642
365/5
Kgsb den 8 Febr. 82.

6
Herzlich geliebtester Freund

7
Den 29
pr.
kam Ihr Fäßchen
Caviar
an und ist auch sogl. auf Ihre

8
Gesundheit von der ganzen Familie verzehrt worden, auf Ihr Wohlergehen. Er

9
Einlage
von
Isaac Levin
, nicht überliefert
war vortreflich –. Vorgestern wurde sehr durch eine Einlage, welche mir HE

10
Isaac Levin
zuschickte, beunruhigt; gestern Morgen, da ich eben in Begrif

11
war Erkundigungen einzuziehen, erhielt wieder eine Einl. durch HE

12
Goldschmidt, und wurde beruhigt. Sie sehen, daß die Schuld nicht an mir gelegen,

13
und ohngeachtet meiner
indolence
und
langueurs,
woraus mein Leben besteht,

14
bleib ich doch ungern Freunden eine Antwort schuldig. Morgen denk ich mit

15
Vergleichung … Schreiter
mit dem Übersetzungsvergleich der
Hume-Übersetzung
bei Weygand von
Carl Gottfried Schreiter
mit
Hamanns eigener
, als Teil des
Hume-Essays
der Vergleichung der Humischen Uebersetzung von Adv. Schreiter zu Ende

16
Atheist für Theist
Gemeint ist die Stelle in
Humes
Dialogues concerning natural Religion,
S. 88:
„How is this compatible with that perfect immutability and simplicity, which all true Theists ascribe to the Deity?“ – vgl. in Schreiters
Gesprächen über natürliche Religion von David Hume,
S. 80f.:
„Wie verträgt sich dieß mit jener vollkommenen Unveränderlichkeit und Einfachheit, welche alle ächte Atheisten der Gottheit beylegen.“
ausgelaßene negation
nicht ermittelt
zu kommen, worinn 3 grobe Druckfehler, Atheist für Theist, eine ausgelaßene

17
Auslaßung … poetischen Stelle
Gemeint ist wohl die Auslassung des
Milton-
Gedichts in
Humes
Dialogues concerning natural Religion,
S. 179
, das bei
Schreiter, S. 
übergangen wird.
negation,
die einen verkehrten Sinn giebt, und die Auslaßung einer poetischen

18
Stelle das vornehmste sind. Die philosophische Genauigkeit ist durch den

19
affectirten
Purismum
und die sehr uneigentl. Umschreibungen mancher

20
Kunstwörter verdunkelt und beynahe bisweilen verhudelt worden.

21
D. Schlegel
Gottlieb Schlegel
HE
D.
Schlegel wird vermuthl. Anzeigungen zur
Praenumeration
auf

22
unsers Cons. Raths Bock wirthschaft. Geschichte von Preußen erhalten haben.

23
Ich besuchte letztern zufälliger weise, der bisher nicht mehr als 5

24
Pränumeranten aufzuweisen hat. Suchen Sie sich doch dieses in alle Wege
nützl
. u

25
mühsamen
Werks so viel Sie können, aus patriotischer Nachbarschaft

26
anzunehmen, und wo mögl. durch unsere Landsleute in Petersb. worunter auch,

27
Prediger Wolf
Martin Luther Wolff
wenn ich nicht irre, ein gewißer Prediger Wolf gehört, die Ausgabe zu

28
befördern. Laßen Sie sich dieses mein Anliegen empfohlen seyn und antworten

29
Sie darauf.

30
An Kleukers Nachtrag zur Zend-Avesta fehlt der Bogen
Q
im
II.
Theil

31
Kleukers Nachtrag … Vierte
Kleuker,
Anhang zum Zend-Avesta
,
Bd. 1,2, S. 120f.
S. 121–128. Der Custos ist das Wort:
Vierte
. Ich schickte sogl. zum

32
Buchbinder das Exemplar, es hat aber nicht können wegen dieses
Defects

33
gebunden, sondern muß
ad interim
blos geheftet werden. Sie werden ohne

34
mein Bitten bey Gelegenheit dafür sorgen.

35
Den 1
huj
ist endl. Gevatter Claudius Arche angekommen. Der
The
ist

S. 366
vortrefl. verwahrt gewesen, und ohne daß ich weiß wie es zugeht, von unsers

2
Freundes, der ihn
recta
mit einer
Caravane
erhalten, an Kraft u Wirkung

3
Klopstocks Meßias
Klopstock,
Messias
, eine Exemplar war in Claudius’ ‚Kasten‘; Klopstock erfüllte eine Bitte Hamanns von 1780 (vgl.
HKB 603 ( IV 227/16 )
), nach der Vermittlung von Hamanns damaligem Brief durch Claudius (vgl.
HKB 617 ( IV 287/18 )
).
sehr verschieden und demselben überlegen. Klopstocks Meßias soll wills Gott!

