633
334/12
Kgsb. den 15
Sept.
81.
13
lieben Brief
Herders nicht überlieferter Brief von Ende August, der am 6. oder 7. September in Königsberg ankam, vgl.
HKB 632 ( IV 332/36 ) Nun Herzens H. heut vor Acht Tagen erhielt Ihren lieben Brief, den ich
14
nicht eher als den Abend beym Schlafengehen zu Ende lesen konnte. Da
15
Bentevegni
Girolamo Saverio von Bentivegni
Hoghendorp
Dirk van Hogendorp
kamen die beyden
Lieut.
von
Bentevegni
u Hoghendorp und eben wie wir
16
Päckchen von Hartknoch
Johann Friedrich Hartknoch
über den
Shakesp.
saßen,
Prof.
von Schwarz mit einem Päckchen von
17
Hartknoch – und wie die Woche zu Ende gieng, ebenso fieng sich diese an.
18
Gott Lob und Dank, daß alles bey Ihnen wieder auf guten Gleise geht.
19
Hier gehen tägl. Sterbeglocken, für jung und alt. Nach Verhältnis der Erndte
20
dörfte die Weinlese noch stärker fallen. Die rothe Ruhr ist fast allgemein,
21
und noch betrübtere Nachrichten erzählt man vom Lande in Ansehung der
22
Menschen so wol als des Viehs; wiewol auch viele Lügen und
23
Hausmutter
Anna Regina Schumacher
Schwester, ihr Mann … Schwester Tochter
nicht ermittelt
Vergrößerungen dabey unterlaufen. Meiner Hausmutter Schwester, ihr Mann, u einer
24
andern Schwester Tochter, die bey mir gedient, liegen auch u beunruhigen
25
uns wenigstens. Ob mein Haus vom WürgEngel verschont bleiben wird,
26
weiß Gott am besten. Wenigstens bißher Ihm sey Lob und Dank! befindt sich
27
alles nach Herzenswunsch – bis auf meinen alten grauen Kopf, der im
ewigen
28
Taumel und Schwindel ist ohne selbst zu wißen, was ihm fehlt, als daß er
29
nicht an seiner rechten Stelle
daheim
ist.
30
glückliche Entbindung …
Caroline Herders
Entbindung von der Tochter
Luise
; zu Hamanns Sorgen vgl.
HKB 619 ( IV 291/33 ).
Die glückliche Entbindung hat mich immer ein wenig besorgt gemacht.
31
Freude und Leidenschaft geben uns Kräfte, die nicht dem Körper gehören,
32
und immer auf seine Kosten ersetzt werden müßen. Das kleine Myrrthen- und
33
CypreßenZweiglein von der lieben schönen Mutterhand hat mich sehr gerührt
S. 335
und der Rahme dafür ist schon besorgt. Nächst Ihrer unsterblichen Liebe stehe
2
sonderlicher als Frauen-Liebe
2 Sam 1,26
unsere Freundschaft sonderlicher als Frauen-Liebe.
3
Empfang … bescheinigen
Saint-Martin,
Des Erreurs et de la Vérité
, zu Herders Sendung vgl.
HKB 615 ( IV 277/34 ); zu Hamanns Versäumnis, den Empfang zu bestätigen vgl.
HKB 622 ( IV 303/22 ).
Daß ich neulich vergeßen Ihnen den richtigen Empfang der französischen
4
Gabe
de la Verité et des erreurs
zu bescheinigen, geht ganz natürlich zu.
5
Ich schreibe bisweilen so stark in Gedanken, daß wenn ich zum Papier komme,
6
so erschöpft bin, als wenn ich mich schon gantz ausgeschrieben hätte, und oft
7
gnug mich nicht besinnen noch unterscheiden kann, was ich habe schreiben
8
wollen und wirklich geschrieben habe. Meine Meynung Ihnen zu sagen: so
9
hab ich das Buch zwar mit vielem Hunger, aber wenig Gedeyen gelesen.
10
Vielen von den Brüdern hat es beßer geschmeckt als mir, und als ich es
11
Ihnen zugetraut. Ein Kaufmann zu
Lion,
Villarmosean
ist mir als der
12
Verf. genannt worden, und gegenwärtig wird es zur
Subscription
den Logen
13
wie ich gehört, aufgedrungen. Die 3 Buchstaben
C–H–R p.
