602
224/10
Kgsb. den 6. 8br. 80.
11
Geliebtester Freund,
12
25 pr …
25. September 1780, nicht überliefert (der nicht überlieferte Brief Hartknochs ist die Antwort auf
HKB 610
)
Den 25
pr.
erhielte Ihren dicken Brief des Abends; des Morgens drauf
13
Me Courtan
Sophie Marianne Courtan
HE Bruder
Frédéric Toussaint
bestellte Einl. durch
Me Courtan
an Ihren HE Bruder, der zugl. die
14
Berl. u Warschau
Henkel: an
Johann Friedrich Reichardt
und
Abraham Jakob Penzel
?!? – Penzel war in Krakau, vgl.
HKB 601 ( IV 223/30 ); und was hatte Hartknoch mit Reichardt zu tun?
Besorgung nach Berl. u Warschau übernommen. Hofpr. Schultz habe selbst
15
eingehändigt wie auch Pr. Kant. Ersterer hat mir seine Antwort gestern
16
hohe Zeit gehabt zu schreiben
vgl. Hartknochs Brief an Kant, vom 9. September (jul.) / 20. September (greg.),
Kant: AA X, Briefwechsel 1780 , S. 260f.
, abgeschickt zwei Tage nach dem Empfang von
HKB 601
zugeschickt. Kant versprach selbst zu antworten. Sie haben hohe Zeit gehabt zu
17
Kanter
Johann Jakob Kanter
habe sich in die Konkurrenz um den Verlag von
Kants
Critik der reinen Vernunft
zwischen Hartknoch und
Hartung
eingemischt (vgl.
HKB 601 ( IV 223/14 )).
schreiben; weil sich Kanter in der Zeit wie ein Gott aus der Maschine gemeldet
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u beynahe das ganze Spiel verdorben hätte. Ihr Grund, daß Sie vorzügl. im
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Absatz des Werks zu verbreiten
vgl. Hartknoch an Kant, 9. September (jul.) / 20. September (greg.),
Kant: AA X, Briefwechsel 1780 , S. 261: „Die Vertheilung Ihrer Werke unter alle Buchhändler, sowol die zur Meße kommen, als die nicht dahin kommen, geschieht auch weit besser durch mich, als durch Hartungen, ich habe mit Leuten zu thun, mit denen er in keiner Verbindung steht. Es ist nicht leicht ein Winkel in Deutschland dahin ich nicht Geschäfte mache.“
stande wären den Absatz des Werks zu verbreiten, war ein vortrefl.
20
argumentum ad hominem
zu Hamanns Beschwerden über das Angebot des Hartungschen Buchladens vgl.
HKB 573 ( IV 140/29 ) argumentum ad hominem,
und ich wünsche, daß Sie die Braut davon tragen mögen.
21
Gevatter
Johann Jakob Kanter
Gegen Hart. habe gearbeitet, gegen meinen Gevatter will u mag ich nicht,
22
wird auch nicht nöthig seyn.
23
Den 27
pr.
an meines Sohns Geburtstag erhielt endl. eine Antwort von
24
Claudius
nebst einem
Avis
von einem
Dedicati
onsExempl. seines Cyrus,
25
6
Bouteill.
Rheinwein davon 1 noch einmal so alt soll seyn als ich, u 3
26
Parcen
Hamanns drei Töchter
Spielzeugschachteln für meine Parcen, welches alles heute richtig angekommen, und
27
Beichtvater
Friedrich Wilhelm Matthes
Hofhalsrichter Hippel
Theodor Gottlieb Hippel
Commere Courtan
Sophie Marianne Courtan
3
Bout.
an Beichtvater, Hofhalsrichter Hippel u
Commere Courtan de la part
28
du bon Compere
aßignirt sind. Mit den 3 übrigen zweifele bis zur Ostermeße
29
auszukommen.
30
Aber am Michelstage war die Freude noch größer. Wie abgeredet, kam ein
31
Pack vom Landsmann u Gevatter
aus
Weimar, gleich einer mit Äpfeln
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gestopften Gans mir in das offene Maul geflogen. Die Äpfel waren ein allerliebstes
33
Bändchen in 2 Theilen von 24
Briefen, das Studium der Theologie
34
betreffend
, ein
Mst.
einer bereits in Druck erschienenen merkw. Schrift des
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nunmehr seel. Superintendenten
Ziehen
, welcher aus einem wunderbaren
S. 225
Buch Chevilah
Buch Chevilla
Buch
Chevilah
,
von dem ich mir keinen Begrif machen kann, aber darnach
2
ringen werde, eine Reihe von Erdbeben weißagt bis 786, wodurch 7000 Oerter
3
am Rhein zu Grunde gehen sollen. Das erste ist am Ende des Febr. wirklich
4
eingetroffen, u die Anzeige davon hat er im vorigen
Xbr.
