632
331/12
Kgsb. den 14
Sept
81.

13
Geliebtester Freund,

14
HE Langewitz
vmtl.
Johann Gotthard Langewitz
Den 21
Aug.
überbrachte mir HE Langewitz sein Pack, da ich eben mit

15
Terenz
Terenz
Hänschen über eine lange Scene im Terenz zu Ende eilte und auf Nadeln

16
polnischen Reichstage
sprichwörtlich für chaotische Zustände und Durcheinanderreden, hier auf die Kinder bezogen
saß, meine HausMutter mit dem polnischen Reichstage zu thun hatte und

17
wir den Tag drauf zur Beichte gehen wollten; ich war also in voller

18
Verwirrung und gar nicht im stande weder Ihrer Empfehlung noch dem Andenken

19
der alten Freundschaft seiner nächsten Anverwandten auf irgend eine Art

20
Genüge zu thun, um so weniger, da wie er mir sagte, sein Aufenthalt so kurz

21
Kantsche Exemplarien
Von
Kants
Critik der reinen Vernunft
, vgl.
HKB 629 ( IV 321/21 )
; Langewitz brachte wohl eine Reihe von Exemplaren in seinem ‚Pack‘ aus Riga nach Königsberg.
hier seyn sollte. Die Kantsche Exemplarien sind vertheilt und der Autor hat

22
mir die Versicherung gegeben, daß Sie den kurzen Auszug noch haben sollten.

23
hiesigen Anfänger
die
Wagner und Dengelsche Buchhandlung
Wegen seiner übrigen Werke konnte er aber die hiesigen Anfänger nicht vorbey

24
gehen, deren Laden er sich zu Nutze machte.

25
Geburtstage … Brief
Hartknochs Antwort auf
HKB 629
vom 22. August (vgl.
HKB 629 ( IV 325/12 )
), die an Hamanns Geburtstag am 27. August ankam; nicht überliefert.
An meinem Geburtstage erhielte Ihren Brief, und darinn bestand

26
beynahe der
einzige Besuch
und die einzige Freude die ich genoßen habe. Den

27
ersten Theil von den Statthalterschaft Verordnungen habe bereits; wie er

28
mich beym 2ten Theil vergeßen, weiß ich nicht, bitte also nur um letzteren,

29
bey
erster Gelegenheit
und um eine geneigte Erinnerung wegen des

30
Seerechts, sobald selbiges herauskommt.

31
Prof. v Schwarz
Johann Georg Schwarz
, der 1781 von Moskau aus verschiedene europäische Städte in freimaurerischen Angelegenheiten bereiste und auch durch Königsberg kam; vgl. ebenso
HKB 633 ( IV 339/20 )
.
einem … beyden Reisegefährten
Einer der Reisegefährten war der Sohn des Grafen Tatischtschew, vgl.
Rauch:
Johann Georg Schwarz und die Freimaurer in Moskau,
S. 216.
Den 8
Sept
erschien HE
Prof.
v Schwarz mit einem und den 10 abermal

32
mit beyden Reisegefährten. Ungeachtet der Zuschnitt bey uns beyden wol so

33
sehr verdorben ist, daß wir kaum für einander paßen: so hab ich doch doppelte

S. 332
Bekanntschaft zu danken
Schwarz kam mit einer Empfehlung von Hartknoch, vgl.
HKB 633 ( IV 339/20 )
Ursache Ihnen für diese Bekanntschaft zu danken 1.) weil ich jede Art von

2
Originalität liebe, sie mag so enorm seyn wie sie wolle, und je mehr, desto

3
beßer 2.) weil er mir sein gutes Andenken sehr nachdrückl. eingeprägt hat

4
durch den Matthäischen
Catalogum
der Moskauschen Bibliothek, von dem

5
leider nur
Partis I. Sect. I.
herausgekommen seyn soll und an der Fortsetzung

6
wovon schon 5 Stück, wie er versichert, fertig liegen, nicht zu denken seyn soll,

7
Rede, Redekunst, Sulzers Uebersetzung, dem Wörterbuch u der Anthologie
nicht ermittelt; „Rede, Redekunst“ meint mglw.
Schwarz,
Entwurf der Grundsätze des deutschen Stils
; eine Übersetzung von
Johann Georg Sulzer
und durch ein Geschenk von seiner Rede, Redekunst, Sulzers Uebersetzung, dem

8
Wörterbuch u der Anthologie, woran ich gar nicht Sinn u Gedanken hatte.

9
Er hat mir also Beweise seiner guten Gesinnung zurückgelaßen, ohne daß

10
ich weiß, wie ich dazu gekommen bin, oder selbige erwiedern kann. Die ruß.

