641
S. 363
Königsberg den 11 Jänner 782.

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Herzlich geliebtester Freund

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Zuschrift … Licentträger
Hartknochs Brief, den Hamann am 10. Januar 1782 von Hartknochs Schwager
Frédéric Toussaint
durch einen unbekannten Licentträger erhielt, ist nicht überliefert.
Ihre Zuschrift erhielte gestern von HE
T.
offen durch einen Licentträger,

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HE Commercienrath
Jean-Claude Toussaint
der lange Jahre bey dem seel. HE Commercienrath gedient, und in deßen

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Treue ich so wenig Ursache habe ein Mistrauen zu setzen, als er. Unter deßen

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Staatsgeheimniße enthalten waren
der Brief wurde wohl offen, also mit gebrochenem Siegel übergeben
daran nichts versehen, auch keine
Staatsgeheimniße
enthalten waren: so

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ist man doch nicht immer im stande alle kleine Zufälle vorherzusehen.

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Wett- u Rathsherr … Christoph B.
Johann Christoph Berens
, ‚Wettherr‘ meint Mitglied des Rigaer Handelsgerichts.
Der Wett- u Rathsherr ist ohne Zweifel eine
einzige
Person, neml. HE

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Sache selbst
Nicht ermittelt, wohl eine kommerzielle Auskunft über von Riga nach Königsberg einzuführende Waren, für die Hartknoch um Auskunft über die Akzise (Abgaben bei der Einfuhr am Königsberger Hafen) fragte und worüber Hamann, als
Packhofverwalter am Licent
(Abgaben bei der Ausfuhr), nicht Bescheid wusste.
Christoph B. Was die Sache selbst anbetrift, so möcht ich wol eben nicht im

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stande seyn Gnüge zu thun, weil mein Posten so eingeschränkt wie mögl. ist

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und mein Geschmack mehr wie sonst entfernt außer meinem Circul zu gehen.

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Das
Minimum
ist das Gesetz meiner Wirksamkeit oder vielmehr Unthätigkeit.

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Je weniger ich weiß, desto weniger hab ich zu verantworten. Ich habe weder

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mit
Accise-
noch Zollsachen das geringste zu thun, sondern bin von Gottes

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Gnaden lediglich Verwalter der beyden Magazine, wovon eins bereits fast

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eingegangen. – Die Licentträger (nicht einmal der Licentfuhrmann) stehen

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unter mir, und nur die Waaren, welche über die erlaubte Zeit liegen bleiben,

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zahlen das Lagergeld, und kommen in mein
Depot
Register, sehr selten

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Zeisigarbeit … Vorfahren
Licentrat Storch
, vgl.
HKB 480 ( III 291/16 )
Beschläge.
Zeisigarbeit
,
Eselsfutter
, hat einer meiner seel. Vorfahren gesagt,

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der noch bey meinem jetzigen Posten die
Inspection
des Licents verwaltet.

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Unwißenheit
und
Ruhe
ist mein Loos, mein Element und mein Wunsch.

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Chansons und cupido sordidus
Französische Lieder und ‚niedrige Gewinnsucht‘ (nach
Hor.
carm.
, 2,16,15f.)
Chansons
und
cupido sordidus
sind
der Geist aller zeitigen

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hoc vili corpore
Dt. ‚diesen niederen Leib‘, wie in
HKB 592 ( IV 192/28 )
nach
Phil 3,21
(jedoch nicht wörtlich aus der Vulgata) für den preußischen Staatskörper und die Zumutungen durch die friderizianischen Reformen in Kultur, Handel und Religion.
Reformationen, Qvacksalbereyen und Experimentensucht in
hoc vili corpore.
Kurz, jeder hat

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seinen Beruf, sein Gewißen, und seine Hausplage,
alias
Ehre, um wenigstens

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aus der Noth Tugend machen zu können.