an die Regierungen
5
zu Braunschw. u Hannover gethan, das nächste ist auf den 28
pr.
festgesetzt,
6
u die Witterung scheint auch diese Erfüllung wahrscheinlich zu machen. Das
7
wichtigste für mich ist eine kleine Abhandl. über die Hieroglyphen u ihre
8
Sprachkunst, welche der Autor sich rühmt in 6 Jahren herausgebracht zu
9
haben, die Construction u Auflösung aller Hieroglyphen. Der ganze Knoten
10
beruht aber auf das Buch
Chevilah
, welches für mich ein Wunder aller
11
Wunder ist, u nach deßen Begriff ich mehr schmachte als nach der Kritik der
12
reinen Vernunft – ob es wirkl. so ein Buch unter dem rabbinischen Wuste
13
Bocher
jiddisch Jüngling, auch Talmudbeflissener (Student), nicht ermittelt
geben sollte, weiß ich nicht. Allenfalls fragen Sie doch Ihren Bocher oder Ihren
14
neuen Rector
Karl Philipp Michael Snell
Wolfii Bibl. Rabbin.
Wolf,
Bibliotheca Hebraea
neuen
Rector
um in
Wolfii Bibl. Rabbin.
darnach zu suchen.
15
Zitterland
Johann Wilhelm Zitterland
Zitterland hat sich die Werke des
Retif
verschrieben u erbietet sich zum
16
Uebersetzer. Wenn selbige ankommen, will ich ihn selbst an Sie weisen.
17
Hofpr. Schultz Verleger
Johann Friedrich Schultz
hatte vor Kurzem mit einem Text unter dem Titel
Vorläufige Anzeige des entdeckten Beweises für die Theorie der Parallellinien
in Königsberg für Aufsehen gesorgt (gedruckt in
KGPZ
, 38. St., 11.5.1780, S. 149–151, nicht überliefert, vgl.
Kant: AA XIV, handschriftlicher Nachlass, 3,1, Berlin 1911, S. 27f.
) und war offenbar auf der Suche nach einem Verleger; das Buch erschien aber nicht bei Hartknoch, sondern 1784 als
Entdekte Theorie der Parallelen
bei Kanter bzw. Dengel in Königsberg.
Melden Sie mir auch ob Sie von Hofpr. Schultz Verleger werden u wovon?
18
Ist eine Gegenantwort nöthig so bitte selbige auch an mich zu richten. –
19
zweite Uebersetzer
Der zweite
Übersetzer
von
Humes
Dialogues concerning natural Religion
; es geht um die Situation, dass Hamann vor Kurzem eine Übersetzung fertig stellte, von der nunmehr bekannt wurde, dass eine Übersetzung für den Buchmarkt bereits in Planung ist, vgl.
HKB 601 ( IV 222/14 ); Hartknoch scheint im nicht überlieferten Brief vorgeschlagen zu haben, Hamanns Übersetzung als zweite und exemplarische Übersetzung zu verlegen, damit die Arbeit daran nicht verloren geht.
Ich mag gar nicht
der zweite Uebersetzer
seyn; und meine
Arbeit ist
20
garnicht
verloren
. Darum schrieb ich Ihnen eben, u Sie kommen mit einem
21
Exempl. der Uebersetzung davon. Ob mein kleiner Anhang Ihre Erwartung
22
Defecten
Eigentlich für beschädigte Bücher, hier für ‚Reparaturen‘ in Hamanns Bibliothek durch Ausbesserung von Exemplaren oder Nachlieferung fehlender Teile von Buchreihen, als Teil der Vergütung für die Hume-Übersetzung, vgl.
HKB 596 ( IV 206/13 ).
erfüllt hätte, weiß ich auch nicht, und meine
Defect
en werden Sich eher durch
23
Sokr. Denkw. der Wolken, der Nachschrift
eine gemeinsame Neupublikation der
Sokratischen Denkwürdigkeiten
, der
Wolken
sowie vmtl. der
Beylage zun Denkwürdigkeiten des seligen Sokrates
eine neue Auflage der Sokr. Denkw. der Wolken, der Nachschrift
ppp
24
ergänzen laßen. Vielleicht verwandelt sich auch der erste Embryon in ein
25
freymüthiger Briefe die natürl. Religion betreffend
Der Titel mischt
Humes
Dialogues concerning natural Religion
mit
Starcks
Freymüthigen Betrachtungen über das Christenthum
und Herders kürzlich angekommene
Briefe, das Studium der Theologie betreffend
(ihrerseits eine Anspielung auf die
Briefe die neueste Litteratur betreffend
); eine Schrift Hamanns unter diesem Titel erschien nie.