11
Bibliothek hat mein Sohn gestern dem
Etat
srath eingehändigt, und der

12
Defect
des
de la
More
ist auch von mir
eigenhändig
supplirt
worden, das

13
heist, aus Noth hab ich diese Arbeit selbst gethan, weil ich keinen Menschen,

14
der geschickter dazu gewesen wäre, selbige habe auftragen können. Der

15
Buchbinder
nicht ermittelt
Buchbinder, bey dem ich alles Selbst mündlich u persönlich bestellt, hat seine

16
Sachen eben so schlecht gemacht u an statt des ausdrücklich vorgeschriebenen

17
Post … Papiers
feines Schreibpapier, vgl.
Adelung, Bd. 3, Sp. 816, s.v. Postpapier
Post- oder holl. Papiers nur gemeines genommen. Der Bogen wartet also

18
nur auf Gelegenheit – oder wenn Sie es verlangen, werde selbigen über

19
Post schicken.

20
Herr von Auerswald
Hans Jakob von Auerswald
Herr von Auerswald ist sehr beschäftigt
gewesen
, daß ich ihn wenig

21
Buffon
Buffon,
Les Époques de la Nature
, dessen Verkauf an
Auerswald
Hamann vermittelte, vgl.
HKB 629 ( IV 322/10 )
gesehen. Sein
Buffon
liegt noch bey mir. Ich bin wegen des Preises nicht gewiß,

22
mittelsten Briefe
nicht überliefert; zu den Preisen/Währungen?!?
da Sie in dem mittelsten Briefe 2 rth = 8 fl. und im letzten
à
3 Ort =

23
1
1
/
2
rth. Alb. berechnen. Thun Sie mir inskünftige den Gefallen immer in

24
unserer Münze den Preis zu bestimmen. Er ist ein
baarer
und
genauer

25
Bezahler. Da er jetzt im Engl. Unterricht nimmt, so melden Sie mir doch,

26
Shakesp.
von
Shakespeare
, offenbar eine englische Ausgabe
ob Sie eine Ausgabe des
Shakesp.
haben, welche? und wie theuer? Ihre

27
deutschen Defect
in der Ausgabe von
Eschenburgs Shakespeare-Übersetzung
, vgl.
HKB 629 ( IV 322/17 )
freundschaftl. Anerbietung Ih
nen
m den deutschen
Defect
zu verschaffen,

28
hab ich ihm durch meinen Michel melden laßen, und es ist ihm sehr

29
angenehm gewesen.

30
Beide Ueberbringer haben eine gute Nachricht von Ihrer Gesundheit

31
gebracht, welches mich herzlich freut. Gott gebe daß wir uns künftig Jahr

32
einander sehen und umarmen mögen. Ich komme fast gar nicht mehr aus und

33
entziehe mich alles Umganges – unterdeßen fehlt es mir nicht an Zuspruch.

34
Habe die Sonntage dieses Jahrs dazu bestimmt um die
Bibliothecam

35
Fratrum polonorum
durchzugehen.

36
Heute vor acht Tagen erhielt ich einmal einen langen Brief aus Weimar

37
nebst einer Beylage von einem Cypreß-Myrrthen Sträußchen des

S. 333
Geburtstages, das ich in Rahmen einfaßen laße. Die Kinder haben am

2
Scharlachfieber gelegen und die würdige Mutter hat sich bey der Gelegenheit auch

3
große Gefahr zugezogen. Gott Lob! daß alles wieder auf gutem Wege ist.

