613
266/23
Das Billet wurde vmtl. mit
HKB 612
nach Weimar gesandt, vgl. Herders Erwähnung von Hamanns „Schwindel“ in der Antwort
HKB 615 ( IV 271/22 )
.
Meine verehrungswürdige Gönnerin, Freundin und Gevatterin,

24
Gott erhalte und vermehre die Geschenke und Unterpfänder Seiner Liebe!

25
Ich habe Ihnen nichts als Wünsche zu sagen, von deren Erfüllung mein

26
ganzes Glück des Herzens und Lebens abhängt – der Himmel auf Erden. In so

27
guten Bothschaften
Caroline Herders fünfte Schwangerschaft, vgl.
HKB 607 ( IV 247/9 )
, ebenso Hamanns bereits erfolgten Glückwunsch
HKB 612 ( IV 265/28 )
guten
Bothschaften
, als ich vorigen Monath von meinen leider! entfernten

28
Freunden erhalten, besteht wenigstens ein Vorschmack deßelben. Durch den

29
Vorschmack
aber wird der Hunger und Durst meiner
Hofnung
lebhafter und

30
unverschämter.

31
Die Meinigen sind Gottlob! alle gesund und ich habe mich auch von einem

32
ängstlichen Schwindel
Seit Januar 1780 berichtete Hamann nicht mehr von Schwindel; Herder geht in seinem Antwortbrief darauf ein, vgl.
HKB 615 ( IV 271/22 )
.
ängstlichen Schwindel ziemlich erholt. Im Grunde ist unser größtes Kreutz

33
theils Kinderey theils Ungezogenheit. Ich bitte aber recht sehr diese kleine

S. 267
funfzigsten
Hamann befand sich eigentlich bereits im einundfünfzigsten Jahr (zur Verwendung der Jahreszahlen vgl.
HKB 594 ( IV 203/14 )
)
Vertraulichkeit für sich zu behalten von einem Knaben in seinem funfzigsten.

2
Post- und Logenzeit gebiethen mir auf einmal abzubrechen. Ich küsse Ihnen

3
die Hände und umarme meine vier kleinen jüngsten Brüder, denen ich an

4
meinem Michael einen Hofmeister erziehe, der sich gleichfalls mit seinen drey

5
Schwestern empfiehlt. Leben Sie recht wohl!!!!

6
Johann Georg Hamann.

Provenienz

Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: ZH zufolge früher in Dortmund, Stadtbibliothek. Text nach dem Faksimile in Erich Schulz (Hg.): 1700–1800. Ein Jahrhundert deutscher Dichterhandschriften, Dortmund 1929, 10.

Ebenfalls vorhanden: Eine Abschrift von fremder Hand (Provenienz: Staatsbibliothek zu Berlin, Ms. Germ. quart. 1304, 224).

Bisherige Drucke

Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 197 (dort Hamanns Brief vom 3. Juni, also HKB 622, zugeordnet).

Erich Schulz (Hg.), 1700–1800. Ein Jahrhundert deutscher Dichterhandschriften, Dortmund 1929, 10.

ZH IV 266 f., Nr. 613.

Textkritische Anmerkungen

Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
266/27
Bothschaften
]
Geändert nach dem Faksimile der Handschrift; ZH:
Botschaften
266/29
Hofnung
]
Geändert nach dem Faksimile der Handschrift; ZH:
Hoffnung