Bändchen
freymüthiger Briefe die natürl. Religion betreffend
. Hier
26
Nachbar Stark
Johann August Starck
; die Nachbarschaft leitet sich aus dessen intensivem Engagement in der
Dreikronenloge
her, die in Hamanns Nachbarschaft lag, vgl.
HKB 425 ( III 139/16 ).
wird das Gerüchte immer allgemeiner u wahrscheinlicher daß Nachbar Stark
27
freymüthige Betrachtungen
Starck,
Freymüthige Betrachtungen über das Christenthum
die freymüthige Betrachtungen über das Christentum geschrieben und auf
28
die war meine Uebersetzung hauptsächlich gemünzt.
29
Frau Gevatterin als Verlegerin
Caroline Herder
; im Zusammenhang von Plänen und Verhandlungen für
Herders
Plan eines Denkmals für Johann Valentin Andreae
, die Hartknoch mit ihr zwischen dem 4. September und 25. November 1780 vor allem um das Honorar führte, und wovon Hartknoch wohl im nicht überlieferten Brief an Hamann schrieb;
Haym:
Herder nach seinem Leben und seinen Werken dargestellt
, Bd. 2, S. 103
.
Was Sie mir von meiner Frau Gevatterin als Verlegerin schreiben, versteh
30
Andräische Uebersetzung
das Gesamtprojekt bzw. die Übersetzungen von
Johann Valentin Andreae
wie die
Gespräche aus dem Latein eines berühmten, frommen und verdienstvollen Theologen des vorigen Jahrhunderts
ich nicht. Soll die Andräische Uebersetzung auf ihre Unkosten verlegt werden
31
oder für ihre Rechnung. Er denkt an kein Wort in seinem 3 Qvartlangen
32
Briefe, der mir herzlich erqvickt.
33
Hänschen
Johann Michael Hamann
kleine Toussaint
Pierre Louis Claude Toussaint, der wohl bald nach seiner Geburt 1780 starb
Hänschen hat heute zu Hause gebracht, daß der kleine
Toussaint
bereits
34
gestern Abschied genommen. Die Freude hat also nicht lange gewährt.
35
Ein wenig zu viel Sicherheit scheint doch zu Ihrem Verlust Anlaß gegeben
36
zu haben. Vielleicht Lehrgeld ein künftig größeres Uebel zu verhüten. Gott
37
Kunstschüler
Johann Friedrich Hartknoch jun.
schenke Ihnen gute Gesundheit, gute Nachrichten von dem Kunstschüler und
S. 226
seiner glücklichen Ankunft, wovon mir auch einen Theil ausbitte. Empfehlen
2
Gemalin
Albertine Hartknoch
Sie mich Ihrer Gemalin
ppp
und erwiedern Sie mein Andenken dem
3
Chronikenschreiber. Er wird auch im Merkur angemeldet werden. Werben Sie
4
Freund Wezel zu seinem Roman
Johann Karl Wezel
, wohl für dessen
Wilhelmine Arend, oder die Gefahren der Empfindsamkeit
dort wacker für meinen Freund Wezel zu seinem Roman. Geben Sie dem
5
HE Rhode … Scherflein
N.N. Rohd
solle, wenn er durch Riga komme – er reiste im Anhang von
Kronprinz Friedrich Wilhelm
aus Russland zurück nach Berlin –, einige Exemplare von
Hamanns
Zwey Scherflein
mit nach Königsberg nehmen, vgl.
HKB 605 ( IV 234/20 ).
HE
Rhode
ein paar Scherflein mit. Sie scheinen auf Klopst. gewirkt zu
6
Billetdoux
Liebesbrief (wörtl. etwa süßer Zettel), bei Hamann meist allgemeiner für kurzen, persönlichen Brief; gemeint ist
HKB 603
.
haben u ich bin willens ihm ein
Billetdoux
zu schreiben, wenn ich dem
7
Claudius
antworte. Werden Sie Verleger von Kant; so sorgen Sie, daß ich ein
8
warmes Exemplar bekomme. Vielleicht hilft es zu meinen Brief
in petto.
9
Und hiemit Gott befohlen nebst einem herzl. Gruß von Hänschen Michel u.
10
den Meinigen. Ich ersterbe Ihr aufrichtig ergebenster Freund
11
Hamann.
12
Adresse mit Mundlackrest:
13
Herrn / Herrn Hartknoch / in /
Riga
/
par fav
.
14
Vermerk von Hartknoch:
15
HE Hamann in Königsberg
16
Empf den 1
6
3
Oct
1780
17
beantw
d
1
Nov
–
Provenienz
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.
Bisherige Drucke
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 160–163.
ZH IV 224–226, Nr. 602.
Zusätze fremder Hand
|
226/15 –17
|
Johann Friedrich Hartknoch |