601
S. 222
Kgsb. den 13 7br. 80.
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Herzlich geliebtester Freund,
3
Abschrift meiner Uebersetzung
Hamanns Übersetzung
von
Humes
Dialogues concerning natural Religion
, die Hartknoch zuvor einwilligte zu verlegen (vgl.
HKB 598 ( IV 211/36 )) und Hamann sich zuletzt vornahm, „ins reine zu bringen“ (
HKB 599 ( IV 213/19 )).
Gestern bin ich mit der Abschrift meiner Uebersetzung fertig geworden, die
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Lauson
Johann Friedrich Lauson
18 Bogen in
fol.
beträgt. Mein alter Freund Lauson u HE
Prof
Kant haben
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Kreutzfeld
Johann Gottlieb Kreutzfeld
selbige durchgesehen; jetzt bekomt sie Kreutzfeld, um selbige mit dem Engl. zu
6
Hofhalsrichter
Theodor Gottlieb Hippel
(Titel des Direktors des Königsberger Kriminalgerichts, wozu er kürzlich ernannt wurde)
vergleichen, und dann vielleicht der neue Hofhalsrichter, wenn er Zeit u
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Lust hat. Zuletzt werd ich noch selbige durchlaufen, welches alles in mögl.
8
Kürze geschehen soll. Den 21
Jul.
fieng ich die Uebersetzung an u kam den
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H. in W …
Herder
in Weimar, vgl.
HKB 598 ( IV 212/2 ) und zu dessen Bereitschaft, es anzukündigen
HKB 600 ( IV 218/7 ) 7
Aug.
zu Ende. Den 29
ej.
konnte ich erst zur Copie kommen. An unsern H.
10
in W. habe vor 14 Tagen geschrieben u Ihren Wunsch der Ankündigung
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aufgetragen.
Asmus
antwortet nicht mehr; vielleicht werd ich doch zum
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Ueberfluß noch einmal schreiben.
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1 hui … Kraus
Weder ist der Brief von
Christian Jacob Kraus
überliefert, der Hamann am 1. September erreichte, noch Hamanns Schreiben, in dem er Kraus von seiner Hume-Übersetzung Mitteilung machte, noch ein Antwortschreiben Hamanns.
Den 1
hui.
habe vom künftigen
Prof.
Kraus einen Brief erhalten, worinn
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Geistl. in Schwaben
Der fingierte Übersetzer von
Hamanns
Dialogen die natürliche Religion betreffend
, nach dem fingierten Autor der
Beylage zun Denkwürdigkeiten des seligen Sokrates
.
folgende Stelle: „Dem Geistl. in Schwaben sagen Sie, daß meines Wißens
15
Humischen Hausgott deutsch gekleidet haben
D.h. dabei sind,
Humes
Dialogues concerning natural Religion
ins Deutschte zu übersetzen.
3 oder gewis 2 Schneider den Humischen Hausgott deutsch gekleidet haben;
16
daß er beßer thäte, wenn er das Schneidern Leuten überließe, die sonst nichts
17
was ihm zur Erbauung … als es so verstreuen
Hamann solle demnach seinen geplanten Begleitessay zur Hume-Übersetzung separat veröffentlichen.
können und davon leben müßen, und daß er, was ihm zur Erbauung seiner
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Landsleute zuträglich deucht, lieber in einer eigenen Predigt oder einem
19
Handbüchlein ans Herz legen soll, als es so verstreuen.“
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Dieser Nachricht zufolge muß ich Ihnen folgenden Vorschlag thun. Da
21
die Sache bis zur nächsten Meße Zeit hat: so dächte ich, die Uebersetzung müste
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im Meßkatalog angemeldet
Im
Messkatalog für Michaelis 1780
ist, wie auch bereits im
Messkatalog für Ostern 1780
, lediglich die Hume-Übersetzung bei Weygand in Leipzig angezeigt, vgl.