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Accise-Tarif von 69
Der „Revidierte Accise-Tarif für Königsberg und alle übrige Städte des Königsreichs Preussen in beyden Departements“ wurde am 10. April 1769 in Berlin ausgegeben und enthält eine detaillierte Liste der Akzise-Abgaben. Es gab einen Separatdruck, der Tarif ist indessen auch wiedergegeben im
Novum Corpus Constitutionum,
Bd. 4 (Berlin 1771), Sp. 5553–5636
Wir haben hier einen neuen
Accise-Tarif
von 69, aber keinen neuen

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Zolltarif seit 25
Ein Zolltarif von 1725 ist nicht überliefert, vmtl. im Zuge der „Instruction des Königsbergschen Licenteinnehmers“ vom 1. August 1725, der die Aufgabenbereiche des Licenteinnehmers und Packhausinspectors in Königsberg klärt, vgl.
Acta Borussica,
Bd. 4,1 (Berlin 1908), S. 754–756
Zolltarif seit 25. von dem kein gedrucktes Exemplar mehr aufzutreiben. Ich besitze

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weder ein gedrucktes noch geschriebnes Exemplar, womit sich viele
Officiant
en

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in Ermangelung des ersteren behelfen müßen, weil er ohnehin nur aus

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wenigen Bogen besteht. Wie
Gesetze
durch Sitten ergänzt, so manche
Sätze
durch

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usance
.
Uebrigens werden die Rechnungsbücher eben so strenge
controli
rt

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redevables exercirt
die Abgabepflichtigen streng überprüft
und verificirt, als die
redevables exerci
rt, und die geringste
Irregulari
tät

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geahndet und zur Verantwortung gezogen.

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Beym
Zoll
findt keine Vergütung statt; sondern blos bey der
Consumtions-

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Accise,
welche die
Gros
händler gar nicht angeht, sondern bey jedem Verkauf

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von dem
Detailleur
bezahlt werden muß. Die übrigen stehen auf ⅓, das heist,

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zahlen nur ⅓ von der
Consumtions Accise
und sind dadurch völlig von allen

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Vergütungen ausgeschloßen, welche nur denjenigen zu gut kommt,
welche

3
die die völlige
Consumtion
beym Eingange bezahlen, wenn sie nemlich für

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eine gewiße Summe auf einmal nach fremden Ländern gehen laßen. Die

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Eintragung und Abschreibung aller Posten geschieht von drey Buchhaltern,

6
und der würkliche Ausgang muß durch Begleitscheine nachgewiesen werden,

7
die innerhalb einer gewißen Zeit von den Gränzämtern bescheinigt zurück

8
kommen müßen.

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Wenn die Nachfrage bloß der Vollständigkeit wegen, oder aus Liebhaberey

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geschieht; warum wird die Beantwortung so dringend gemacht? Auch das

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wenige was ich zu liefern imstande bin, ersuche nicht
offen
und unter meinem

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Namen mitzutheilen.

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Ihr neuer Anfall beunruhigt mich sehr. Gott gebe Ihnen doch Gesundheit

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und Kräfte zum neuen Jahr.

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Briefe von Hertel
von
Christian Gottlieb Hertel
, nicht überliefert
Hartung hat mir vorgestern Kleukers Anhang nebst einem Briefe von

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Hertel überschickt. Ich habe es gleich zum Buchbinder befördert und mich

17
herzl. über Ihre freundschaftl. Vorsorge gefreut.

18
Heute habe 2 zu Batavia gedruckte holländische
Brochuren
erhalten.

19
Sophronisba
über die Pocken
inoculation
und
Kraspoekol
oder ungl. Folgen

20
liebenswürdige Sohn
Gijsbert Karel van Hogendorp
, Sohn von
Willem van Hogendorp
; er erwähnte die Bücher seines Vaters wohl bei dem Treffen im Sommer 1781 und versprach, sie nach seiner Abreise aus Königsberg an Hamann zu senden, vgl.
HKB 631 ( IV 328/23 )
.
von der Strenge gegen die Sclaven, die mir der liebenswürdige Sohn des

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Verfaßers, Herr von Hogendorp zugeschickt. – Von seinem älteren Bruder

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nebst dem Grafen von Kayserlingk aus Kurl. auch einen Besuch gehabt.