538 hat mir
14
niemand entziffern können. Manche Vorurtheile sind handgreiflich; der
15
prahlerische Schleyer macht mir auch das Gute verdächtig. Meine mystische
16
Begriffe von der Sprache sind wenigstens von des Verf. seinen sehr verschieden.
17
Hätte wol lieber Ihr Urtheil gewünscht, da Sie die Symbolen beßer als ich
18
verstehen müßen, und ich überhaupt meinem eigenen Urtheil nicht traue. Um
19
ein Beyspiel anzuführen, so muß ich Ihnen sagen, daß mir das kleine
20
Fragment aus
Hemsterhuys
zum dritten mal beßer eingeleuchtet als die beyden
21
fünften Theil
Herder,
Briefe, das Studium der Theologie betreffend
; ein weiterer Teil erschien nicht.
ersten male. So sehr ich mich auch auf den fünften Theil Ihrer Briefe freue:
22
so wünschte doch auch den
Andreä
von dem ich immer geglaubt, daß er schon
23
längst fertig läge.
24
Wagner
Friedrich David Wagner
; Herder hegte den Verdacht wohl wegen der nicht bestätigten Büchersendung, die über Wagner lief, vgl.
HKB 615 ( IV 277/34 ).
Gegen Wagner haben Sie
in puncto
der Bestellungen und Aufträge keinen
25
Verdacht. Mit dem neuen Laden dörfte es wol ein wenig schwer u langsam
26
Hartung
Gottlieb Leberecht Hartung
gehen. Hartung ist durch den Tod seines Schwiegervaters in Tilsit ein reicher
27
Erbe wie man sagt geworden, und thut sein Bestes die jungen Anfänger zu
28
überwiegen. Sein Laden ist aber für mich verschloßen, und mein Umgang
29
zieht sich immer enger zusammen, daß ich fast aus aller Verbindung komme.
30
Journale
u keine gelehrte Zeitungen bekomme ich beynahe zu sehen, nicht
31
ein mal die hiesigen – denen ich freywillig entsagt, weil Wagner die hiesigen
32
Parasiten
wohl die gelegentlichen Beiträger wie Hamann, welche die KGPZ vom großzügigen
Kanter
noch unentgeltlich beziehen konnten
Parasiten, welche sich auf 60 belaufen, alle ausgestrichen. Ungeachtet er mir
33
ersten Anfänger … Recensentenunfugs
als erster Redakteur der KGPZ
die Fortsetzung, als dem ersten Anfänger des zeitigen Recensentenunfugs,
34
aufdringen wollen, habe ich gleichwol Verzicht darauf gethan. Brahl ist auch
35
Kraus
Christian Jacob Kraus
aus meinem Hause gebannt. Kraus komt nicht anders als ein Buch zu holen
36
zweyten Hälfte seiner Disputation
am zweitel Teil von
Kraus’ Dissertation
de paradoxo
, zum ersten vgl.
HKB 617 ( IV 285/5 ).
und arbeitet immerfort an der zweyten Hälfte seiner
Disputation.
Bleibt
37
Kreutzfeld
Johann Gottlieb Kreutzfeld
mir also noch Kreutzfeld übrig, und die beyden oben genannte
Offici
er – und
S. 336
was von selbst in meinen Taubenschlag geflogen kommt. Meine
2
heavtontimorumenische Gesellschaft hab ich übrigens keine Lust mehr jemanden
3
Oberhofprediger
Johann Ernst Schulz
aufzudringen. Besuche fast also gar nicht mehr den Oberhofprediger noch meinen
4
Beichtvater
Friedrich Wilhelm Matthes
Jacobische
Friedrich Conrad Jacobi
Courtansche
Sophie Marianne Courtan
Müllersche Haus
Ernst Egidius Müller
Beichtvater, noch das
Jacobi
sche, noch
Courtan
sche noch Müllersche Haus,
5
wo Kraus
exclusive
verkehrt.
6
Ohngeachtet die Sommerstunden sich mit 7 Uhr anfangen, steh ich selten
7
p.t.
per tempus, der Reihe nach
vor 6 auf; kommt nach dem Morgenseegen der leidige
Coff
e. Ein Kapitel
p. t.