HKB 596 ( IV 206/5 ).
allenfalls im Meßkatalog angemeldet
wären
, als ein verspätetes Stück, das
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Leßings Briefe zu Johannis
Lessing,
Briefe an verschiedene Gottesgelehrte
, die im
Messkatalog für Ostern 1780
(unter
, ‚Schriften welche künftig herauskommen sollen‘, S. 941
) als „zu Johannis gewiß fertig“ angekündigt wurden; vgl. auch
HKB 598 ( IV 210/7 ).
zu Weynachten fertig werden sollte, wie Leßings Briefe zu Johannis, unter
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dem Titel:
Dialogen die natürliche Religion betreffend. Von David
25
Hume. Esq. Uebersetzt von einem fünfzigjährigen Geistlichen in
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Uebersetzungen diese Meße erscheinen
Im Herbst 1780 erschien noch keine Übersetzung von
Humes
Dialogues concerning natural Religion
; die erste war die für Weygand in Leipzig angekündigte Übersetzung
Carl Gottfried Schreiters
, welche
1781 erschien
.
Schwaben
. Sollten nun wirklich Uebersetzungen diese Meße erscheinen; so
27
wünschte ich, daß Sie in Leipzig oder Berl.
Ordre
stellten, mir sämtl. so
28
geschwind als möglich zuzufertigen, damit ich selbige mit meiner Arbeit
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vergleichen kann. Erhalten Sie meinen u meiner Freunde Beyfall: so bleib ich
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daheim. Haben Sie aber beträchtl. Mängel, und ich Hofnung dem Werth
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meiner Arbeit ein entschiedenes Uebergewicht zu geben: so steht es bey Ihnen
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den Ueberschlag zu machen.
33
Genehmigen Sie diesen Vorschlag: so bitte für die geschwindeste
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Zufertigung der herausgekommenen sämtl. Uebersetzungen zu sorgen, und mir
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allenfalls
die
Addresse
wohin ich das
Mst.
senden soll, mitzuschreiben,
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Beylage oder Anhange
Hamanns geplanter Begleitessay zur Hume-Übersetzung
wenn keiner meiner Nebenbuler fertig geworden wäre. An der Beylage oder
S. 223
Anhange werd ich nicht eher anfangen zu arbeiten, biß die Sache entschieden
2
ist, und während des Abdruckes wird es immer noch Zeit seyn, selbige
3
nachzuschicken. Mein gewöhnliches Bogenmaas werde wol nicht überschreiten
4
können.
5
Engl. Exemplar
der 2nd edition (London 1779) von
Humes
Dialogues concerning natural Religion
, die Hamann zur Grundlage nahm
Das Engl. Exemplar ist prächtig gedruckt. Groß Octav auf schönem Papier
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und mit stattl. Typen. Ich wünschte auch gutes Papier u saubern Druck, nebst
7
einem sorgfältigen u verständigen Corrector; aber klein Format oder wie
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Mendelsohns philos. Schriften; aber
mit einem
breitern Rande, dem Engl.
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ähnlich, daß oben immer zur Seiten die Zahl des Abschnitts stehen kann, und
10
jeder Abschnitt muß wenigstens mit einer
neuen Seite anfangen
. Im Engl.
11
ist immer gar ein
neues Blatt
dazu bestimmt, und daher manche leere Seite,
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die mir eben nicht gefallen. Die Abschnitte heißen auch im Engl. Theile,
13
ohngeachtet das ganze Werk blos die Unterredung eines einzigen Tages in sich hält.
14
Prof. Kant wird auch
Termin
halten u diesen Michaelis sein
Mst.
vollenden.
15
Er balancirt zwischen Ihnen u Hartung
Zwischen Hartknoch und
Gottlieb Leberecht Hartung
; vgl. die Wiederaufnahme der Formulierung ‚balancieren‘ in Hartknochs Brief an Kant vom 9. September (jul.) / 20. September (greg.),
Kant: AA X, Briefwechsel 1780 , S. 261
.
Er
balanci
rt zwischen Ihnen u Hartung, und wünschte sehr den Druck hiesigen
16
Orts.