23
Dafür muß ich über meine gewohnte Zeit mit meinem eben so ungewohnten

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Claudius Kasten
Der angekündigte ‚Kasten‘ mit Viktualien von
Claudius
, vgl.
HKB 636 ( IV 349/19 )
; er kam am 1. Februar 1782 an, vgl.
HKB 642 ( IV 365/35 )
.
Kopfweh schreiben. Gevatter Claudius Kasten schwimmt noch, wenigstens kann

25
Memel
Memel
, 120 km nordöstlich von Königsberg, gegenüber dem nördlichen Ende der Kurischen Nehrung
keine sichere Nachricht erhalten, daß er in Memel eingelaufen, wie man erzählt.

26
HE George
Georg Berens
Meinen Jubel über HE George Erscheinung habe noch denselben Abend

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nach Weimar
gegenüber
Herder
, vgl.
HKB 638 ( IV 359/6 )
nach Weimar ausgeschüttet aber bisher keine weitere Nachricht erhalten. Gott

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gebe daß wir uns diesen Sommer auch einander sehen, und beschere mir
auch

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Joseph … Christoph
Johann Christoph Berens
, nach dem frommen und gerechten Ratsherren Joseph von Arimathäa, der Jesu Grablegung veranlasste (
Mk 15,43–46
u.
Lk 23,50–53
); sie trafen sich im Sommer nicht, vgl.
HKB 646 ( IV 374/33 )
.
zweyten Candidaten
Arend Abraham Berens
, er trat im Dezember 1782 ins Philanthropin ein.
meinen alten lieben Joseph, den Ratsherrn Christoph, nebst dem zweyten

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Candidaten, den er ins Philanthropin schickt. Daß mir der erste so entwischt,

31
St. George
Georg Berens
mit seinem Besuch bei Hamann; er wollte danach nach Weimar reiten (vgl.
HKB 638 ( IV 359/15 )
), die Heiligung ist wohl auch ein Reiterwitz mit ikonographischen Eigenschaften des Reiterheiligen St. Georg.
hat mir weh gnug gethan; aber St. George hat alles gut gemacht.

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Mein ganzes Haus schläft. Hans Michel hat das polnische diese Woche

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Cnapii Thesaurum
Cnapius,
Thesaurus
glücklich angefangen, und ich habe ihm
Cnapii Thesaurum
für 6 fl. gekauft.

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Verdienst … Auction
vgl.
HKB 637 ( IV 355/12 )
Er hat aber sein Verdienst, das er sich auf der
Auction
erworben, ganz

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verloren durch einen tummen Streich, den ich heute nicht erzählen mag.

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Kant … Verlag
Kants
Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
erschien 1785 bei Hartknoch. Er stand als Verleger zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest: Nachdem Hartknoch Kant im November 1781 um den Verlag bat (vgl.
Kant: AA X, Briefwechsel 1747–1788, S. 279
), wusste Hamann erst im Februar von der Bestätigung, vgl.
HKB 642 ( IV 366/19 )
.
Kant arbeitet an der
Metaphysik der Sitten
– für weßen Verlag weiß

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kleinen Schrift
Kant,
Prolegomena
, die Schrift erschien zur Ostermesse 1783, Hartknoch stand als Verleger bereits fest, vgl.
HKB 632 ( IV 331/22 )
.
ich nicht. Mit seiner kleinen Schrift denkt er auch gegen Ostern fertig zu seyn.

S. 365
Gott schenke Ihnen Leben und Seegen und Wohlthat. Er erhalte und

2
erfreue Sie und Ihr ganzes Haus mit allem Guten. Ich ersterbe Ihr alter

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treuer Freund

4
Johann Georg Hamann.

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 5.

Bisherige Drucke

Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, VI 233–236.

ZH IV 363–365, Nr. 641.