8
im Brief an die Römer und einige Verse im
εδαφῳ
des
Exodi
werden mit
9
Hänschen
Johann Michael Hamann
Hänschen
durchgepeitscht
denn geht es vor oder auch nach 8 spornstreichs nach
10
Loge
Hamanns Arbeitsraum am
Licent
, vgl.
HKB 484 ( III 306/18 ); wohl leicht ironisch-abfällige Bezeichnung (vgl.
Krünitz
, s.v. Loge: „eine Hütte, ein kleiner mit Brettern verschlagener Raum, ein Hundestall, eine Schiffskammer etc. etc. heißt“), ohne Bezug auf Freimaurer- oder Theaterlogen.
Buffons Histoire des Oiseaux
Wohl die Vogel-Bände 16–24 von
Buffons
Histoire naturelle
, vgl.
HKB 629 ( IV 322/11 ) der Loge, wo ich nichts als lese,
p. t. Buffons Histoire des Oiseaux,
auch
11
Berthold Vater u Sohn
nicht ermittelt; mglw. eine Verwechslung mit
Carl Friedrich Bahrdt
und dessen Vater, dem Theologen
Johann Friedrich Bahrdt (1713–1775)
wol zum
Intermezzo
Berthold Vater u Sohn – Vor dem Eßen wird im
12
Ab- u Zugehen eine
Scene
im Terenz durchgelaufen. Vom Tisch zur
Iliade
13
des Homers, um 2 zur Loge bis gegen 6 Uhr. Im Ab und Zugehen wird
14
Tatler
Steele,
The Tatler
Caffé
getrunken u ein wenig Englisch
p. t. Tatler exponirt,
alles im Fluge.
15
Hamlet
Shakespeare,
Hamlet
D
Nach den Stunden kommen die beyden
Martis
Söhne auf den
Hamlet
zu
16
Bentevegni
Metastasio
Pietro Metastasio
Gaste.
Bentevegni
schliest bisweilen mit einer
Scene
aus dem
Metastasio.
17
Kreutzfeld
Johann Gottlieb Kreutzfeld
Denn kommt doch noch bisweilen Kreutzfeld oder ein anderer zum
18
Butterbrodt u Pfeifchen. Das Lesen und Schreiben bey Licht geht auch nicht mehr,
19
und
es
ich bin des Abends so marode, daß ich bisweilen den Nachtwächter
20
nicht abwarten kann.
21
Bibliothecae …
Bibliotheca Fratrum Polonorum quos Unitarios vocant
Die Sonntage habe ich der
Bibliothecae Fratrum polonorum
geweyht,
22
welche ich den heillosen Einfall bekommen habe anzufangen, wiewol es mehr
23
der Wink eines andern als mein eigener Einfall ist. Den Schabbath hab ich
24
noch für einen Israeliten Eichel oder Itzig aufgehoben, der sich zum
25
Studiren
applici
ren will und sich um meinen Sohn im hebr. verdient macht.
26
Hierin besteht also das Gemälde meines eiteln Wandels und tägl.
27
Lebenslaufs. Aus dem Eckel deßelben läßt sich eben nicht ein günstiges
Horoscopium
28
künftige Autorschaft
Hamanns Hume-Projekt
, nach der Herder im nicht überlieferten Brief offenbar energisch fragte, vgl.
HKB 632 ( IV 333/11 ) für meine künftige Autorschaft stellen, die von 2 Umständen abhängt,
29
nemlich der Uebersetzung des Hume, und daß Kant mit dem Auszuge seines
30
größeren Werks fertig wird, den ich nöthig habe um dieses so vollkommen wie
31
möglich zu verstehen. Er hat mir u Hartknoch den Verlag zugesagt und die
32
Arbeit soll nur einige Bogen betragen. Diese Kürze ist ebenso ein Problem
33
Volumen corpulentum
Kant,
Critik der reinen Vernunft
für mich, als das
Volumen corpulentum.
Wenigstens seh ich es für meine
34
Pflicht an, den Mann gantz ausreden zu laßen. Wegen des ersten Puncts
35
Briefe … st. v.
Hartknochs Brief vom 11. August stili veteris, also 22. August 1781 (greg.), vgl.
