595
203/21
Antwort auf Hartknochs nicht überlieferten Brief vom 22. Juni 1780, vgl.
HKB 592 ( IV 197/11 ) Königsberg den 3
Julii
80.
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Herzlich geliebtester Freund,
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Freue mich Ihrer glücklichen Heimkunft, und wünsche Ihnen Gesundheit,
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HE Courtan … Commission
Pierre Jérémie Courtan
; es geht um den Ankauf von Büchern für Hartknoch aus der Auktion des verstorbenen
Kypke
; vgl.
HKB 596 ( IV 206/27 ).
Leben u Seegen aus Intereße, das heißt, von Grund des Herzens. HE
Courtan
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hat die mir aufgetragene
Commission
übernommen. Die
Auction
wird bis
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Prof. Diedrich
Johann Christian Wilhelm Diederichs
zur Ankunft des neuen
Prof.
Diedrich aufgeschoben, von dem man nichts
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Kypke Obseruationes
Kypke,
Observationes Sacrae
zuverläßiges erfahren kann.
Kypke Obseruationes
habe ausgestrichen, weil die
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letzte Lage am 1 u 2ten Theil fehlt u ich das Exemplar selbst eine zeitlang
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Herder … sine die et consule
Johann Gottfried Herder
, ohne Tag und Jahreszahl (die Römer benannten die Jahre nach den regierenden Konsuln); gemeint ist
HKB 591
.
gestern … Papauté
Herders Mitteilung des Gewinns seines dritten Preises der Berliner Akademie für die
Dissertation sur l’influence des Sciences sur le Gouvernement et du Gouvernement sur les Sciences
, vgl.
HKB 591 ( IV 188/4 ).
gebraucht. Gevatter Herder hat mir
sine die et consule
gemeldt, daß er gestern,
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das heist vor dem auszumittelnden
dato
seines Briefes den Glückwunsch des
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Secretaire perpetuel
Jean Henri Samuel Formey
Secretaire perpetuel
zur
triple couronne
der
seiner
Papauté
erhalten. Er,
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Mutter u Gottfr. gehen nach Illmenau im Thüringerwalde dort Pyrmonter
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zu trinken u auf den hohen Bergen des Waldes einige Ruhe zu athmen. Ich
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armer Teufel muß mit Biermolken für lieb nehmen, die ich in die dritte Woche
S. 204
brauche. – Doch bin ich diesen Sommer einen halben Tag zu Fuß nach
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Aweyden u mit meinem gantzen Hause einen ganzen Sontag, neml. den vor unserm
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Jahrmarkt in Fuchshöfen gewesen in einer mir aufgedrungenen Kutsche
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quod bene notandum
dt. was wohl zu bemerken ist
mit 4 Pferden,
quod bene notandum.
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„Nach einer Weißagung des Zellerfelder Propheten wird ein großer Theil
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von Deutschl. vom Gotthard den Rhein herab bis nach Wetzlar durch
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Erdbeben u Sinken untergehen und gegen 8000 Ortschaften groß u klein
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Schaden nehmen. Sie ist physisch (nach einer sehr eignen Physik) u kabbalistisch
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aus dem Buch Chevilah, das er für die älteste Hieroglyphenschrift hält,
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abgefaßt. Sie ist für mich abgeschrieben worden, aber ich muß drauf warten,
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Knebel
Karl Ludwig von Knebel
weil sie Knebel mit nach der Schweitz genommen. Es soll ein stiller,
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bescheidner Mann seyn, u er hat diese Erklärung (die mit dem Erdbeben des
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Febr. gerade in den Tagen u dem Strich nach, den er angegeben, im kleinen
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Vorspiel eingetroffen) an die 2 Regierungen zu Braunschw. u Hannover
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vorigen Jahrs gesandt“ – Eben der Briefsteller empfiehlt mir die Denkw.
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des
d’Aubigné
an seine Kinder, und ich selbige auch Ihnen.
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Sollte HE Lentz nach Riga zurückkommen oder Sie in Briefwechsel mit
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ihm gerathen: so erinnern Sie ihn doch eines Kastens mit Büchern, Aufsätzen
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Gevatter Kaufmann
Christoph Kaufmann
u Kleidern, der beym Gevatter Kaufmann, gegenwärtig nicht mehr im Schloß
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Hegi sondern zu Klarensegg steht.
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Der König hat sich eine Stunde lang mit HE Laval unterhalten; doch ich will
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keinen Eingrif in FamilienNeuigkeiten thun. Wird Ihr lieber Sohn bald mit
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Füeßli durchkommen? In der 1. Fortsetzung der Betrachtungen fehlt Bogen E.
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den ich sehr wünsche ergänzt zu sehen um das Buch binden zu können.
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Hänschen Michel
Johann Michael Hamann
Hänschen Michel hat den 9
Jun.
seine Schreibstunden angefangen. Der
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Himmel laß ihn wachsen, mich abnehmen und aus unserm Scherz Ernst werden.
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würdigen Frau
Albertine Hartknoch
Empfehlen Sie mich Ihrer würdigen Frau. Wie sehr Sie mir von unserm
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Herder empfohlen worden, hab ich Ihnen nicht einmal mitgetheilt, sondern
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auf beßere Zeiten verspart. Die Gartenlust mög Ihnen beyderseits wohl
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gedeyen! Bitte zugl. mein Andenken bey Ihrem HE. Wirth, unserm Landsmann
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zu erneuern.
Im
umarme Sie und ersterbe Ihr beynahe 50jähriger –
32
Joh. Georg Hamann.
33
König
Friedrich II.
Der König soll dem Präsidenten aufgetragen haben unserm alten Freund
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K. 7000 rth auszuzahlen. Solch Glück wünsch ich Ihnen nicht und brauchen
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Luces naturae u. prouidentiae …
dt. Licht der Natur und Vorsehung; ironisiert wohl eine Vorstellung der Allmacht des Königs, welche sich auf die
Leibnizsche
Philosophie stützt
Sie auch nicht. Unterdeßen sind dergl.
Luces
naturae
u.
prouidentiae
S. 205
erbaulich und unterhaltend und gehören zum
Geheimnis
oder
Glaubensarticul
2
der
besten Welt
.
3
Adresse mit Mundlackrest (Kopf des Sokrates nach links):
4
HErrn / Herrn Hartknoch
5
Vermerk von Hartknoch:
6
HE Hamann in Königsberg
7
Empf d 29
Jun
1780
8
beantw
d
15 Jul –
Provenienz
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.
Bisherige Drucke
ZH IV 203–205, Nr. 595.
Zusätze fremder Hand
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205/6 –8
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Johann Friedrich Hartknoch |
Textkritische Anmerkungen
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch
geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind
vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden
vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter
Quellen verifiziert werden konnten.
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204/31 |
Im ]
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Geändert nach Druckbogen 1943; ZH: Ich |
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204/35 |
Luces |
Druckbogen 1943: Lupes ; der Textfehler geht wohl nicht auf Hamanns Handschrift zurück. |