erhalten

26
Es scheint Ihnen, liebster H. doch auch gegenwärtig gut zu seyn, daß ich mit

27
meiner Uebersetzung zurück gehalten. Mir ist es herzlich lieb, daß ich vieles

28
nicht drum geben wollte.

29
Bruders
Dirk van Hogendorp
(Hamann erzählte bisher nicht davon)
Hoghendorp, der in holl. Diensten ist (von seines Bruders
Duel
hab ich

30
Ihnen doch geschrieben, und daß ihm die Kugel welche man im Gemächte

31
Pyrenaeo
wohl das Perineum gemeint (wenngleich die Schusskurve etwas sonderbar erscheint; jedenfalls im Schambereich)
vermuthet, ihm glücklich aus dem
Pyrenaeo
ausgeschnitten worden) schickt mir

32
Hemsterhuis
Frans Hemsterhuis
einige Sachen von Hemsterhuis, die aber noch nicht angekommen. Ich habe

33
Anhang Ihrer Uebersetzung
Das wohl zuvor gesandte Manuskript für Herders
Merkur
-Beitrag
Liebe und Selbstheit. Ein Nachtrag zum Briefe des Herrn Hemsterhuis
(vgl.
HKB 622 ( IV 304/19 )
); erschien im
Dezember-Heft 1781, S. 211–235
(‚Nachtrag‘ bezieht sich auf Herders Übersetzung von
Ueber das Verlangen
im
November-Heft, S. 97–122
).
mehr als einmal nöthig gehabt den kleinen Anhang Ihrer Uebersetzung zu

34
lesen – aber desto mehr Geschmack darnach daran gefunden, daß ich also mehr

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zuerst aufmerksam gemacht
vgl.
HKB 382 ( III 31/21 )
von diesem Verf. zu kennen wünschte, auf den Sie mich zuerst aufmerksam

36
gemacht, ohn daß ich hier etwas habe zu Gesicht bekommen können, als eine

S. 358
nachtheilige Recension in der Lemgoer Bibl.
Nicht ermittelt, jedenfalls nicht in der Lemgoer
Auserlesenen Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur
; anderswo wurde Hemsterhuis seit den 1770er verschiedentlich rezensiert.
wo ich nicht irre nachtheilige Recension in der Lemgoer Bibl. vor vielen

2
Stück des Mercurs …
Das Oktober-Heft des
Teutschen Merkurs
mit
Herders Würdigung Lessings
, das er zuletzt mitschickte (
s.o.
). Es enthielt ebenfalls Herders
Jüdische Dichtungen und Fabeln
(
S. 44–56
, als Fortsetzung), wofür sich Hamanns Bekannte unter den Königsberger Juden interessiert haben dürften.
Jahren. Das letzte Stück des Mercurs
circuli
rt wegen der Fortsetzung, die noch

3
nicht hier ist, bey der Judenschaft. Bescheeren Sie uns noch mehr dergl., auch

4
die wenige bereits bekannten widerholt man mit Vergnügen, und haben nicht

5
den Reitz der Neuheit verloren. Ich bitte nochmals um Ihre künftige

6
Beyträge. Zum Weynachts- und Neujahrs Geschenk. Gott laße Sie die Seeligkeit

7
des Nehmens auch genüßen, und überschütte Sie und alle die Ihrigen mit

8
s
Seinem reichen Seegen. Ich herze Sie mit den innigsten Empfehlungen

9
Frau Gevatterin
Caroline Herder
an meine verehrungswürdige Frau Gevatterin. Grüße und küße das kleine

10
liebe Häuflein. Mein Haus besteht aus 6, weil die Mutter sich ohne Magd

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behilft. Muß diesen Brief auf dem Bette schließen, weil mein Kopf auf der

12
linken Seite von Flüßen u Zahnschmerzen halb gelähmt ist. Gottlob! alles

13
sehr erträglich und kaum der Rede werth für andere. Hab mich vor keinem

14
Winter so sehr gefürcht, als vor diesen. Danken Sie doch in meinem Namen

15
lieben Schweitzer
Johann Georg Müller
dem lieben Schweitzer, deßen gute Meinung ich wol Ihnen zu verdanken

16
habe. Erqvicken Sie mich mit Ihren Beyträgen zum Mercur. Sie kennen

17
meine Lüsternheit einer der ersten Leser zu seyn und meinen unschlachtigen

18
Kälbersinn
Neologismus, wohl für die Lust am dauernden Saugen (an Büchern)
Morungen
von
Herders Schwester
aus
Mohrungen
Kälbersinn. Sobald ich Antwort aus Morungen erhalte, schreibe ich; aber

19
ohne Anlaß wird sich mein Schweigen von selbst rechtfertigen. Sollte es

20
Ihnen an Zeit, wie mir an Muth u Kraft fehlen, ist wol mein Namensvetter

21
Men. dulc.
vmtl. für mensem dulcem, dt. süßer/angenehmer Monat bzw. Monatsheft; gemeint sind weitere Monatshefte des
Teutschen Merkur
, vgl.
HKB 638 ( IV 360/28 )
Joh Ge. so dienstfertig den
Men. dulc.
für einen Kranken zu
couverti
ren.

22
Auf ein
glücklich Widersehen
zum Neuen Jahr, welches uns Gott wolle

23
erleben laßen, denn hier liegt eben der
embryo
eines
neuen Lebens
für Ihren

24
alten ewigen Freund

25
Johann Georg H.

Provenienz

Staatsbibliothek zu Berlin, Ms. Germ. quart. 1304, 229–230.

Bisherige Drucke

Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 225–228.

ZH IV 352–358, Nr. 637.

Textkritische Anmerkungen

Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
352/31
nun
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
nur
352/31
gelesen;
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
gelesen,
353/30
So
l
cinianismi
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Socinianismi
354/3
aber,
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
aber
354/33
Flußfiebers;
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Flußfiebers,
355/10
Dank,
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Dank
355/22
Peter
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Petri
355/23
Tansello
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
Tansillo
356/17
neuen
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
neuem
356/33
van.
]
Geändert nach der Handschrift; ZH:
van