HKB 632 ( IV 331/25 ) theile ich Ihnen folgende
Copiam
mit aus Hartknochs Briefe vom 11
mit „Weygand habe ich vor kurzem auch gebeten mir den Namen des
37
Uebersetzers von Hume und woraus seine Beyl. bestehen werden, zu
S. 337
melden. Ich darf Ihre Uebersetzung nicht mehr drucken. Auf Ihr Wort (da ich
2
Ihnen von einer
Collision
meldete) daß
s
Sie
i
Ihre Uebersetzung
ad Acta
3
reponi
ren wollten, hab ich ihm den alleinigen Verlag feyerlich zugestanden.
4
Was aber Ihre Beylagen betrift: so bin ich bereit sie in Verlag zu
5
nehmen“ –
6
Ich habe den 21
Jul.
selbst an Weygand geschrieben, der in Holland aber
7
sich aufhalten soll. Die beste Antwort wäre mir ein Exemplar seines Verlages
8
bevorstehenden Meß Catalogo
im
Messkatalog für Michaelis 1781
, wo sie tatsächlich aufgeführt ist, vgl.
S. 190
oder die Anzeige im bevorstehenden Meß
Catalogo
von der Erscheinung der von
9
ihm angekündigten Uebersetzung. Sie sehen daraus, HerzensFreund! daß
10
wenigstens
Umstände
mit meinem Eigensinn, wie man ihn nennt, parallel
11
laufen. Unterdeßen kann ich Ihnen die Grille nicht verschweigen, daß ich
12
mir ich weiß nicht was für ein Fest in Gedanken daraus mache jene
13
Uebersetzung mit der meinigen in der Stille vergleichen und das Urtheil meiner
14
hiesigen Freunde darüber prüfen zu können.
15
Biß jene Umstände also entschieden sind, kann ich keinen Plan zu meinem
16
Opusculo
Werkchen
Opusculo
machen, sondern muß warten, welches mich niemals gereut hat,
17
Muse Indignatio
Unmut als Inspiration
und den besten Vers giebt die Muse
Indignatio
ein.
18
Ihren Geburtstag habe mit einem langen Briefe an Reichard gefeyert, dem
19
ich eine Antwort auf die Empfehlung des von Hoghendorp schuldig war und
20
allerhand mehr zu schreiben hatte. Dieselbe Woche war zum Abendmal, u
21
hatte denselben Abend den heftigen Schreck daß ein Freund meines Sohns,
22
junge Müller
Ernst Egid Müller
der junge Müller in unsern Teich fiel, wo er hatte ersaufen können, ohne daß
23
ich einmal von seinem Besuch etwas gewußt hatte. Gieng alles Gottlob!
24
ohne Schaden u Verdruß noch Folgen ab. Meine Beichte war der letzte
25
Buchstab des längsten Psalms. Meine Absolution war v. 25. und den Staub
26
Bibl. Fr. Polonorum
Bibliotheca Fratrum Polonorum quos Unitarios vocant
deutete ich auf die
Bibl. Fr. Polonorum.
27
Den 17 –
28
Ich wollte gestern eben anfangen zu schreiben wie der polnisch reformirte
29
Kreutzfeld
Johann Gottlieb Kreutzfeld
Prediger
Wanowski
und Kreutzfeld bald darauf mich besuchten, biß es
30
finster wurde. Nach einer wider meine Gewohnheit schlaflosen Nacht bin
31
Pf. Fischer
Carl Gottlob Fischer
ich genöthigt heute zu Hause zu bleiben. Vorigen Mittwoch besuchte mich Pf.
32
Mutter
Anna Dorothea Fischer
Fischer
der im
Licent
zu thun hatte wegen der von seiner Mutter
33
angekommenen Sachen, die vermuthl. her ziehen wird. Er meldete mir, daß es eben
34
einjährigen Sohns
N.N. Fischer
seines einjährigen Sohns Geburtstag wäre, und selbiger in letzten Zügen
35
Naugardt
N. N. Naugardt
läge. Sein Schwager,
Secr.
auf der
Accise, Naugardt
war ein paar Tage
36
vorher gestorben. Also i
st
n doppelter Trauer. Er trug mir auf seine
S. 338
freundschaftl. Grüße u Entschuldigungen daß aus seinem langen Briefe noch nichts
2
geworden.