17
Sohn entwischt ist
dass Hamann
Johann Friedrich Hartknoch jun.
nicht antraf, als dieser durch Königsberg ging
Füeßli
Hans Rudolf Füßli
Daß mir Ihr lieber Sohn entwischt ist, hat mir sehr leid gethan. Ist Füeßli
18
mitgegangen? An Pfenninger habe geschrieben, und ihn bestens empfolen
19
dem Kleeblatt, neml. Lavater u Häfeli durch ersteren. Hier liegen
. von den 3 ersten Stücken des christl. Magazins; könnten Sie selbige
21
nicht dem
Depositario
abnehmen. Doch vielleicht kann die Sache bey Ihrer
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nächsten Meßreise beßer abgemacht werden, wenigstens durch Ihren Rath.
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Kant sagte mir etwas von einem häusl. Unglück, das Sie mit Ihrer Caße
24
gehabt hätten; habe nichts weiter davon erfahren können. Gesetzt auch das
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ärgste; so schenke Ihnen Gott nur Gesundheit, Er kann alles
in triplo
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ersetzen. So wenig Gewinn es für den Thäter seyn wird: so wenig wirklicher
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Schade für Sie. Am Ende dient alles zu unserm Besten.
28
Empfehlen Sie mich Ihrer liebenswürdigen Gemalin und Tochter. Theilen
29
Sie mir bey Gelegenheit Nachrichten von Ihrem Sohn mit, seiner dortigen
30
P‥l
Abraham Jakob Penzel
; Quelle der Gerüchte ist wohl Hamanns Nachbar
Carl Christoph Stockmar
oder Königsberger Stadtklatsch (vgl.
HKB 604 ( IV 231/12 ) und
HKB 605 ( IV 233/21 )); Penzel war tatsächlich seit Anfang 1780 als falscher Abbé in Krakau und gelangte im Laufe des Jahres an bedeutende Stellen der Krakauer Universität, vgl.
Köppe: Abraham Jakob Penzels Lebensirrfahrten
, S. 168–171 und
HKB 604 ( IV 231/13 ).
Ankunft, Zufriedenheit
pp.
Wißen Sie nichts von P‥l. In Zeit von 8 Tagen lief
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hier ein sehr widersprechend Gerücht, daß er ohngeachtet seines dortigen
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mit Händen …
demnach noch immer versuche, von Warschau aus eine Begnadigung wegen seiner Desertion aus dem Preußischen Militär zu erreichen und nach Königsberg zurückzukehren
Verdienstes u tägl. Umgange in des Pr.
Resid
enten Hause mit Händen u Füßen
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arbeitete hieher zu kommen – und dann, daß er aus W. ausgeführt worden
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wäre. So bald der
würkl. Druck entschieden
ist, werde ich einen Aufsatz
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machen von den Fortsetzungen, die ich
pro honorario
für meine Bibliothek
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ergänzt zu sehen wünschte, damit Sie selbst den Ueberschlag machen können.
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An Ihr baar Geld will ich mich nicht gern vergreifen. Nun Gott seegne Sie,
S. 224
Hänschen
Johann Michael Hamann
mein liebster Hartknoch. Nach einem herzlichen Gruß von Hänschen u
2
meinem gantzen Hause an Sie, die Ihrigen (den Reisegefährten mit eingeschloßen)
3
pp
ersterbe Ihr alter Freund u Diener.
4
Johann Georg Hamann.
5
Adresse mit Mundlackrest:
6
HErrn / HErrn Hartknoch / Buchhändler / in /
Riga
. / 16 gl
7
Vermerk von Hartknoch:
8
HE Hamann in Königsberg
9
7 Sept 1780
Nach julianischem Kalender; nach gregorianischem empfing Hartknoch den Brief am 18. September.
Empf den 7
Sept
1780
Provenienz
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.
Bisherige Drucke
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 158–160.
ZH IV 222–224, Nr. 601.
Zusätze fremder Hand
|
224/8 –9
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Johann Friedrich Hartknoch |
Textkritische Anmerkungen
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch
geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind
vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden
vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter
Quellen verifiziert werden konnten.
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222/22 |
wären ]
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Geändert nach Druckbogen 1943; ZH: werden |