4
Superintendentur
von
Christian David Lenz
, als dessen möglichen Nachfolger Hamann Herder ins Spiel bringen wollte, vgl.
HKB 629 ( IV 324/6 )
Sie haben mich, liebster Freund, in Ansehung der Superintendentur

5
befriedigt; nun bitte mir noch Ihre Meinung aus in Ansehung der dortigen

6
OberpastorStelle
Es gab verschiedene Oberpastorenstellen in Riga, diejenige der St. Jacobi-Kirche hatte etwa
Christian Adolph Ludwig Dingelstädt
inne.
OberpastorStelle. Sollte diese nicht der dortigen das Gleichgewicht halten?

7
und wer ist der jetzige?

8
Abrede mit Weygand
Mit
Johann Friedrich Weygand
, dem Hamann zuvor wegen der angekündigten
Hume-Übersetzung schrieb
, vgl.
HKB 629 ( IV 321/26 )
. Zum Inhalt der Abrede vgl.
HKB 633 ( IV 336/36 )
, sie enthielt neben der Abstimmung der verschiedenen Übersetzungsprojekte offenbar auch, dass Weygand die Übersetzung zur Michaelis-Messe 1781 herausbringt.
Ihre feyerl. Abrede mit Weygand gefällt mir recht sehr aus dem Grunde,

9
daß dieser Verleger dadurch gedrungen ist seine Uebersetzung zu befördern,

10
mundiren
reinigen, eine Reinschrift erstellen
und ich der Mühe überhoben bin, selbige noch einmal zu
mundi
ren, welches

11
Herder
Herder
, in seinem nicht überlieferten Brief; vgl. Hamanns Antwort
HKB 633 ( IV 336/28 )
ich eben so wenig selbst als durch einen andern zu thun im stande bin. Herder

12
hiesige Freunde
etwa
Kant
und
Kreutzfeld
, die an der Übersetzung mitarbeiteten, vgl.
HKB 612 ( IV 262/22 )
dringt sehr – und meine hiesige Freunde auch. Ich habe mir aber ich weiß

13
nicht was für ein Fest im Kopf gesetzt eine fremde Arbeit mit meiner eigenen

14
vergleichen zu können. Kant, den ich beynahe glaube vor den Kopf gestoßen

15
Auszug … Kantschen Arbeit
Kant,
Prolegomena
, vgl.
HKB 633 ( IV 336/29 )
zu haben, versicherte mich daß sein Auszug nur aus sehr wenigen Bogen

16
bestehen würde. Melden Sie mir doch, wenn es so weit kommt – Ich mag

17
Sturm und Drang
Entweder direkt nach
Klingers Schauspiel
oder vermittelt über
Christoph Kaufmann
, der bekanntlich den Titel anregte.
nicht eher anfangen, biß andere ganz ausgeredt haben. Mein
Sturm und

18
Drang
hängt von der Ausgabe der Humischen Uebersetzung und von der

19
Vollendung der Kantschen Arbeit ab. Hier liegt der Knoten, der erst aufgelöst

20
werden muß.

21
rothe Ruhr
die Dysenterie-Epidemie, vgl.
HKB 627 ( IV 319/11 )
Hier herrscht rothe Ruhr und die Leute fallen zur Rechten und Linken.

22
Herders Geburtstage … Brief
25. August
Gottlob! in meinem Hause ist alles wol. An Herders Geburtstage erhielte

23
Schellenbergschen Kupfer
im Zusammenhang von
Schellenbergs
Schweizerprospekten
, die Hamann in Königsberg vertrieb, vgl.
HKB 625 ( IV 311/7 )
von Stendel
vmtl. Fehllesung für
Johann Heinrich Steiner
; nicht überliefert
einen Brief aus Winterthur wegen der Schellenbergschen Kupfer von

24
beantwortet
nicht überliefert
Hartung
Gottlieb Leberecht Hartung
, durch den Tod seines Schwiegervaters, vgl.
HKB 633 ( IV 335/26 )
; seine
Frau
kam aus einer reichen Familie, vgl.
HKB 581 ( IV 170/2 )
.
Stendel, den ich sogl. beantwortet. Hartung, der jetzt oben auf schwimmt als ein

25
seine Assignation … honorirt
Steiners Zahlungsanweisung nicht akzeptiert und ausgezahlt, wie auch die Kupferstiche nicht ausgeliefert
reicher Erbe, hat seine
Assignation
wie die Kupfer zu
extradi
ren nicht
honori
rt,

26
und mir ist es eben so lieb jetzt aus der ganzen Verbindung heraus zu seyn.