3
Fausti … Bergpredigt
von
Fausto Sozzini
, vmtl. die Exegese von Mt 6–7 in
Bibliotheca Fratrum Polonorum quos Unitarios vocant
,
, Bd. 1, pag. 1–73
Fausti Socini
Fragment über die
Bergpredigt
habe zu Ende gebracht,
4
aber auch nicht viel Licht gefunden über dies schwere Stück der evangelischen
5
merkwürdige Stelle Ev. Johannis
nicht ermittelt, wohl in der folgenden Schrift von Sozzini in Bd. 1 der
Bibliotheca Fratrum Polonorum quos Unitarios vocant
, „Explicatio Primae partis primi capitis Euangelistae Johannis“,
siehe pag. 75–85
Geschichte. Eine sehr merkwürdige Stelle über den Anfang des Ev. Johannis
6
Ihr Urtheil
im nicht überlieferten Brief Herders
ausgeschrieben, die einer Weißagung und Lästerung sehr ähnlich sieht. Ihr
7
Geschichte des Chil.
Corrodi,
Kritische Geschichte des Chiliasmus
Urtheil über die Geschichte des Chil. ist völlig das Meinige, ohne die Qvellen
8
zu kennen; er gesteht selbst compilirt zu haben. Man hat es mir ausdrückl.
9
versichern wollen, daß die Schrift vom Ursprung u Wachstum der menschl.
10
Erkenntnis nicht von demselben
Irwin
seyn soll, und er würde dadurch sehr
11
in meinen Augen verlieren. Auf Plank bin sehr neugierig; hier ist noch nichts
12
Apol. der Vernunft
Bahrdt,
Apologie der Vernunft
zu haben von ihm. Ey! der Verf. von der Apol. der Vernunft? Sein erbaul.
13
Bekehrungsroman am Ende krönt das Werk
14
Den ersten Theil vom
Tableau de Paris
habe auch mit vieler Mühe
15
Art Dramatique
Mercier,
Du théatre
bekommen. Er gefällt mir doch beßer als sein
Art Dramatique.
Die neue
16
Raynal …
Die berüchtigte 3. Auflage von
Raynals
Histoire philosophique et politique des Établissements & du Commerce des Européens dans les deux Indes
von 1780, die im Mai 1781 in Frankreich verboten sowie öffentlich verbrannt wurde und
Raynal
zur Flucht veranlasste (u. a. nach Brandenburg-Preußen).
Ausgabe von
Raynal
unphilos. u unpolit. Geschichte kann kaum erwarten, so
17
Procureurs Auszug
Gemeint ist wohl der zirkulierende
Parlamentsarrest vom 25. Mai
gegen Raynals Werk im Namen des Procureur Générale du Roi
neugierig hat mich des
Procureurs
Auszug darnach gemacht, welchem
18
zum Scheiterhaufen verdammt
lediglich Raynals Werk wurde dazu verurteilt, „lacéré et brûlé“ zu werden, vgl.
Arrest de la cour de Parlement
, S. 13
zufolge er zum Scheiterhaufen verdammt worden.
19
Antonio von Göthe
Wohl im Zusammenhang von frühen Entwürfen für
Goethes
Tasso
und die Figur des Antonio Montecatino; da Herders Brief nicht überliefert ist, bleibt die Stelle etwas unklar,
Goethe
und Herder befanden sich 1781 aber noch in regem Austausch, vgl. etwa
HKB 615 ( IV 275/23 ).
Was der
Antonio
von Göthe bedeuten soll in Ihrem Briefe, verstehe ich
20
nicht. Nach dem
gerechten Momus
, der auch vermuthl. ein Pasqvill auf
21
theol. Briefe
Herder,
Briefe, das Studium der Theologie betreffend
Sie enthält, hab ich mich auch umsonst erkundigt. Für Ihre theol. Briefe
22
seyn Sie unbesorgt. Je mehr man sie liest, desto beßer schmecken Sie. Eine
23
Uebersetzung … angekündigt
1782 erschien die Übersetzung von
Hemsterhuis’
Vermischten Philosophischen Schriften
(von
Blanckenburg
); sie war seit Längerem angekündigt, vgl.
Messkatalog für Michaelis 1780
, S.
S. 1028
. Zum Kontext von Herders Hemsterhuis-Übersetzung vgl.
HKB 622 ( IV 304/19 ).
Uebersetzung von Hemsterhuys Schriften wurde einmal wo ich nicht irre,
24
längst angekündigt; habe aber niemals etwas zu Gesicht bekommen können.