4
Sonntag Esto mihi
10. Februar 1782
diesen Sonntag
Esto mihi
eingeweiht werden. Ein sehr schönes Kupfer vom

5
Düßeldorfer Jacobi
Friedrich Heinrich Jacobi
I Theil seiner Werke
Jacobi,
Vermischte Schriften
, vgl.
HKB 636 ( IV 349/18 )
; das von Claudius vermittelte Geschenk ist ein Initiator für Hamanns und Jacobis spätere Freundschaft, vgl.
HKB 660 ( IV 416/7 )
.
Düßeldorfer
Jacobi
nebst dem
I
Theil seiner Werke habe auch erhalten.

6
Ausgabe … Chesterfield
Stanhope,
Letters
Eben jetzt lese die prächtige Ausgabe der Briefe und vermischten Werke

7
des Lord Chesterfield in 4 grossen 4
o
Bänden, welche 40 rth in Engl. kosten

8
sollen. Die Briefe an seinen Sohn haben mir in der Uebersetzung eben nicht recht

9
gefallen, daher ich nur die zwey ersten Theile gelesen. Aus der Qvelle schmecken

10
sie mir beßer, ich habe eben das zweyte
Volumen
der Briefe angefangen und

11
kann nicht aufhören.

12
Hänschen pollnischen
Johann Michael Hamann
, vgl.
HKB 641 ( IV 364/32 )
Mein Hänschen hat seine 14te Stunde heute im pollnischen gehabt u findet

13
mehr Geschmack an der Sprache als ich ihm zugetraut. Er übersetzt schon

14
Woyna Chocimska
Krasicki,
Woyna chocimska
den ersten Gesang des
Woyna Chocimska
vom Bischof von Ermland.

15
Nachrichten aus Zürich
von
Johann Friedrich Hartknoch jun.
, der dort eine Buchhändlerlehre machte
Haben Sie heute Nachrichten aus Zürich? Gott schenke Ihnen doch

16
Meße und Reise
Zur geplanten Reise zur Leipziger Frühjahrsmesse und in die Schweitz über Königsberg vgl.
HKB 634 ( IV 343/28 )
; Hartknoch konnte die Reise tatsächlich antreten, vgl.
HKB 645 ( IV 371/18 )
.
Kapellmstr. Reichard
Johann Friedrich Reichardt
, der sich vom 10. Februar bis zum 17. April 1782 mit seiner Familie in Königsberg aufhielt und und Hamann wiederholt besuchte, vgl.
HKB 646 ( IV 372/16 )
.
Gesundheit und Kräfte zur Meße und Reise. Kapellmstr. Reichard wird hier mit

17
von mir … Malaga
mit den von Claudius empfangenen Geschenken, vgl.
HKB 636 ( IV 349/19 )
seiner ganzen Familie erwartet – auch von mir, mit meinem Hamb. oder

18
Wansbecker Rauchfleisch und Flasche Malaga.

19
neuen Verlage
von
Kants
Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
; die Abmachung wurde erst kürzlich getroffen, zuletzt wusste Hamann noch nicht davon, vgl.
HKB 641 ( IV 364/36 )
.
Nachtrag zur Kritik
Kant,
Prolegomena
, als ‚Nachtrag‘ zur
Critik der reinen Vernunft
Zum neuen Verlage wünsche Ihnen Glück. Auf den kleinen Nachtrag zur

20
Kritik warte mit mehr Antheil. Hier komt monathl. ein Bogen zu den

21
Hartungschen … Verzeichnis
nicht ermittelt?!?
Hartungschen Zeitungen heraus, unter dem Titel: Raisonnirendes Verzeichnis –

22
davon ich heute die erste Probe gelesen. John, Brahl, Mohr u d. gl. scheinen

23
die jungen Raisonneurs zu seyn. Wenigstens hat man das Vergnügen die

24
Idee
des alten Unternehmens nunmehr wirklich realisirt zu sehen – Alle

25
Nachbar … Tochter
und dessen Tochter
meine Kinder sind zum Nachbar Miltz oder vielmehr seiner kleinen Tochter

26
abgeholt worden, und mir thut es recht bange so einsam zu seyn.

27
Wenn Sie was vom Freund George wißen, so melden Sie mir. Empfehlen

28
Sie mich seinem HE Bruder. Leben Sie mit Ihrem ganzen werthen Hause

29
Ja! Ja!
scherzhafte Anspielung auf
Mt 5,37
recht wol. Hänschen u seine Schwestern sagen Ja! Ja! im halben Schlaf,

30
wie ich auch diesen Brief schließen muß. Und hiemit Gott empfohlen.
au

31
revoir
von Ihrem alten Freunde

32
Johann Georg Hamann.


33
Adresse mit Lacksiegelrest:

34
HErrn / HErrn Hartknoch / in /
Riga
.


35
Claudius Arche
Der angekündigte ‚Kasten‘ mit Viktualien von
Claudius
, nach
1 Mo 6,14
, vgl.
HKB 636 ( IV 349/19 )
.
Vermerk von Hartknoch:

36
HE Hamann in Königsberg

37
Empf den 9
Febr
782

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.

Bisherige Drucke

Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 237.

ZH IV 365 f., Nr. 642.

Zusätze fremder Hand

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–37
Johann Friedrich Hartknoch