27
Silhouetten
Hartknochs zugesagter Gegensendung eines Schattenrisses, vgl.
HKB 629 ( IV 323/1 )
und
HKB 616 ( IV 282/8 )
Wie hält es mit den verheißenen Silhouetten? – Empfehlen Sie mich den

28
lieben Ihrigen. Reden und Schreiben fällt mir gleich schwer. Meinen besten

29
Exemplar … gewünscht
von
Kants
Critik der reinen Vernunft
, das Hartknoch offenbar statt der übrigen Druckbogen sandte, vgl.
HKB 629 ( IV 322/1 )
Dank für das Exemplar der Kritik, ohngeachtet ich nur den
Defect
des alten

30
gewünscht, so ist es mir doch sehr angenehm auf allen Fall ein ganzes zum

31
besondern Gebrauch
vgl.
HKB 629 ( IV 322/8 )
besondern Gebrauch fertig zu haben, wenn ich das Buch zum dritten mal

32
durchzulesen gemüßigt seyn möchte, wozu ich den Termin nicht absehen kann.

33
Merciers Tableau de Paris
Mercier,
Tableau de Paris
, vgl. Hamanns Exzerpte im Studienheft, N V,360–364
Von
Merciers Tableau de Paris
habe den
I.
Theil gelesen, der mir beßer

34
gefällt als sein erst kürzl. mir bekannt gewordner
Essay
über die dramatische

35
Lenz … übersetzt
Jakob Michael Reinhold Lenz
; der tatsächliche Übersetzer
Heinrich Leopold Wagner
stammte ebenfalls aus dem
Goethes
-Umkreis.
Kunst, den Lenz schon übersetzt haben soll ohne auch was davon zu wißen. Die

36
Geschichte des protestantischen Lehrbegriffs welche hier aber noch nicht zu haben

37
kleine Schriften
nicht ermittelt
ist, hat einen gewißen
Planck
in Stuttgard zum Verf. deßen kleine Schriften

S. 334
Nicolai … Reisen
Nicolai
mit seinem
Sohn
, auf seiner Reise durch Deutschland und die Schweiz, vgl.
HKB 631 ( IV 331/5 )
ich auch nicht kenne. Nicolai geht mit seinem Sohn auf Reisen und Lüdtke

2
gerechten Momus
Bodmer,
Der gerechte Momus
verwaltet seine Geschäfte. Vergeßen Sie mir nicht den
gerechten Momus
.

3
Leben Sie gesund und nach Herzenswunsch. Lieben Sie Ihren alten Freund

4
u Diener

5
Johann Georg H.


6
Grüßen Sie und entschuldigen mich wenn es nöthig bey Ihrem Arzt u

7
P. Gerike, daß ich nicht die geringste Höflichkeit Ihren Anverwandten zu

8
erzeigen imstande gewesen. Und hiemit Gott empfohlen. Mein armer

9
zerrütteter Kopf will nicht fort. Vergeßen Sie nicht mir zu melden, ob Sie
per

10
Defect des de la More
wohl
de La Mare,
Traité de la police
,
s.o.
Post oder Gelegenheit den
Defect
des
de la
More
zurück verlangen?


11
Am Schluß von Hartknoch vermerkt:
Empf d 9
Sept
1781.

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.

Bisherige Drucke

Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 214–217.

ZH IV 331–334, Nr. 632.

Zusätze fremder Hand

334/11
Johann Friedrich Hartknoch

Textkritische Anmerkungen

Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
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Geändert nach Druckbogen 1943; ZH:
Mare
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Geändert nach Druckbogen 1943; ZH:
Mare