25
Schlözers Briefwechsel
Schlözer,
Briefwechsel, meist historischen und politischen Inhalts
ab initio
von Anfang an
Schlözers Briefwechsel habe mir auch vorgenommen
ab initio
zu lesen,
26
HE von Auerswald
Hans Jakob von Auerswald
da HE von Auerswald sich ihn angeschaft. Ich habe nur einzelne Stücke
27
Beyträge zum Mercur
wohl Herders jüngste Beiträge zum
Teutschen Merkur
, etwa
Leßings Tod
,
Winkelmann, Leßing, Sulzer
oder die Hemsterhuis-Übersetzung
Ueber das Verlangen
; vgl.
SWS, Bd. 15, S. 31–56
zufällig ansehen können. Ihre Beyträge zum Mercur werden mir sehr
28
willkommen seyn.
29
Hegelmeier … Betrachtungen
Hegelmaier,
Prüfung der Freymüthigen Betrachtungen
Hegelmeier über die jesuitische Betrachtungen ist ein recht gutes Buch. Ich
30
wünschte mehr von dem Mann zu lesen, habe aber nichts auftreiben können.
31
Selbstgespräche
Hegelmaier,
Ich bin ein Christ
Eiferts Untersuchung
Eifert,
Untersuchung
Kennen Sie seine Selbstgespräche. Eiferts Untersuchung hat ungeachtet seiner
32
gesetzlichen langweiligen Methode gute Gesinnungen. In ihm glaub ich eine
33
Anspielung auf die Chevila
Buch Chevilla
Anspielung auf die
Chevila
gefunden zu haben, woraus ich schließen möchte
34
daß selbiges mehr in Zeichnungen als Buchstaben besteht. Ich weiß nicht,
35
wie man so gleichgültig gegen des armen Propheten nachgelaßene Schriften
36
seyn kann, und daß es Ihnen nicht möglich fällt sich und mir Licht darüber
37
zu verschaffen. Es ist wirklich eine außerordentl. Urkunde für mich
ü
s
ber
den
S. 339
Ursprung der Sprachen. Wie weit liegt der Ort von Ihnen? Gieng es nicht
2
Dahlberg oder Zimmermann oder Gleim
Carl Theodor von Dalberg
,
Johann Georg Zimmermann
oder
Johann Wilhelm Ludwig Gleim
astronomische Theil …
von
Ziehen,
Nachricht von einer bevorstehenden großen Revolution der Erde
, vgl.
HKB 604 ( IV 229/4 ) an durch Dahlberg oder Zimmermann oder Gleim. Der astronomische Theil
3
der nicht verdiente gerügt zu werden, hat das Beßere unterdrückt. Sollte sich
4
keine Academie der Handschriften annehmen? Weiß man keine
5
Familienumstände oder hat sonst Nachrichten von der Person des Manns. Nun wenn
6
Hartknoch
Johann Friedrich Hartknoch
Hartknoch künftig Jahr nach der Schweitz geht, will ich noch den letzten
7
Abdruck des Falk
Hamanns in den
KGPZ
veranstalteter Druck der Gespräche 4 und 5 von
Lessing,
Ernst und Falk
vom Mai 1781; Herder bat offenbar darum, ihm den Druck zukommen zu lassen.
Versuch machen. Ich denk mit dem Abdruck des Falk hat es auch so lange Zeit.
8
Pour la rareté du fait
wegen der Seltenheit der Sache
Pour la rareté du fait
sollen Sie auch Krausens
Disp.
miterhalten, wenn der
9
D. Köhler
Johann Bernhard Köhler
zweite Theil zur Welt kommen sollte.
D.
Köhler hat schon seine beyde
10
Meisterstücke fertig über das letzte Kapitel des
Coheleth,
sucht nach einem
11
Respondenten cum beneficio
Im akademischen Kontext wurde der Respondent, also der Verteiger von Köhlers Thesen bei der Disputation, bezahlt, offenbar aber nicht sehr großzügig.
Respondent
en
cum beneficio.
Ein geitziger Mann – der sich
sans façon
(auf des
12
Survivance … Bock
Anwartschaft auf die Professur von
Friedrich Samuel Bock
, für den Fall den seines Todes
Ministers Wort) auch die
Survivance
auf die griechische
Profession
des
D.
13
Bock
hat zueignen wollen. Dieser Zug hat mi
ch
r seine Bekantschaft sehr
14
gleichgiltig gemacht, daß ich mich um ihn u seine Gelehrsamkeit noch nicht
15
bekümmert habe, von der man übrigens gute Vermuthungen hat.
16
Großkanzler
Johann Heinrich von Carmer
Hoghendorp
Johann Heinrich von Carmer
Hippel
Theodor Gottlieb Hippel
, nach seiner Ernennung zum dirigierenden Bürgermeister im Winter von Königsberg 1780/81, im Kontext seiner Dienstreise nach Berlin, infolgedessen er laut Hamann vielleicht auch nach Weimar gekommen wäre, vgl.
HKB 622 ( IV 302/26 ) Der Großkanzler ist hier u Hippel wird als StadtPräsident und Geh.
17
Rath, sagt man, nächstens erwartet, welches wahrscheinl. ist
quâ Chef
des
18
CriminalCollegii. Aus seiner Reise wird also nichts werden. Ob Hoghendorp
19
über Weimar gegangen oder noch gehen wird zweifele auch. Vielleicht komt
20
dafür HE
Prof. à
Schwarz aus Moscau, ein geborner Siebenbürger, der
21
wie es scheint in Ordensgeschäften nach Braunschw. geht, einen zieml. Ansatz
22
zum
Adepten
hat, mich mit gelehrten Wildbret aus Moskau weidl. beschenkt
23
hat, welches für meinen Hans aufgehoben ist worunter das wichtigste
Sect.
24
1.
Part.
1. des Matthäischen
Catalogi
von den dortigen
Mst
en ist. Seinem
25
Bericht nach liegen noch 5 Abschnitte fertig, es fehlt aber am
Fonds
zum
26
Druck. Sie kennen die asiatische Pracht. Er hat dem Kayser bey seinem
27
Handbuch des deutschen Styls
Schwarz,
Entwurf der Grundsätze des deutschen Stils
damaligen Aufenthalt ein Handbuch des deutschen Styls zugeeignet, ersuchte
28
Echantillon
Probestück
mich aber ihn nicht nach diesem
Echantillon
zu beurtheilen. Hartkn. empfahl
29
ihn mir als seinen Freund und rechtschaffenen Mann – Er hat mir wenigstens
30
den Einfall gegeben meinen Sohn zum pollnischen anführen zu laßen,
31
Wanowski
Stephan Wannowski
worüber auch schon gestern mit
Wanowski
Abrede genommen. Das franz.
32
kann warten.
33
Pathe August
August Herder
Mein kleiner Pathe August ist ein braver Knabe, daß er sich seines alten
34
Pathen freut ohne noch den geringsten Anlaß dazu erhalten zu haben. Gott
35
seegne Ihn zum großen Mann!
DEVS prouidebit –
Die Hofnung uns
36
einander noch zu sehen, ist mir so lieb als das Leben, und beydes hängt an
37
Einem Faden und von Einer Hand ab!
S. 340
In der Welt habt ihr Angst; aber seyd
getrost —
Der Fürst dieser Welt
2
mag uns so schwarz vorkommen wie er will; so ist er des lieben Gottes sein
3
Diakonus, und der heilige Geist schwebt auch in
dies
deßen Kapelle – und über
4
Rabe als Taube
1 Mo 8,7f.
Reinen ist alles rein
Tit 1,15
dieser Sündfluth als Rabe als Taube. Alles ist gut und den Reinen ist alles
5
Des Sancho Pancha Transcendentalphilosophie
Sancho Panzas
Wahlspruch ‚Gott versteht mich‘ im Gegensatz zur
Kantischen Transzendentalphilosophie
rein. Des Sancho Pancha Transcendentalphilosophie ist mir so heilsam, wie
6
Samariters Oel und Wein
Lk 10,34
des Samariters Oel und Wein. Gönnen Sie jenen Leuten ihr Element, wenn
7
sie sich wol darin befinden, und bleiben Sie in dem Ihrigen.
8
Ita plerique …
Ter.
Phorm.
, 1, 172, dt. So sind wir Menschen meist veranlagt: Wir sind mit uns selbst unzufrieden?!?
Ita plerique ingenio sumus omnes: NOSTRI NOSMET POENITET.
9
Auf die abgebrannten Kanonen werde auch in den Zeitungen Acht geben
10
laßen, und nehme ungeachtet meiner unendlichen Entfernung auch an diesem
11
entwickelten Blatt
Antheil.
12
Gott schenke Ihnen und den lieben Ihrigen nur Gesundheit, und laße Heil
13
Quae supra nos, nihil ad nos
dt. was über uns ist, geht uns nichts an; laut
Lact.
inst.
, 3,20 ein Sprichwort des
Sokrates
und Seegen, Ruhe und Freude in Ihrer Zionsburg u Abtey walten.
Quae
14
supra nos, nihil ad nos.
Alles übrige soll uns nicht anfechten. Meine Wüste
15
ist hier weit öder. Je mehr die Kinder anwachsen, je größer werden die
16
Sorgen, u desto weniger der Freuden. Keine Hülfe zu ihrer Erziehung, besonders
17
beyden Töchtern
k
kein
homogener Umgang, und der leidige Trost, daß die
18
Schuld an mir liegt, und ich dieses Genußes nicht mehr fähig bin. Daher mich
19
immer mehr zurückzuziehen suche. Schade um die Zeit u Mühe welche es Ihnen,
20
bester Herder,
kosten,
muß, mein Geschmier u leeres Gewäsche zu entziffern.
21
Ihr Morunger
Johann Christoph Neumann
Aus Morungen weiß auch keine Sylbe. Was macht Ihr Morunger dort?
22
Möser über die Litteratur
Möser,
Ueber die deutsche Sprache und Litteratur
, das auf
Friedrichs II.
De la littérature allemande
mit einer Mischung von Kritik und Herrscherlob reagierte.
Göthe … politisch
Friedrich II. etc. Goethe-Stelle in
De la littérature allemande
und Briefwechsel-Stelle?!?, Möser geht darauf ein in
Möser,
Ueber die deutsche Sprache und Litteratur
, S. 13f.; inwiefern ist das politisch in Hamanns Sicht?
Eben jetzt erhalte
Möser
über die Litteratur. Göthe ist artig gerechtfertigt,
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Heyer …
und die ganze Wendung politisch. Wer oder was ist der
Heyer
eines jeden
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Jahrhunderts S. 27.
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Mich selbst bedanken für das doppelte Zweiglein kann ich nicht; thun Sie
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es auf
s
beste durch die zärtlichsten Grüße und Küße. Bitte wegen Ihrer
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Vorrede nicht die Klaglieder zu vergeßen, als Erstlinge der Michelsmeße. Hab
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ich sie doch schon besprochen.
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Was ist das Meisterstück von
Filicaja
, das uns Richardson gezeigt? Sollte
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Ihr Musäus nicht auch das Wertherfieber geschrieben haben, ein Büchlein
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das ich mehr wie einmal gelesen, und mir nicht nach Würden scheint
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aufgenommen zu seyn.
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Sollte ich zum Werk schreiten und in meiner Autorschaft fort kommen;
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so werd ich nicht unterlaßen Ihnen Nachricht zu ertheilen und mich Ihrer
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christl. Fürbitte empfehlen. Der Titel soll seyn: Epistolische Nachlese eines
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Misologen. Gott sey mit Ihnen und den Ihrigen, wie mit mir und den
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Meinigen. Vorgestern haben wir Regen, gestern einen Regenbogen, und diesen
S. 341
Abend ohngeachtet eines bestirnten Himmel Blitze gehabt. Der Donner ist
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wol vor dem Geschnarr 2 verrosteter Spinnräder und dem Gewäsche eben
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so viel Strickerinnen mit ihrem Bruder
Polyhistor
nicht zu hören gewesen.
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Marianchen hat das beste Theil erwählt und schläft. Will ihr nachfolgen,
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und ersterbe Ihr
alter treuer Freund Gevatter und Landsmann
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Johann Georg H.
Provenienz
Staatsbibliothek zu Berlin, Ms. Germ. quart. 1304, 227–228.
Bisherige Drucke
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 217–222.
ZH IV 334–341, Nr. 633.
Textkritische Anmerkungen
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch
geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind
vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden
vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter
Quellen verifiziert werden konnten.
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335/11 |
Villarmosean |
Geändert nach der Handschrift; ZH: Villarmojean |
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336/9 |
durchgepeitscht ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: durchgepeitscht, |
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338/37 |
ü s ber ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: über |
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340/1 |
getrost — ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: getrost – – |
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340/17 |
k kein ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: kein |
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340/20 |
kosten, ]
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Geändert nach der Handschrift; ZH: kosten |